Ashley Dyer: Tattoo | Leseprobe read’n’go

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Der »Dornenkiller« tätowiert seine Opfer mit einem Dorn. Wer wird sein nächstes Opfer?

Liverpool: Ein perfider Frauenmörder hält die Stadt in Atem. Seine Opfer findet man stets sorgfältig arrangiert und von Kopf bis Fuß mit kryptischen Tätowierungen bedeckt – die ihnen vor ihrem Tod mit einem Dorn beigebracht wurden. Detective Greg Carver und seine Kollegin Ruth Lake machen seit Monaten Jagd auf den »Dornenkiller« – ohne Erfolg.

Dann wird erneut eine tätowierte Leiche gefunden. Das Opfer sieht Carvers Frau zum Verwechseln ähnlich, und Carver wird klar: Der Killer jagt auch ihn …

Er tätowiert sie. Er tötet sie. Er ist der Dornenkiller … Der Auftakt der sensationellen Thrillerreihe von Ashley Dyer!

Das Ermittlerduo

Greg Carver
Ruth Lake

Greg Carver

Detective Chief Inspector Greg Carver, Alter 37, leitender Ermittler im Dornenkiller-Fall; impulsiv und intuitiv, nimmt es mit Regeln nicht so genau; die Arbeit an dem Fall belastet Carver, er gerät immer mehr aus der Bahn, trinkt zu viel; inzwischen von Ehefrau Emma getrennt.

Ruth Lake

Detective Sergeant Ruth Lake, ausgebildete CSI, »Super-Recogniser«, erkennt Gesichter jederzeit wieder, auch aus größeren Menschenmengen heraus; interessiert sich für Körpersignale und Körpersprache, »liest« in Menschen.

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Die Opfer

... fünf Fotos von fünf lächelnden Frauen, daneben handgeschriebene Notizen.

Die Frau steht im Wohnzimmer ...

… von Detective Chief Inspector Greg Carver. In ihrer Hand ein Colt 1911. Nach außen hin wirkt sie ruhig, gefasst. Sie hat einen Job zu erledigen. Sie dreht sich einmal im Kreis und nimmt jedes einzelne Detail ihrer Umgebung in sich auf. Nichts wurde verändert. Eine leere Whiskyflasche liegt umgekippt auf dem Boden. Greg Carver sitzt zusammengesackt in einem Sessel. Seine Augen sind geöffnet, Blut sickert aus der Schusswunde in seiner Brust. Sie dreht die Pistole in ihrer behandschuhten Hand und sichert die Waffe.

In der Küche steht sein Laptop aufgeklappt da, Unterlagen sind über den Tisch verstreut. Auf einem Stuhl neben dem Tisch steht eine Archivbox aus Pappe. Die Frau wirft die Unterlagen vom Tisch hinein und schlägt anschließend die Pistole vorsichtig in einen Bogen Papier ein. Behutsam legt sie die Waffe obenauf in die Archivbox.

Auf dem Tisch entdeckt sie ein gerahmtes Foto, das umgekehrt daliegt. Es zeigt DCI Carvers Ehefrau Emma. Die Frau trägt das Foto in Carvers Wohnzimmer, wischt ihre Fingerabdrücke ab und stellt es oben auf den Schrank, wo es immer steht.

Im Schlafzimmer hängen mehrere Bögen im Format A3 an der Wand. Auf einem sieht man fünf Fotos von fünf lächelnden Frauen, daneben handgeschriebene Notizen.

1. Tali Tredwin – Todestag: 3. Januar. Alter: 27, 1,62 groß, braune Haare, braune Augen. Geschieden, 2 Kinder. Rücken und Schultern tätowiert – blaue Tinte. Dorn einer Berberitze.

2. Evie Dodd – Todestag: 10. März. Alter: 25, 1,65 groß, schwarze Haare, grün-braune Augen. Verheiratet, 3 Kinder. Torso, Hals, Arme, Beine, Füße, Hände tätowiert – blaue Tinte. Dorn einer Berberitze.

3. Hayley Evans – Todestag: 6. Juni. Alter: 28, 1,60 groß, braune Haare, braune Augen. In einer Beziehung, 1 Kind. Torso, Hals, Arme, Beine, Füße, Hände tätowiert. Blaue Tinte. Pyracantha-Dorn.

4. Jo Raincliffe –Todestag: 2. September. Alter: 35, 1,68 groß, braunes Haar, braune Augen. Verheiratet, 2 Kinder. Torso, Hals, Arme, Beine, Füße, Hände tätowiert – blaue Tinte. Pyracantha-Dorn.

5. Kara Grogan – Todestag: 22. Dezember. Alter: 20, 1,78 groß, blonde Haare, blaue Augen. Torso, Hals, Arme, Beine, Füße, Hände tätowiert – schwarze Tinte. Pyracantha-Dorn.

Sie nimmt die Bögen von der Wand, trägt sie in die Küche und legt sie ebenfalls in die Box.

Sie wischt über Türklinken, Lichtschalter, den Sessel. Dann nimmt sie den Karton und verlässt das Haus. Vorsichtig steigt sie die Feuerleiter an der Rückseite des Gebäudes hinunter und geht über die Einfahrt. Obwohl erst kürzlich geräumt wurde, sind ihre Fußabdrücke im frisch gefallenen Schnee deutlich zu erkennen. Es ist stockdunkel, in den meisten Häusern entlang der Straße sind die Vorhänge zugezogen. Sie ist sich so gut wie sicher, dass niemand sie gesehen hat.

Wenige Minuten später kehrt sie ohne Handschuhe und ohne die Box zurück und geht die Stufen zur Haustür hoch. Dort wischt sie die Klingel sauber. Dann presst sie ihren Daumen darauf. Ohne abzuwarten zieht sie ein Schlüsselbund aus der hinteren Hosentasche und sperrt mit einem der beiden Schlüssel daran auf. Im Haus folgt sie ihrem Weg von vorhin, berührt bedächtig die Oberflächen, die sie eben erst gesäubert hat. Sie beendet ihren Rundgang vor Carvers Sessel.

Sie geht in die Hocke, hält sich an den Armlehnen fest und starrt ihm ins Gesicht. Ein kurzes Schnappen nach Luft, dann schnellt sie wieder hoch.

Schwer atmend und mit klopfendem Herzen betrachtet sie ihn. Das hast du dir nur eingebildet. Sie beugt sich erneut zu ihm, hält die Luft an, fixiert seinen starren Blick. Sie schiebt sich noch dichter an ihn heran, beobachtet, wagt kaum zu atmen – und wieder sieht sie das eine Augenlid leicht flattern. Sie stößt einen verhaltenen Fluch aus.

Kara ist am schönsten von allen in Szene gesetzt.

Silvesterabend, ...

… auf BBC News läuft ein Bericht über »die Morde des Dornenkillers«. »Es ist nun neun Tage her, seit Kara Grogans Leichnam gefunden wurde«, verkündet der Sprecher gerade, und sein feierlicher Ton deutet fast auf aufrichtiges Bedauern hin. »Sie gilt als das fünfte Opfer des sogenannten Dornenkillers.« Fotos der fünf Frauen erscheinen nacheinander auf dem Bildschirm. »Ganz nach dem inzwischen leider beängstigend vertrauten Muster verschwand Kara, Studentin am Liverpool Institute of the Performing Arts, vor etwas mehr als drei Wochen, ehe man sie tot auffand«, fuhr der Kommentator fort. »Die Polizei geht davon aus, dass sie noch am Leben war, kurz bevor man ihren Leichnam im Sefton Park in Liverpool entdeckte, an einer Stelle, die allgemein bekannt ist unter dem Namen The Fairy Glen

Der Reporter spricht weiter, während Aufnahmen von den bizarren Felsformationen und dem Baum zu sehen sind, unter dem man Kara gefunden hat. Am Fuße dieses Baumes liegen jetzt in Zellophan gehüllte Blumensträuße, zum Teil unter Schnee begraben. Die Kamera fährt ein Stück zurück, und ein Wasserfall erscheint im Bild, mit malerischen Schneeverwehungen auf den Felsnasen und vereinzelten glitzernden Eiszapfen, die an den höchsten Stellen hängen.

Kara ist am schönsten von allen in Szene gesetzt. Der Hintergrund hätte nicht effektvoller sein können; die Kleidung, das Licht, das Make-up, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und inszeniert. Der nächtliche Frost verleiht der Kulisse einen besonderen Glanz und verwandelt die ohnehin schon zauberhafte Szenerie in etwas Einzigartiges.

»Wie schon bei den anderen vier Opfern war Miss Grogans Körper großflächig mit Tätowierungen bedeckt. Die Polizei geht davon aus, dass sie mit einem spitzen Dorn oder Ähnlichem in die Haut geritzt wurden.«

Ihre Haut – so bleich! Die Tinte scheint darüber zu schweben, sodass die Augen, die in ihr Fleisch geätzt sind, lebendig, bewegt wirken.

Die verschneite Szene an der Grotte wird überblendet von Aufnahmen einer lächelnden Kara Grogan neben einem neueren Foto von Emma Carver, darunter ihr Name und dass sie mit DCI Greg Carver verheiratet ist, jenem Detective, der dem Sprecher nach «für die Ermittlungen in der Serie von Mordfällen« verantwortlich ist. Das Foto von Emma hat man bearbeitet und retuschiert, um sie jünger zu machen, doch selbst ohne Photoshop würden die beiden Frauen sich verblüffend ähnlich sehen.

Der Reporter rekapituliert, dass man Karas Leichnam wie die anderen auch an einem Ort zur Schau gestellt hat, an dem man sie leicht finden musste. »Dieses Mal jedoch wurde eine Nachricht von Kara Grogans Mobiltelefon an Detective Chief Inspector Carver verschickt. Diese enthielt ein Foto der Szene inklusive Anweisungen, wo er sie finden würde.« Die Miene des Sprechers zeigt keinerlei Regung, nur seine Stimme verrät ihn, als er aufgeregt ergänzt: »Wie uns ein Informant heute mitteilte, trug Kara, als man sie fand, ein Paar Ohrringe, die nach einer DNA-Analyse als Eigentum von Mrs. Carver identifiziert werden konnten.«

Als Nächstes ist ein Foto der Ohrringe zu sehen, mit dem Hinweis, es handle sich lediglich um »das gleiche Modell« wie jene, die Kara bei ihrem Auffinden trug, nur damit keine Missverständnisse aufkommen.

»Eine unerwartete Wendung hatten die Ermittlungen erst vor zwei Tagen genommen, als Chief Inspector Carver in seiner eigenen Wohnung angeschossen wurde. Die Polizei zieht die Möglichkeit in Betracht, dass der Schuss auf ihn mit den Ermittlungen im Falle des sogenannten Dornenkillers zusammenhängen könnten.«

Hörprobe: Richard Barenberg liest »Tattoo«

Hier geht es zum Hörbuch.

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»Fesselnd und clever. Voller makaberer und faszinierender forensischer Details. Ein umwerfender Auftakt!«

Mo Hayder, Autorin