Harlan Coben: In deinem Namen | Leseprobe read’n’go

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15 Jahre war sein Leben eine Lüge.
Jetzt ist der Tag der Wahrheit gekommen.

Fünfzehn Jahre ist es her, dass Detective Nap Dumas seinen Zwillingsbruder Leo verlor. Damals wurden Leo und dessen Freundin Diana unter mysteriösen Umständen tot auf den Eisenbahngleisen ihrer Heimatstadt in New Jersey gefunden. Damals verschwand auch Maura, Naps große Liebe, ohne ein Wort des Abschieds. Als jetzt im Wagen eines Mordverdächtigen Mauras Fingerabdrücke auftauchen, hofft Nap, endlich Antworten zu bekommen. Doch stattdessen stößt er nur auf immer neue Fragen: über die Frau, die er einst liebte, über eine verlassene Militärbasis und vor allem über Leo und Diana. Denn die Gründe, warum sie sterben mussten, sind dunkel und gefährlich…

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Sie trug ein Kleid mit einem Dekolleté, das solch tiefgreifende Einsichten vermittelte, dass es Philosophie hätte lehren können.

Daisy entdeckte Dale Miller – ihre Zielperson – auf einem Hocker am hinteren Ende des Tresens. Er trug einen grauen Nadelstreifenanzug. Hmm. Er war alt genug, um ihr Vater sein zu können. Möglicherweise würde das ihr Vorgehen erschweren – musste es aber nicht. Bei alten Knackern wusste man nie.

„Hi“, sagte Daisy und warf routiniert die Haare nach hinten.

Miller wandte ihr den Kopf zu. Er sah ihr direkt in die Augen. Sie wartete darauf, dass sein Blick den Ausschnitt hinabwanderte – verdammt, selbst Frauen konnten sich das nicht verkneifen, wenn sie dieses Kleid trug –, doch er sah ihr weiter in die Augen.

„Hallo“, antwortete er. Dann drehte er sich um und starrte wieder in seinen Whiskey.

Normalerweise ließ Daisy sich von der Zielperson anbaggern. Das war ihre Lieblingstechnik. Sie lächelte und sagte auf diese gewisse Art ‚Hi‘, worauf der Mann fragte, ob er ihr einen Drink ausgeben dürfe. Sie kennen das. Aber Miller war offenbar nicht in Flirtlaune. Er nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. Dann noch einen.

Das war gut. Das Saufen. Das machte es einfacher.

„Kann ich irgendetwas für Sie tun?“, fragte er.

„Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich einfach zu Ihnen setze?“

Man konnte ihr Vorhaben durchaus als Betrug bezeichnen. Doch größere Schuldgefühle hatte Daisy nicht.

Daisys Job umfasste genau zwei Aufgaben: Zuerst verleitete sie den Ehemann dazu, zu viel zu trinken, sodass er nicht mehr Auto fahren durfte, dann lotste sie ihn hinters Steuer. Rex war Polizist. So konnte er ihn anhalten, einen Alkoholtest durchführen und schwupps, hatte ihre Klientin im Sorgerechtsprozess einen riesigen Vorteil. Rex wartete zwei Blocks weiter in seinem Streifenwagen. Er suchte sich immer ein ruhiges Plätzchen in der Nähe der Bar, in der die Zielperson am fraglichen Abend etwas trank. Je weniger Zeugen, desto besser. Dann stellte auch niemand unangenehme Fragen. Halt den Kerl an, nimm ihn fest, und fertig.

Daisy und Dale Miller wankten durch die Tür und weiter Richtung Parkplatz.

Wie aufs Stichwort erschien das Blaulicht.
„Sieh einer an!“, sagte Miller. „Da hat uns wohl die Vergangenheit eingeholt.“

„Sir, ich möchte Sie bitten, ein paar Übungen durchzuführen, damit ich feststellen kann, ob Sie betrunken sind.“

„Wollen wir das nicht überspringen?“, fragte Dale Miller.

„Wie bitte?“

„Warum lassen Sie mich nicht gleich pusten? Das wäre einfacher.“

Das Angebot überraschte Rex. Er sah Daisy an Miller vorbei an. Sie zuckte kurz die Achseln.

„Ich gehe davon aus, dass Sie ein Alkoholtestgerät in Ihrem Streifenwagen haben?“, sagte Miller.

„Das habe ich, ja.“

„Dann lassen Sie uns keine Zeit verschwenden. Weder Ihre, noch meine, noch die der hübschen Lady.“

Als Rex sich umdrehte, um zum Streifenwagen zu gehen, zog Dale Miller eine Pistole und schoss ihn zweimal in den Hinterkopf. Rex sank zu Boden. Dann drehte Dale Miller sich um und richtete die Pistole auf Daisy.

Sie sind wieder da, dachte sie. Nach all den Jahren haben sie mich gefunden.

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Nap hatte keine Ahnung, was das Öffnen der Tür für ihn bedeuten würde.

Ich bin unterwegs ins Schlafzimmer und ziehe mir schon das Hemd aus, als es klingelt. Ich nehme an, dass es ein Paket ist, weil UPS und FedEx die Einzigen sind, die vorbeikommen, ohne sich vorher anzumelden. Also gehe ich nicht runter. Als es ein zweites Mal klingelt, überlege ich, ob ich etwas bestellt habe, für das der Bote eine Unterschrift braucht. Mir fällt aber nichts ein. Ich gucke aus dem Schlafzimmerfenster.

Cops.

Ich ziehe mir schnell eine graue Jogginghose über und werfe einen Blick in den Spiegel. Bei dem Anblick kommt mir nur ein einziges Wort in den Sinn: schneidig. Na ja, das einzige Wort ist es nicht, aber belassen wir es dabei. Ich laufe die Treppe hinunter und greife nach dem Türknauf.

Ich hatte keine Ahnung, Leo, dass es mich zu dir zurückbringen würde.

Was kann ich für Sie tun?“

„Ich bin Lieutenant Stacy Reynolds“, sagt sie. „Das ist Detective Bates.“

„Ich fürchte, wir haben schlechte Nachrichten.“

Ich warte.

„Bei uns im Bezirk wurde ein Mord verübt“, sagt sie.

„Ein Polizistenmord“, ergänzt Bates.

„Wer wurde ermordet?“, frage ich.

„Rex Canton. Er wurde bei einer Verkehrskontrolle erschossen“, sagt Reynolds. „Wir haben Fingerabdrücke gefunden.“

„Wo?“, frage ich.

„Das Wo spielt keine Rolle“, sagt Reynolds. „Viel wichtiger ist, wessen Fingerabdrücke es waren.“

Ich warte. Niemand sagt etwas. Also frage ich: „Wessen Fingerabdrücke waren es?“

„Tja, das ist Teil des Problems“, sagt sie. „Wissen Sie, die Fingerabdrücke befanden sich nicht in der Verbrecher-Datenbank. Die fragliche Person ist nicht vorbestraft. Aber, na ja, sie waren trotzdem im System.“

„Die Fingerabdrücke waren im System“, fährt sie fort, „weil Sie, Detective Dumas, sie in die Datenbank eingegeben haben, mit dem Hinweis ‚Person von besonderem Interesse‘. Vor zehn Jahren, sie waren ganz neu bei der Polizei, haben Sie darum gebeten, informiert zu werden, wenn diese Fingerabdrücke gefunden werden.“

Ich versuche, mir den Schock nicht anmerken zu lassen, glaube aber nicht, dass mir das besonders gut gelingt. Reynolds und Bates sehen mir ins Gesicht. „Detective Dumas?“

Ich reiße mich zusammen. „Wollen Sie mir sagen, dass das Mauras Fingerabdrücke waren?“

„Das waren sie, ja.“

„Aber Sie haben sie noch nicht gefunden.“

„Nein, noch nicht“, sagt Reynolds. „Möchten Sie uns das erklären?“

Ich schnappe mir mein Portemonnaie und die Hausschlüssel. „Das mache ich unterwegs. Fahren wir.“

Die Zeit bleibt stehen. Ich spüre das Kawumm, als mein Herz in tausend Teile zerspringt.

Hal, der Barkeeper von Larry and Craig’s Bar spult das Video vor. 

Als zwei Personen aus der Bar kommen, lässt er die Taste los. Sie wenden uns die Rücken zu. Zwei von hinten aus der Ferne aufgenommene Personen, die verschwommen auf der zu weit entfernten Kamera erscheinen.

Doch dann sehe ich, wie die Frau geht. 

Reynolds sagt: „Und?“

„Das ist Maura“, sage ich.

„Sind Sie sicher?“

Ich spare mir die Antwort. Ich starre immer noch das Video an.

„Wie viel haben sie getrunken?“, frage ich Hal.

“Die beiden haben ordentlich zugelangt.“

Ich denke darüber nach, suche nach einer logischen Erklärung.

„Oh, noch was“, sagt Hal. „Sie hieß nicht Maura. Jedenfalls hat sie sich nicht so genannt.“

„Wie hat sie sich denn genannt?“, fragt Reynolds.

„Daisy.“

Erfahre mehr über Nap und Maura

Nap Dumas
Maura Wells

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»Seine Romane sind Meisterwerke der Spannung!«

Sebastian Fitzek