David Foenkinos: Die Frau im Musée d'Orsay | Leseprobe read’n’go

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Über das Buch

Warum nur flieht Antoine Duris Hals über Kopf aus seinem bisherigen Leben? Er war Professor an der Kunsthochschule in Lyon und zieht nun nach Paris, um im Musée d’Orsay, wo die farbenfrohen Gemälde von Manet, Monet und Modigliani hängen, Museumswärter zu werden. Keiner kennt die Gründe für diesen plötzlichen Wandel, keiner weiß, wie sehr ihn das Schicksal seiner hochbegabten Studentin Camille mitgenommen hat. Erst als er Mathilde kennenlernt, findet Antoine einen Weg, sich der Freude, dem Genuss und der Liebe wieder hinzugeben …

Die Schönheit war immer noch das beste Mittel gegen den Zweifel.

Musée d’Orsay

Das Pariser Musée d’Orsay ist ein ehemaliger Bahnhof. Die Gegenwart wandelt somit auf ungewöhnliche Art auf den Spuren der Vergangenheit. Man kann die Gedanken schweifen lassen und sich vorstellen, wie zwischen Gemälden von Manet und Monet die Züge einfahren. Auch eine Form des Reisens. Auf dem Platz vor dem Museum hat mancher Besucher vielleicht Antoine Duris gesehen. Still und verdutzt stand er da, als wäre er vom Himmel gefallen. Verdutzt ist wohl das richtige Wort, um seine Gefühlslage zu beschreiben.

Das Absurde ist immer ein guter Freund brennender Sehnsucht.

Das Vorstellungsgespräch

Er kam viel zu früh zu seinem Termin mit der Personalchefin. Seit Tagen bereitete er sich innerlich auf dieses Vorstellungsgespräch vor. Er wollte unbedingt im Musée d’Orsay arbeiten. Mit ruhigem Schritt ging er auf den Mitarbeitereingang zu. In der Mitte des Flurs angelangt, wusste er schon nicht mehr, wohin. Hinter einer Glasfront entdeckte er ein Gemälde von Gustave Courbet. Die Schönheit war immer noch das beste Mittel gegen den Zweifel. Seit Wochen kämpfte er dagegen an, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Er spürte, dass er mit seinen Kräften am Ende war, die beiden kurzen Gespräche, die er hinter sich hatte, hatten ihn schon erhebliche Anstrengungen gekostet. Dabei war es nur darum gegangen, ein paar Worte zu sagen, völlig harmlose Fragen zu beantworten. Sein Weltverständnis war in ein Primärstadium zurückgefallen, er hatte oft irrationale Angstzustände.
Er merkte, dass das, was er erlebt hatte, Spuren hinterlassen hatte. Würde er es wenigstens schaffen, mit der Personalchefin des Musée d’Orsay, Madame Mattel, ein Vorstellungsgespräch zu führen?

Echte Zuneigung ist vielleicht genau das: Wenn man nicht zwanghaft die Gesprächspausen füllen muss.

Der Museumsbetrieb

Das unaufhörliche Gewimmel half ihm, sich selbst zu entkommen. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, an denen ihm jede Minute im Kleid der Ewigkeit erschienen war, verging die Zeit wie im Flug. Als Kunststudent und später als Professor hatte er sein halbes Leben in Museen verbracht. Auch diese Räume, die Räume des Musée d’Orsay, hatte er oft durchschritten, erinnerte er sich. Niemals hätte er gedacht, dass er hier einmal Aufsicht führen würde. Diese Arbeit würde seinen Blick auf den Museumsbetrieb wahrscheinlich völlig verändern. Seine Getriebenheit würde sein Verständnis der Kunstwelt bereichern. Aber wozu sollte er es bereichern? Würde er denn je wieder nach Lyon und in seinen Job zurückkehren?
Das war alles andere als gewiss.

Der Autor

David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Neben den Romanbiografien, »Charlotte« (2015) und »Lennon« (2018), finden auch seine Komödien begeisterte Leserinnen und Leser, darunter die Bestseller »Nathalie küsst« (2011) und »Das geheime Leben des Monsieur Pick« (2017), dessen Verfilmung 2019 ins Kino kommt. »Die Frau im Musée d’Orsay« ist Foenkinos’ neuester Roman, der wochenlang in Frankreich auf der Bestsellerliste stand.

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»Von der Hässlichkeit des Verbrechens zur Schönheit von Bildern ... ein sehr gelungener Roman über das Leid und die heilende Kraft der Kunst.«

Bernard Pivot, Le Journal du Dimanche

»Ein Glaubensbekenntnis an die Schönheit ... ein ergreifender Roman!«

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