Julia Whelan: Mein Jahr mit Dir | Leseprobe read’n’go

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Du kannst dein Leben planen, aber nicht deine große Liebe ...

Es soll das Jahr ihres Lebens werden. Mit einem Stipendium erfüllt sich Ella endlich ihren lang ersehnten Traum von einem Auslandsjahr in Oxford. Doch gleich am ersten Tag stößt sie dort mit dem arroganten Jamie Davenport zusammen, der zu allem Übel auch noch ihren Literaturkurs leitet. Als Ella und Jamie eines Abends gemeinsam in einem Pub landen, kommen sie sich viel näher als geplant. Und obwohl sie sich dagegen wehrt, spürt Ella, dass sie sich in ihn verlieben wird. Sie ahnt nichts von Jamies tragischem Geheimnis und davon, dass diese Liebe sie vor die größte Entscheidung ihres Lebens stellen wird …

»Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag in Oxford, aber für mich ist er magisch.«

In diesem Augenblick knallt die Tür auf, sodass alle zusammenzucken, und ein Typ, der angezogen ist wie Robert Redford in Der Clou, stolziert herein. »Ich bin angekommen«, verkündet er. »Wir können beginnen.« So viel zu englischer Zurückhaltung. Mit einem Schreck wird mir bewusst, dass ich ihn kenne.
»Sebastian Melmoth!«, entfährt es mir.
Er hält inne und beäugt mich. Der Kopf des Mädchens schwenkt von ihm zu mir und zurück zu ihm, und die Augen quellen ihr fast aus dem Kopf. »Charlie! Du hast geschworen, du würdest aufhören, das zu tun!«
Er lässt theatralisch den Kopf auf die Brust sinken und schlurft auf uns zu.
Das Mädchen wendet sich wieder zu mir um, ihre rehbraunen Augen sind voller Mitgefühl. »Wo hast du den Schwachkopf denn kennengelernt?«
»Wir teilen uns einen Flur«, antworte ich, während er sich auf den Platz auf ihrer anderen Seite fallen lässt.
Sie wendet sich ihm zu, gibt ihm einen Klaps auf den Arm. »Und du hast sie nicht erkannt?«
»Zu meiner Verteidigung«, beginnt er, »sie war als Vagabund verkleidet. « Er sieht an dem Mädchen vorbei zu mir. »Und nun, nachdem ich den moralischen Eignungstest nicht bestanden habe, was soll es sein, hm? Sieben Jahre als Kröte? Eine Ewigkeit als Tory? Oder wollen wir auf weitere Zwietracht verzichten?« Er streckt die Hand aus. »Charles Butler, veritas et virtus.«
Ich muss unwillkürlich lächeln. »Ella Durran.«
Er lässt meine Hand sinken und lehnt sich wieder auf seinem Platz zurück. »Komm heute Abend zu mir. Wir wer¬den einen Schluck trinken.«
»Mache ich. Danke.«
Er knufft das Mädchen in die Seite. »Leiste uns Gesellschaft.«
»Okay.«
»Bring deinen Scotch mit.«
Das Mädchen verdreht die Augen, aber in genau diesem Moment kommt Professor Roberta Styan herein. Perfekt verkörpert sie den zerstreuten Professor und murmelt im Gehen vor sich hin.

»Hallo, hallo, tut mir leid, bitte entschuldigen Sie die Verspätung.« Dann sagt sie: »Also, tragische Neuigkeit, leider. Ich wurde soeben zur Leiterin des Aufbaustudiengangs ernannt. Was heißt, dass ich viel zu wichtig bin, um Sie zu unterrichten.« Bevor wir reagieren können, fährt sie fort: »Bitte vergießen Sie keine Tränen! Zerreißen Sie nicht Ihre Kleider! Mein Ersatz ist mehr als fähig. Tatsächlich ist er mein brillantester Forschungsassistent. Nach zwei Minuten in seiner Gegenwart – nicht zu vergessen seine hautenge Jeans – werden Sie nicht mehr wissen, dass ich je existiert habe.« Sie holt einmal tief Luft, dann lächelt sie. Angesichts unserer ausbleibenden Reaktion witzelt sie: »Darüber hätten Sie jetzt lachen sollen. Ach, na ja. Ohne weitere Vorrede, lernen Sie Jamie Davenport kennen. Jamie?« Sie weist mit einer Handbewegung zur Tür.

Augenblick. Moment mal. Die Person, für die ich nach Oxford gekommen bin, um bei ihr zu studieren, geht? Aber ich habe ihre ganzen Bücher, all ihre Aufsätze gelesen. Das hier darf nicht wahr sein. Sie war mein Oxford-Schicksal, mein Gandalf, mein Mr. Miyagi, mein Wie-immer-Robin-Williams’-Figur-in-Club-der-toten-Dichter-hieß. Was soll das heißen, sie unterrichtet nicht?

Styan humpelt vom Podium, und der Lehrassistent drückt ihre Schulter, bevor er ans Vortragspult tritt. »Tut mir leid, Sie zu enttäuschen, aber meine hautenge Jeans ist in der Reinigung.« Er lächelt die Gruppe charmant an, und alle reagieren mit einem Kichern.

»Manchmal ertappst du ihn dabei, wie er dich ansieht, und dein Magen sackt weg wie in der Achterbahn.«

»Sagen Sie mir, Ella, warum haben Sie von allen Gedichten in diesem Buch ausgerechnet dieses ausgewählt?«
»Weil es die Wahrheit über Männer ausspricht.«
»Ah, okay. Das heißt, Männer sind nur imstande, eine Frau sechs Monate lang zu lieben?«
»Ich denke, es wurde aufgerundet.«
Das entlockt ihm ein leises Kichern. Dann legt er das Buch auf seinen Schoß, hält kurz inne und blickt wieder auf. Er tut es ernst, bewusst, lässt sich Zeit. Er ist so völlig anders als der überdrehte Idiot, dem ich im Fröhlichen Fisch zum ersten Mal begegnet bin. »Also, das hier erinnert Sie an einen Exfreund? Ihnen wurde doch sicher schon einmal das Herz gebrochen. Mindestens einmal?«
Ich schnaube verächtlich. »Mir wurde noch nie das Herz gebrochen.«
»Natürlich. Entschuldigung. Wie auch? Wenn man glaubt, dass ein Mann nur imstande ist, eine Frau sechs Monate lang zu lieben.«
»Sie behaupten, anders zu sein? Denn nach allem, was ich gehört habe, sind Sie gewissermaßen das Aushängeschild für …« Ich bremse mich. Das geht zu weit.
Seine leuchtend blauen Augen blitzen vor Begeisterung. »Aushängeschild, ach ja? Wie herrlich skandalös. Bitte fahren Sie fort.«
Ich kann nur den Kopf schütteln.
Er lächelt. »Also, wir kennen einander, wissen alles über einander.« Er lehnt sich grinsend zurück. »Wir haben uns dort in dem Imbiss genau abgeschätzt, oder? Gewogen und gemessen. Hätte irgendjemand von geringerem Intellekt sein Wissen über einen von uns verkündet, hätte man ihn für voreingenommen oder urteilsschnell gehalten. Das Buch nicht nach dem Einband bewerten und das alles. Aber wir haben einander im Schnellverfahren gelesen, und zum Glück sind wir die Schlauen. Schließlich sind wir Oxonianer.«
Das entringt mir ein knappes Lächeln.
Er sieht zur Decke hoch, scheint seine nächsten Worte aus der Luft zu pflücken, rezitiert: »›Den geisteswissenschaftlichen Lehrplan in einer solch entscheidenden Zeit abzubauen verstümmelt sowohl in soziologischer als auch in solipsistischer Hinsicht das Verständnisvermögen des jungen Menschen und führt letztendlich zu einer Wählerschaft, die nur in Schwarz-Weiß denkt, und das zu einer Zeit, zu der wir, wenn wir überleben wollen, in Technicolor denken müssen.‹« Jetzt sieht er mich an. »Das gefällt mir sehr.«
Er hat mich gegoogelt. Der Dreckskerl hat mich gegoogelt, nachdem ich ihn absichtlich nicht gegoogelt habe. Ich weiß nicht, ob ich mich geschmeichelt oder verraten fühlen soll. Aber jetzt stehe ich da wie eine Scheinheilige, die Bildungs-Evangelistin, die nicht einmal eine schlichte Aufgabe bewältigen kann.
»Nun, ich hätte vermutet«, fährt er fort, »dass die Frau, die diesen Artikel geschrieben hat, durchaus einiges darüber zu sagen hat, was für Gefühle ein Gedicht in ihr weckt.«

»Nichts in diesem Leben ist für immer. Aber wenn man jemanden liebt und von jemandem geliebt wird, kann man sein Märchenland finden.«

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Publishers Weekly