Marc Elsberg: Gier – Wie weit würdest du gehen? | Leseprobe read’n’go

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Wettbewerb treibt unsere Gesellschaft an: höher, schneller, weiter.
Und wohin führt uns das?

Worum geht es in GIER?

»Stoppt die Gier!«, rufen sie und »Mehr Gerechtigkeit!«.

Auf der ganzen Welt sind die Menschen in Aufruhr. Sie demonstrieren gegen drohende Sparpakete, Massenarbeitslosigkeit und Hunger – die Folgen einer neuen Wirtschaftskrise, die Banken, Unternehmen und Staaten in den Bankrott treibt. Nationale und internationale Konflikte eskalieren. Nur wenige Reiche sind die Gewinner. Bei einem Sondergipfel in Berlin will man Lösungen finden.

Der renommierte Nobelpreisträger Herbert Thompson soll eine Rede halten, die die Welt verändern könnte, denn angeblich hat er die Formel gefunden, mit der Wohlstand für alle möglich ist.

Doch dazu wird er nicht mehr kommen … 

Thompson's Lebenswerk

Herbert Thompson auf dem Sitz neben Will hielt das Telefon fest in seiner knochigen Altmännerhand.

„Wir fahren hier gerade durch die Hölle, verdammt!“, raspelte seine Greisenstimme. „Lass uns später darüber reden!“

Wie so viele Hochbetagte war er über die Jahre in seinem Anzug geschrumpft. Die Schulterpolster zu breit, die Ärmel zu faltig. In dem luxuriösen Ledersitz wirkte er fast verloren. Wäre da nicht seine Energie gewesen.

Leise und abgehackt drangen Wortfetzen seines Gesprächspartners aus dem Telefon.

„… einflussreichsten Ökonomen der Gegenwart! … begehst wissenschaftlichen Selbstmord!”

„Im Gegenteil!”, keifte Thompson. „Das ist meine wichtigste Arbeit überhaupt!”

Die Antwort verrauschte im Lärm der Demonstranten.

„Mein Lebenswerk?“, rief Thompson. „Das habe ich damit erst geschaffen! Diese Konzepte können dem Wahnsinn da draußen ein Ende bereiten. Mehr Gerechtigkeit schaffen. Mehr Wohlstand für alle! Einem Nobelpreisträger werden sie schon zuhören.”

„… dich … auslachen!“, echauffierte sich die Stimme am anderen Ende der Leitung. 

Entschieden tippte Thompson auf den Aus-Button und schob die Notizen für seine Rede zurück in die Aktentasche auf seinem Schoß.

„Idiot!”, krächzte er. „Hat bloß Angst, dass wir Leuten wie ihm auf die Füße treten.“ Er kniff die Augen zusammen. „Was steht da?“, fragte er mit Blick auf die Transparente.

„Stoppt die Gier! Tod dem Kapitalismus!“, sagte Will.

„Haben keine Ahnung, was Kapitalismus ist, aber Hauptsache, er ist an allem schuld“, meckerte Thompson. Dann gluckste er vergnügt: „Da sind wir ja im richtigen Auto hineingeraten. Wenn die wüssten, wer gerade auf sie zufährt …“

Will fand den Gedanken weniger lustig. Wenn die es wüssten, würde der nächste Molotowcocktail mit Sicherheit ihre schwarzglänzende Limousine treffen.

Der Aufruhr war ganz nach Thompsons Geschmack. Konfrontationen hatte er nie gescheut. Wettbewerb. Survival of the fittest als Grundlage allen Erfolgs, Wachstums und Wohlstands. Für einige seiner wirtschaftlichen Modelle dazu hatte er vor zwölf Jahren den Nobelpreis erhalten. Er war eine Legende. Eine Stimme, der die Wichtigen, die Mächtigen und Reichen dieser Welt Gehör schenkten.

Thompsons Telefon leuchtete auf. Schnaubend nahm er das Gespräch an.

„Was willst du noch?“, bellte er. „Ich habe dir lang und breit erklärt, dass wir den Beweis haben. Den mathematischen Beweis!“

Will spitzte die Ohren.

„… Dummheit bewahren.“

Thompsons Gesicht lief rot an vor Zorn. „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel! Du wirst mich nicht davon abbringen, meine Rede zu halten. Niemand wird das.“

Kurzerhand schaltete er das Handy aus und steckte es weg.

Der Chauffeur blickte hilfesuchend nach hinten. Dort staute sich eine Handvoll Wagen. Die letzten verschluckte eine heranrollende Woge von Rauch. Darin tauchten neue Silhouetten auf.

Thompson, zu steif, sich umzudrehen, fragte: „Welche sind das jetzt?“

Will warf einen Blick durch das Heckfenster. „Transparente mit ‚Ausländer raus’ ‚Deutschland zuerst’.“ Einige zeigten den Hitlergruß. „Nazis!“, rief er.

Thompson schüttelte den Kopf. „Über den neuen Nationalismus dürfen wir uns nicht wundern. Wenn man jahrzehntelang den Staat zurückdrängt, bleibt vom Nationalstaat nur mehr national. Das fliegt uns jetzt um die Ohren. National. International …“

Eine Explosion an der Heckscheibe unterbrach ihn. Will schrumpfte im Schock. Splitter rannen an der Scheibe hinab, zusammengehalten vom Etikett einer Biermarke.

Kein Benzincocktail, bloß normaler Alkohol.

Auch Thompson war zusammengezuckt. Der Nobelpreisträger wandte sich an den Fahrer: „Ich habe eine wichtige Rede zu halten“, sagte er. „Die das alles hier beenden kann.“ Er klopfte ihm auf die Schulter. „Wie sagte Churchill? ‚Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter.‘ Also: Fahren Sie!“

"Diese Konzepte können dem Wahnsinn da draußen ein Ende bereiten. Mehr Gerechtigkeit schaffen. Mehr Wohlstand für alle!"

Plan Ikarus startet

Durch die Frontscheibe des Range Rovers blickte Eldridge direkt auf das Heck des Mercedes mit Thompson und Cantor. Die Demonstrationen vor dem Schloss mussten von den genehmigten Routen abgewichen sein, die Polizeiabsperrungen zu ihrer Einhegung offenbar leck wie ein alter Gartenschlauch. Durch eines dieser Lecks wurden sie nun überschwemmt. Die Wagen hinter ihnen wurden eingeholt von den ersten tätowierten Glatzen, Skins, Rocker-Vollbärten. Vor ihnen fürchtete sich Eldridge nicht. Er und die vier übrigen Männer im Wagen waren ganz anderes gewohnt.

Am Steuer neben Eldridge wartete Jack auf seine Anordnungen. Die dunkelgraue Combathose um die mächtigen Oberschenkel gespannt, die massiven Arme und Schultern unter dem grauen Hemd gestrafft, die Augen schmale Schlitze im fleischigen Narbengesicht. Seine Stirn stieß fast an das Wagendach; längere Haare als Jacks Stoppel hätten den grauen Bezug gestreift.

Das Headset in Eldridges Ohr meldete einen Anruf. Konnte nur eine Person sein. „Annehmen.“

„Plan Ikarus“, erklärte die Stimme in seinem Ohr.

„Wiederhole“, sagte Eldridge. „Plan Ikarus.“

„Bestätigt.“

Der Anrufer beendete die Verbindung.

Eldrigde, für seine Teammitglieder El, tippte den Tabletcomputer auf seinem Schoß an. Auf dem Bildschirm erschien eine Grafik mit der schematischen Darstellung eines gläsernen Autos von oben: Innenraum, Sitze, Armaturen, Motor …

Das Antriebs- und das Steuerungssystem – Motor, Lenkrad, Schaltung, Pedale – leuchteten blau. Über dem Motor zeigte ein Tachometer 2 km/h. Rechts oben im Schirm ein rotes Feld „Enter“.

Tipp.

„Enter“ änderte seine Farbe von Rot zu Grün.

El legte die Kuppe seines großen, schartigen Zeigefingers mit dem kurzen Nagel erneut auf den Monitor des Tablets. Genau auf das blaue Gaspedal der durchsichtigen Autoillustration. Er blickte auf zum Heck der Limousine, über deren Rückscheibe die Reste einer Bierflasche sabberten, und begann sanft zu drücken.

„Mein Gott …“, stammelte Will. „Der Wagen wurde gehackt!“

Eine Limousine außer Kontrolle

Die Beschleunigung des Wagens drückte Will in den Sitz. Das Fahrzeug steuerte direkt in die Menge. Demonstranten schrien auf. Einige brachten sich durch Hechtsprünge vor dem heranrollenden Gefährt in Sicherheit, andere schüttelten wütend die Fäuste.

„Vorsicht, Mann!“, krähte Thompson. „‚Durch die Hölle gehen’ sagte ich! Nicht, sie erschaffen!“

„Etwas stimmt hier nicht!“, rief der Chauffeur in holprigem Englisch.

Will hörte Unglauben in seiner Stimme.

„Was ist los?“

„Der Wagen … der fährt von allein!“

Mit heftigen Bewegungen pumpte der Chauffeur die Pedale. Hieb auf die Hupe. Lärmend pflügte der Mercedes durch den Rauch und die davonhastenden Schatten und nahm Tempo auf.

„Die Bremsen funktionieren nicht!“ Er rüttelte am Schaltknüppel. Panik in der Stimme. „Die Schaltung! Nichts!“

Er nahm die Hände vom Steuer. „Sehen Sie?!“

„Tun Sie Ihre Hände wieder an den Lenker!“, befahl Thompson.

Der Fahrer gehorchte.

Will blickte in aufgerissene Augen hinter den Scheiben, brüllende Münder.

Ein Transparent klatschte auf die rechte Frontscheibenhälfte und verdunkelte sie. Wurde fortgeweht.

Vergeblich riss der Fahrer am Lenkrad.

„Mein Gott …“, stammelte Will. „Der Wagen wurde gehackt!“

Er fummelte sein Mobiltelefon aus der Sakkotasche. Trotz hektischen Tippens auf dem Touchscreen blieb er schwarz.

Draußen auf der Straße lichtete sich der Rauch. Die Menschen flohen vor ihnen in alle Richtungen. Einem Haufen Metall mit dem Schwung von vierzig Stundenkilometern hatten sie nichts entgegenzusetzen als ihre Haut, ihr Fleisch und ihre Knochen. Ihr Leben.

„Haben Sie ein Telefon?“, fragte Will den Fahrer.

„Hier.“

Während der Mann hilflos an Lenkrad und Schalthebel rüttelte, startete Will dessen Handy. Auch dieses Gerät reagierte nicht. Er blickte zu Thompson, der mit hochgezogenen Schultern in seinem Sitz kauerte und die Aktentasche umklammert hielt. Bleich verfolgte er Wills Bemühen.

Die Limousine fuhr schneller, die Straße leerte sich, kaum mehr Demonstranten, noch kein Verkehr. Will musste zwinkern, um seinen Augen zu trauen. Vor ihnen lag eine ganz normale Straße. Er wandte sich um. In einiger Entfernung hinter ihnen erinnerte die Szenerie weiterhin an ein auf die Erde gefallenes Gewitter. Nur ein dunkler SUV war ihnen durch ihre Schneise gefolgt.

Sie verließen eine Kreuzung und bogen an einem Fahrverbotsschild vorbei in eine mehrspurige Straße. Weiter vorn entdeckte Will die Siegessäule. Sie fuhren in den Tiergarten!

„Ihr Telefon!“, forderte er mit offener Hand von Thompson.

Die Suche des Nobelpreisträgers in den Taschen seines Jacketts dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Sie fuhren auf einer breiten, leeren Straße durch den Park.

„Warum ist hier keiner?“, rief Will.

„Schon gesperrt, wegen der Demonstrationen morgen“, erklärte der Fahrer. Schweiß stand auf seiner Stirn.

Als Will Thompsons Telefon endlich in die Finger bekam, blieb es so tot wie die anderen. Frustriert warf er es auf die Sitzbank.

„Wir werden entführt!“, rief er. „Wir müssen uns irgendwie bemerkbar machen!“

„Aber wem?“, brüllte der Chauffeur. „Da draußen ist ja niemand! Verdammt!“

Der Wagen schleuderte nach links. Mit quietschenden Reifen kurvte er zurück nach rechts. Zu steil! Direkt auf den Wald zu. Der erste Reifen traf den Randstein. Die Beifahrerseite stieg hoch, und mit einer Drehung um die eigene Achse schraubte sich die Limousine durch die Luft Richtung Bäume.

Blutüberströmt. Sein Arm ragte aus dem Fenster. Jan fühlte keinen Puls.

Die letzten Worte von Thompson an Jan

Jan sah nur einen mächtigen Schatten. Dann wirbelte eine Tonne Metall von der Straße her quer über den Radweg. Instinktiv zog Jan den Kopf ein. Das Gefährt schoss über ihn hinweg. Touchierte einen Baumstamm, krachte gegen einen zweiten und stürzte ab. Fast verlor Jan die Kontrolle über sein Fahrrad. Vollbremsung.

Das Fahrzeug lag sieben, acht Meter weit im Wald auf dem Dach. Von der Bodenplatte bei den Vorderrädern stieg Rauch auf.

Jan warf das Rad hin. Einer dieser Momente, in denen man nicht denkt. Der Körper wird zur Sehne. Er rannte los. Fand das Handy in der vorderen Tasche seiner Jeans. Notruf. Sprintete zu dem zerdrückten Haufen Blech.

Dunkle Luxuslimousine. Ein Meer von Splittern. Der Fahrersitz war ihm am nächsten. Dort hatte das Dach dem Absturz am besten standgehalten. Im Sitz hing regungslos ein älterer Mann. Dunkler Anzug. Schnauzbart. Um ihn erschlaffte Airbags. Jemand meldete sich an Jans Ohr.

„Jan Wutte“, sagte er. „Schwerer Autounfall im Tiergarten, zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor.“

Er steckte das Handy weg. Jan, du bist Pfleger. Du kennst dich aus mit dem menschlichen Körper. Er tastete am Hals des Mannes. Spürte keinen Puls. Rüttelte am Türknauf. Vergeblich. Hinter dem Fahrer lag ein älterer Mann in dunklem Anzug kopfüber und seltsam zusammengefaltet auf dem Inneren des Autodachs. Nicht angeschnallt. Blutüberströmt. Sein Arm ragte aus dem Fenster. Jan fühlte keinen Puls. Neben dem Alten hing von der verkehrten Rückbank eine weitere Gestalt im Sicherheitsgurt. Jünger, männlich. Seine Lippen bewegten sich. Jan lief um den Wagen herum. Versuchte den Kopf durch den schmalen Schlitz zu klemmen, der einmal ein Fenster gewesen war.

„Wie geht es Ihnen?!“, hörte er sich brüllen. „Rettung ist unterwegs!“

Geschlossene Augen, Wispern. Ein verkehrt herum baumelndes Gesicht kannst du nicht lesen. Die Mimik hängt in die falsche Richtung.

„Haben Sie Schmerzen?!“

Neben dem Kopf des Mannes lag eine geöffnete Aktentasche auf dem umgedrehten Autodach. Aus dem Innern ragten lose Papiere. Daneben ein Handy und anderer Kram.

Das Flüstern war zu leise. Jan schob sich noch weiter an seinen Mund. Versuchte, ihn zu beruhigen. Seine Lider flatterten. Jetzt sah er Jan an. Am unteren – jetzt oberen – Rand seiner Augen Weiß.

„… elemen…“, stöhnte er. „… schan … dall …“

Elemente? Chantal? Machte keinen Sinn.

„Ich … sorry, ich verstehe Sie nicht. Aber bleiben Sie ruhig. Hilfe ist unterwegs.“

Er schien Jan nicht zu hören.

„Fitzroi piel … a … gold… bar …“

„Fitzroi was?“

Allein konnte Jan wenig tun. Selbst wenn es ihm gelang, den Sicherheitsgurt des Typen zu lösen, würde sein Körper auf das Dach fallen und er sich womöglich noch mehr verletzen.

„Fitz… roi piel“, röchelte er. „Schan … dall … e …“

„Chantal E.? Ist das ein Name?“ Er warf einen Blick aus den Augenwinkeln zu den anderen. Keine Lebenszeichen. „Fitzroi – ist das auch ein Name?“ Hatte er noch nie gehört.

Der Mann schloss die Augen. War das ein Ja? Flüsterte: „Golden … bar …“

Jan hörte das Zischen eines Streichholzes. Den Schwinger sah er nur aus den Augenwinkeln.

Helfer? Eher das Gegenteil!

Die vier Typen liefen auf Jan und das Wrack zu wie ein SWAT-Team. Große, trainierte Kerle in dunkler Freizeitkleidung. Präzise Bewegungen. Umso besser. Ein paar kräftige Arme kamen gerade recht.

Die neuen Helfer teilten sich auf. Zwei auf die andere Seite, wo die Leblosen hingen. Zwei zu Jan. Warum trugen die an einem Sommerabend Handschuhe? Sie beugten sich zu ihm, blickten in den Wagen.

„Was ist passiert?“, fragte einer. Das Kinn wie ein Amboss. Den Akzent erkannte Jan nicht. Ami? Im rechten Ohr steckte ein Headset.

„Er hat eben noch geredet“, sagte Jan. „Vielleicht bekommen wir ihn gemeinsam raus.“

Ambosskinn packte Jans Genick und donnerte seinen Kopf gegen die Karosserie. Jan wurde schwarz vor Augen, er kippte benommen zur Seite, sein Schädel schlug hart auf den Boden. Was …?

Der Boden schwankte. Sein Hirn pochte. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Der Typ quetschte den mächtigen Oberkörper in das Auto. Hinter dem Vorderrad auf der anderen Seite machte sich einer der Männer an jener Stelle zu schaffen, aus der es rauchte. Jan versuchte sich aufzurappeln. Klappte zusammen. Mit knappen Worten gab jemand Anweisungen in einer fremden Sprache. Englisch. Ein anderer kramte ebenfalls im Innenraum. Auf Jans Seite fummelte einer an der hinteren Karosserie herum. Der Tankdeckel. Er öffnete ihn! Benzin sprudelte heraus. In einiger Entfernung ertönten Sirenen. Jan versuchte sich erneut hochzustemmen.

Ambosskinn tauchte wieder aus dem Auto auf, in einer Hand die Aktentasche. Wandte sich Jan zu, griff seinen Knöchel, zog ihn in das Benzin! Jan versuchte, ihn abzuschütteln. Zu dem Ambosskinn hatte der Typ jedoch auch noch einen Schraubstockgriff. Verzweifelt ruderte Jan zurück. Bekam ein Teil der Karosserie zu fassen, das sich spitz und scharf anfühlte. Mit Wucht rammte er den Spieß in die Hand, die sich um seinen Knöchel spannte. Der Typ grunzte und ließ los. Jan schaffte es auf die Beine. Das Benzin verteilte sich um den Wagen. Der eine schloss den Tankdeckel wieder. Die zwei auf der anderen Autoseite wichen vom Wagen zurück. Ambosskinn sprang hoch und starrte wütend auf den tiefen Stich in seinem Handschuh, aus dem es tropfte. Jan hörte das Zischen eines Streichholzes. Den Schwinger sah er nur aus den Augenwinkeln. Gerade noch konnte er ausweichen und rannte los, als das Benzin in Flammen aufging. Die Hitzewelle der Explosion gab ihm Extraschwung.

Die Flammen fauchten hinter ihm, er wandte sich um. Zwei rennende Hulk-Schatten vor dem Feuerball. Noch nie in seinem Leben flogen seine Beine so schnell! Jan hörte die schweren Schritte der Verfolger, dann Sirenen. Am lautesten war sein eigenes Keuchen. Sein Kopf drohte zu platzen.

In dem Auto waren Menschen! Einer von denen war noch am Leben! Die hatten den einfach angezündet!

Aus dem laschen Licht liefen zwei Männer von der Siegessäule her auf ihn zu. Dunkle Hosen und Hemden. Gehören die zu denen?!

Einer nestelte an seinem Hosenbund herum. Eine Waffe? Jan sah sich um. Feuer. Keine Verfolger. Die anderen Männer liefen weiter auf ihn zu.

„Stehen bleiben! Polizei! Wohin wollen Sie?! Hiergeblieben!“

Jans Atem ging noch schneller als sein Puls. Durch die Flammen und den dichten Rauch sah er neben der Unfallstelle jetzt Blaulichter blinken. Mehrere Wagen. Die dunklen Typen waren verschwunden. In dem brennenden Wrack explodierte etwas, schickte Funken durch die Nacht. Umstehende Bäume fingen Feuer. Da gab es nichts mehr zu helfen. Jans Magen verknotete sich bei dem Gedanken an die drei Männer darin, die Übelkeit kroch bis in die Finger- und Zehenspitzen, Haarwurzeln, Lenden, verwandelte seinen Körper in einen einzigen Krampf.

„Warum laufen Sie weg?“, fragte einer der Uniformierten scharf.

Das glaubt ihr mir nie!

Jan brachte kein Wort über die Lippen.

„Mitkommen!“

Wer steckt hinter dem “Unfall”?

Was wurde von den Männern aus dem Wrack gestohlen?

Was wird Jan mit den letzten Worten von Thompson machen?

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