Patricia Thielemann: Spirit Yoga Aufrecht, stark und klar im Leben | Leseprobe read’n’go

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Patricia Thielemann

»Ein persönliches Manifest: Körper, Geist und
Gefühl im Einklang.«

Spirit Yoga

Yoga boomt und Yoga-Ratgeber gibt es wie Sand am Meer. Braucht es dann ein weiteres Buch zum Thema?
Das von Patricia Thielemann entwickelte Spirit Yoga basiert auf einem neuen Ansatz: Yoga-Tradition trifft Zeitgeist und modernes Lebensgefühl. Es geht nicht darum, Yoga völlig neu zu erfinden, sondern eine Brücke zu bauen zwischen östlich und westlich geprägten Stilen. Lebensnah und heilsam, herausfordernd und freigeistig – Spirit Yoga ist eine inspirierende Kraftquelle für Menschen jeden Alters, um den alltäglichen Herausforderungen und Belastungen gelassener zu begegnen. Um eine eigene Haltung zu finden in dieser scheinbar hoffnungslosen Welt, um vom Ich zum Wir zu gelangen und vom Gelebt-Werden zum Leben.

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Patricia Thielemann blickt auf eine langjährige Praxis als Yoga-Lehrerin in den USA und Europa zurück. Sie gründete mehrere erfolgreiche „Spirit Yoga“-Schulen und bildet seit vielen Jahren Yoga-Lehrer aus und weiter. Sie und ihr Team unterrichten wöchentlich mehr als 100 Yogaklassen. Ihre Yoga-Praxis und ihre Retreats finden internationale Beachtung. Patricia Thielemann lebt in Berlin.

Aufrecht, stark und klar im Leben heißt mein Buch, und es soll zeigen, wie wir Yoga so für uns nutzen können, dass es tatsächlich einen gravierenden Unterschied in unserem Leben bewirkt. Unter dem Sammelbegriff Yoga verbergen sich unendlich viele Lehransätze, Methoden und Interpretationen. Manche sind in ihrer Funktionalität überzeugend, doch mangelt es ihnen oft an Ideenreichtum. Andere sind imposant, aber vordergründig. Einige halten sich strikt an die Tradition. Es gibt aber nicht den einen richtigen Weg. Wege sind wie Menschen: individuell. Gibt es nicht aber doch Grundsätzliches zu sagen, das sowohl dem Praktizierenden hilft, den wahren Wert des Yoga zu erkennen und Yoga so einzusetzen, dass er die Lebenspraxis unterstützt? Ich bin eine Befürworterin des Mittelwegs. Wenn man den Mittelweg konsequent geht, dann ist er keineswegs langweilig oder eindimensional. Der Mittelweg ist der Weg der Integration, der in sich all die scheinbaren Gegensätze, unterschiedlichen Ideen, Brüche, Widersprüchlichkeiten vereint, um dem Menschen, der ihn wählt, zu ermöglichen, aufrecht, stark und klar durch das Leben zu gehen. Auf Yoga bezogen bedeutet das ein Abwägen, Ausjustieren, Destillieren, Katalysieren, um am Ende etwas zu schaffen, das aus der Fülle kommt, aber dann schlicht und einfach auf den Punkt gebracht wird. Was mich sehr bewegt, ist die Gefahr, dass Menschen in dem noch immer größer werdenden Drang nach deutlich abgegrenzter Individualität, bei dem sie nicht nur ihren Körper in den Griff bekommen sondern auch noch hohe Sozialkompetenz beweisen müssen, zu total überzüchteten, neurotischen Wesen werden. Die Kampfansage gilt nicht nur dem eigenen Körper. Das ganze Verhalten muss superoptimiert sein. Diese Individualisierungsexerzitien werden unter enormem Anpassungsdruck vollzogen und erzeugen Stress und Leid und innere Leere. Im Spirit Yoga bemühen wir uns um eine für unseren Kulturkreis relevante Unterrichtsgestaltung. Es geht darum, Menschen mit sich und anderen in Resonanz treten zu lassen. Spirit Yoga basiert auf Hatha-Yoga und wurde vom Vinyasa Flow Yoga, dem fließenden Übungsstil, inspiriert. Die Spirit Yoga Lehrmethode trägt aber eine ganz eigene Handschrift. Präzision, Intensität und eine unverkennbare klare Formvorgabe zeichnen diesen von mir entwickelten Stil aus. 
Wie können wir in der modernen Welt das Wesentliche ergründen, und wie schaffen wir es, unsere Welt als beseelt zu erleben, ohne in die Honigtöpfe der Esoterik zu tappen? Esoterik ist in der Yogawelt der Fluchtpunkt für die Menschen, die sich solchen Fragen gar nicht erst stellen wollen. Aber müsste man sich nicht vielmehr fragen, wie man bei aller Härte und Konsequenz, die das Leben mit sich bringen kann, wie man trotzdem den Spirit finden und halten kann?

 

Ein literarisches Retreat für alle Yoga Praktizierenden und ein neuer Weg für alle Interessierten.

SPIEGEL online

»... Spirit Yoga bildet eine Brücke zwischen den westlichen und traditionellen Yoga-Stilen.«

Ein Interview mit Daniel Kehlmann

»Seine einzigartigen Bücher haben mir Welten eröffnet. Daniel zählt für mich zu den klügsten und originellsten Menschen, die mir in meinem Leben begegnet sind. Seit Jahren sind wir miteinander im Gespräch und vor allem bin ich seine staunende Zuhörerin.«

P: Lieber Daniel. Zuerst muss ich Dir ein Geständnis machen. Ich war mal bei Dir zu Gast auf einer Dinner Party. Da passierte folgendes:
Es war Zeit zu gehen. Mein Wintermantel hing in Deinem Arbeitszimmer. Ich ging hinein, um ihn zu holen und war für einen Moment allein.
Eine innere Stimme sagte: »Küss seinen Schreibtisch, Patricia. Dann wird die Muse zu Dir überspringen!« Gewöhnlich habe ich mich recht gut im Griff, aber in dem Moment nach zwei Gläsern Grünem Veltliner tat ich es tatsächlich. Ich küsste Deinen Schreibtisch und fühle mich auch jetzt noch Jahre später inspiriert. Wie ist das bei Dir? Woher holst Du Dir Deinen Feenstaub?

D: Das muss ich auch mal probieren, ob das Küssen von Schreibtischen von Schriftstellern funktioniert! Aber die echte Antwort darauf lautet, dass ich nicht wirklich weiß, wie dieser kreative Prozess funktioniert, denn so viel davon läuft ja nicht bewusst ab.
Wenn es gut geht beim Schreiben und übrigens auch bei einer besonders guten Yogastunde, erinnert man sich nachher nicht an Einzelheiten. Wenn diese Prozesse, die mit Präsenz des Bewusstseins zu tun haben, gelingen, dann ist das Bewusstsein sich selbst sozusagen durchsichtig, dann kommt man selbst in der Erfahrung nicht vor. Das ist kein ekstatischer Zustand, mehr eine offene Klarheit. Die Erfahrung von Inspiration kenne ich gar nicht. Ich weiß nur, dass es manchmal besser funktioniert, manchmal sehr gut und manchmal gar nicht. Aber je besser es funktioniert, desto weniger weiß man hinterher über die Details.

P: Wunderbar, ja, es ist eben nicht so, dass es »Pling« macht und dann wird alles gut, sondern es ist letztendlich einfach Arbeit, und mal passiert etwas, mal nicht. Das gilt ganz genauso für Yoga. Die Heilsversprechen, die da im Umlauf sind, lassen viele Leute glauben, man würde sich da hinsetzen und dann passiert etwas Großartiges.
Ein anderes Mal hörte ich Dich sagen, dass Du Oberflächlichkeit keineswegs verachtest. Schließlich sei Oberflächlichkeit doch der Glanz der Welt. Dieser Satz hat mich entlastet. Nicht alles muss notgedrungen tiefgründig sein. Das Leben ist vielschichtig und verlangt nach Kontrasten. Warum brauchen wir die Leichtigkeit des Seins?

D: Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das gesagt habe, ich glaub, da muss dann wohl ich es gewesen sein, der etwas viel Wein getrunken hatte.

P: Nein, das hast du auf der Bühne gesagt, als Du »F« vorgestellt hast!

D: Was könnte ich da gemeint haben? Vielleicht das: Es gibt diesen deutschen Mechanismus, immer Tiefe zu verlangen, ohne zu wissen, was genau das sein soll. Die angelsächsische Kultur kennt diese Rhetorik von Tiefe nicht, ohne dass ihre Produkte deshalb oberflächlicher wären. Meine Erfahrung als Schriftsteller ist, dass das
Publikum wesentlich klüger ist und bereiter, sich auf komplexe Dinge einzulassen, als die Leute, die Kino und Fernsehen machen, ihnen zugestehen wollen. Man soll das machen, was man für richtig hält, und wenn man ehrlich und ernsthaft ist, dann wird es auch profund genug sein. Den Dingen eine schöne Oberfläche zu geben, ist in Wahrheit nicht einfach. Man muss ja nur einen Tischler fragen, wie schwer es ist, eine Oberfläche perfekt zu glätten.

P: Im Yoga geht es vor allem um Einung. Wenn wir etwa die Hände vor dem Herzen zusammenführen, dann ist das nicht einfach eine nette Geste, sondern der Versuch, all das, was unser Leben, auch in seiner ganzen Widersprüchlichkeit ausmacht, in uns zu vereinen. Durch dieses Ausjustieren der Gegensätze erzeugen wir Spannung. Und wenn wir »gespannt« sind, dann sind wir meist auch geistesgegenwärtig – also wach und entschlossen. Wie entsteht Deiner Meinung nach ein gutes Spannungsverhältnis und warum ist das nicht nur beim Schreiben oder beim Yoga wichtig?

D: Es hat mit Präsenz zu tun. Du weißt doch so viel mehr darüber als ich! Die ganz große Aufgabe, die man immer nur unvollständig erfüllt, ist die, präsent zu sein, gegenwärtig zu sein im Moment. Wenn man das wirklich erreichen könnte, länger als ein paar Sekunden, müsste man sonst gar nichts erreichen. Damit wäre eigentlich schon alles geleistet, worauf es im Leben ankommt. Aber aus irgendeinem Grund ist unser Bewusstsein so gemacht, dass uns das so unheimlich schwer fällt, wirklich präsent und aufmerksam zu sein. Wie Du sagst, hat diese Präsenz nicht bloß mit Entspannung zu tun, wie viele meinen, sondern damit, eine gewisse Grundspannung zu halten und auszuhalten. Als ich anfing, Yoga zu machen, war ich überrascht davon, dass man, abgesehen von der Schlussentspannung, eigentlich immer eine gewisse Spannung hält. Und ich dachte zuerst: »Wie soll man denn immer mit leichter Spannung dastehen? Das ist ja schrecklich!« Aber das ist gar nicht schrecklich, sondern das ist das Leben! Die vollkommene, die absolute Entspannung, tritt erst mit dem Tod ein.

P: Beim Schreiben entwirfst Du auch eine Art Spannungsbogen. Wie wird ein Stück oder ein Roman spannend?

D: Das ist eine sehr schwere Frage, weil es da viele Möglichkeiten gibt. Es hat mit Intensität zu tun. In »Mrs. Dalloway« von Virginia Woolf zum Beispiel passiert eigentlich gar nichts. Eine Frau geht durch die Stadt, und am Abend gibt sie eine Party bei sich zuhause, auf der auch nichts Besonderes passiert. Das Buch ist aber so intensiv, und man spürt die Intelligenz der Autorin so sehr in jedem Satz, dass es trotzdem keinen Moment langweilig wird. Spannung hat nicht unbedingt etwas mit der Geschichte zu tun. Die Regeln des Erzählens sind merkwürdig. Die Dinge, die in Erzählungen passieren, müssen immer ein bisschen weniger unwahrscheinlich sein als die Dinge, die uns im Leben zustoßen. Im Leben passieren ständig sehr unwahrscheinliche, verwirrende und unnötige Dinge. Eine Geschichte zu erzählen heißt nicht, sich zusätzlich unwahrscheinliche Dinge auszudenken, sondern es heißt, die Unwahrscheinlichkeit zu reduzieren, bis eine gewisse Folgerichtigkeit eintritt, die es im Leben kaum je gibt. Ich glaube tatsächlich, dass einer der Gründe, warum wir uns gerne etwas erzählen lassen, der ist, dass in der Erzählung alles Folgerichtigkeit und Sinn hat und es eine Bewegung gibt von einem Anfang über eine Mitte auf ein Ziel zu. Und das hat etwas sehr Befriedigendes, denn im wirklichen Leben ist es selten so.

P: Im Yoga schaffen wir Lehrer eine Atmosphäre, die es dem Teilnehmer ermöglicht, für sich die Welt hinter der Welt zu erschließen. Um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen, braucht es u.a. auch eine klare Formvorgabe. Es ist also meiner Meinung nach nicht nur der Inhalt, der eine Rolle spielt, sondern auch der Rahmen, in den dann der Inhalt gebettet wird. Form und Inhalt greifen also im Idealfall harmonisch ineinander. Du schreibst ja nicht nur Romane, sondern auch Theaterstücke. Wenn eines Deiner Stücke aufgeführt wird, was empfindest Du, wenn Du die Inszenierung anschaust? Hast Du bei einer guten Inszenierung das Gefühl, dass die wesentlichen Aussagen Deines Textes durch die Aufführung erst so richtig herausgearbeitet werden?

D: Ja natürlich! Wenn ein wirklich Guter ein Stück von mir inszeniert und alle Schauspieler sind Weltklasse, das ist natürlich ein überwältigendes Erlebnis. Theaterstücke schreibe ich zu dem Zweck, dass andere inszenierend etwas aus ihnen machen, und wenn man das nicht will, dann sollte man gar nicht fürs Theater schreiben. Um das zu erleben, habe ich überhaupt angefangen, Theaterstücke zu machen.

P: Was in der Inszenierung entsteht, hat mit dem geschickten Einsatz äußerer Mittel zu tun, der Kunst der Schauspieler, mit der Beleuchtung, dem Raum, der Musik. Inszeniert man im Yoga ein Stunde so, kommt der Vorwurf, dass man sich wegbewegt vom Wesentlichen. Ich denke, das Gegenteil ist richtig: Wenn es ein gut komponiertes Zusammenspiel ist, enthüllt es das Wesentliche. Würdest Du das auch für Theater so sehen?

D: Das ist lustigerweise eine Frage, die es genauso auch in der Literatur gibt. Es gibt ja jede
Menge Avantgarde-Schriftsteller, die den Geschichtenerzählern vorwerfen, sie betrieben
eben nur Unterhaltung. Es ist aber mein Vertrauen und meine Hoffnung, dass Geschichten
und deren Inszenierungen Wege sind, etwas Wesentliches über das Menschenleben zur Sprache zu bringen, das man anders nicht einfangen kann.

P: Die zuversichtliche Grundhaltung, die ich während meiner zehn Jahre in Amerika erleben durfte, schätze ich auch heute noch enorm. In Santa Monica war ich glücklich, trotzdem entschied ich mich, als es darauf ankam, für Berlin. Ich habe es nicht bereut. Auf dem Weg in mein Yogastudio in den Rosenhöfen komme ich jedes Mal an den jüdischen Stolpersteinen in der Rosenthaler Str. vorbei und fühle mich daran erinnert, dass es in unser aller Verantwortung liegt, dass sich diese Vergangenheit niemals wiederholt. Aber das ist nicht das einzige, woran ich dann denke. Mir wird noch etwas ganz anderes bewusst – nämlich, dass wir Deutschen durch die Ablehnung unserer eigenen Identität keinen festen Boden mehr unter den Füßen haben. Wir haben unser Rückgrat eingebüßt und sind konturlos geworden. Wir verneinen unsere eigene Kultur und importieren stattdessen lieber andere Kulturen. So gut und schön ich Multi-Kulti finde, so glaube ich doch, dass es auch wichtig ist, dass wir uns unserer eigenen Identität vergewissern. Im Yoga geht es im Kern darum, zu sich zu finden. Wenn ich aber die Abkürzung nehme und meine, mich gleich mit der großen Weltseele verbinden zu müssen, dann laufe ich Gefahr, mich im Orbit zu verlieren. Wenn wir zu uns finden wollen, dann kommen wir meiner Meinung nach nicht umhin, uns zuvor mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen und auch zu versöhnen.
Wie siehst Du das und hat die Tatsache, dass Du überwiegend in New York lebst, mit diesen Fragen zu tun?

D: Der Vergleich mit dem Yoga ist in dem Fall sehr gut und hilfreich. Zu lernen, sich selber anzunehmen, heißt natürlich nicht, sich grundsätzlich und immer großartig zu finden, im Gegenteil: Sich anzunehmen heißt ja gerade, die eigenen Schwächen und Peinlichkeiten zu sehen und nicht zu verdrängen. Auf der einen Seite braucht man Selbstbewusstsein, um zu schreiben, auf der anderen Seite ist ein starkes Bewusstsein davon, wieviel man an sich selbst nicht gut findet auch wichtig und sehr hilfreich. Wenn man sehen möchte, wie unendlich abstoßend, ja pathologisch es ist, wenn jemand alles an sich toll findet, muss man nur Donald Trump anschauen. Im Moment ist es leicht, sich in Amerika als Deutscher gut zu fühlen, weil in Zeiten von Trump plötzlich Deutschland das liberale, fortschrittliche, vernünftige Mekka geworden ist, auf das alle liberalen Amerikaner ihre Hoffnung
projizieren. Natürlich macht das Spaß! Es wird einem ständig gratuliert dazu, dass man aus diesem großartigen Land kommt und dann sagt man: »Naja, das ist jetzt auch was Neues!« Mein neuer Roman, den ich gerade beende, spielt im 17. Jahrhundert während des dreißigjährigen Krieges. Insofern lebe ich zwar hier sehr in der politischen Gegenwart, aber die letzten Jahre, ich hab sie aber auch sehr intensiv innerlich in der ganz tiefen deutschen Vergangenheit verbracht.

P: Dann bekommen wir mal etwas von der Bewunderung zurück, die wir den Amerikanern auf so vielen Feldern zollen, im Fall der Literatur natürlich zurecht. Auch die schillerndsten Yogameister der Neuzeit sind Amerikaner. Ich sage nur: Happineskultur! It’s about how you feel and it’s always amazing.

D: Ja, richtig!

P: Bryan Kest, der Begründer des Power Yoga, sagt immer, wenn da hundert schöne Frauen vor ihm sitzen, mit sonorer Stimme: »Ladies, it’s not about how you look, it’s about how you feel!« Dabei fasst er sich dann ans Herz und sofort kommen den Frauen dann die Tränen. Aber als er das als Gastlehrer im Spirit Yoga Studio sagte: »Ladies, it´s not about how you
look, it´s about how you feel!«, da passierte gar nichts. Betretene Stille! Und in diese Stille hinein sagte so eine ältere Frau mit hennagefärbten Haaren:«You know what, Bryan? It hasn’t been how I look for a fucking long time. I just wanna get thru with my life.« Es zeigt so manchmal, dass sich eben auch die Kulturen nicht eins zu eins übertragen lassen.

D: Dieses ständige Positiv-Sein der Amerikaner ist nicht nur für uns anstrengend, auch für die Amerikaner selber. Aber es erscheint nur uns als Verlogenheit, eigentlich ist es nur eine Kulturtechnik, um in einem Land, in dem das Leben besonders hart und schwer ist, wo es kein soziales Netz gibt und wo die Leute eigentlich auch wenige Freunde haben, wo die Isolation viel größer ist und das Leben teurer und schwieriger, da ist es einfach eine Art, um sich das Zusammenleben ein bisschen erträglicher zu machen. Es ist jetzt eine sehr gute Zeit für europäische Schriftsteller und Leser, sich auf die Stärke und Größe der europäischen Literatur zu besinnen. In jeder Hinsicht führt das Debakel, das Amerika gerade erlebt, auch zu einer Aufwertung von Europa!

P: Auch wenn es immer mehr Männer gibt, die Yoga praktizieren, so ist es doch für viele noch fremdes Terrain. Wie ist das für Dich? Was gibt die Yogapraxis Dir?

D: Ich war außer Form und hatte große Rückenprobleme, als ich anfing, und die sind durch Yoga verschwunden. Die Frage, ist Yoga sinnvoll für mich als Mann, hat sich mir nie gestellt, weil sofort vollkommen klar war, dass das extrem sinnvoll ist: Keine Rückenschmerzen mehr! Ich kenne viele Männer, die Yoga machen und begeistert davon sind. Dieses Gefühl für traditionelle Rollenverteilung, was macht man als Junge oder Mann, was nicht, das ist nicht mehr so ein Thema, und deshalb auch nicht in Bezug auf Yoga. Hier in New York ist das schon mal gar kein Thema. Das ist natürlich ein Fortschritt der Vernunft!

P: Und über das Körperliche hinaus, hast Du auch das Gefühl: Du kriegst den Kopf frei?

D: Ja, natürlich, das ist auch ganz wichtig, diese innere Klarheit und das Eins-Sein mit sich und mit der Welt, das man nach einer guten Yogastunde empfindet. Das ist durchaus vergleichbar mit dem Gefühl von Erleichterung und Eins-Sein, das man nach einigen sehr gelungenen Stunden des Schreibens hat. Beim Schreiben hat man die Resultate auf Papier, beim Yoga hat man das Resultat in sich selber. Beim Schreiben wie beim Yoga hat das etwas mit dem Bewusstseinszustand zu tun, den man erreicht, und zwar auf eine ganz klare und nicht esoterische Weise. Dieses Eins-Sein mit sich und der Welt, das man nach einer gelungenen Yogastunde empfindet, ist etwas Großartiges, das noch lange darüber hinaus wirken kann.

 

Spirit Yoga

Die Philosophie hinter der Yoga-Praxis

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