Andrew Ridker: Die Altruisten | Leseprobe read’n’go

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Überraschend, lebensklug und mit feinem Humor erzählt - die Geschichte einer Familie, die die unsere sein könnte

Das erste Familientreffen nach zwei Jahren Funkstille. Maggie und Ethan haben nach dem Krebstod der Mutter den Kontakt zum Vater abgebrochen. Doch jetzt steht Arthur Alter vor dem finanziellen Aus, und ihm wird schlagartig klar: Er ist auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen. Unter dem Vorwand, sich mit ihnen versöhnen zu wollen, lädt er sie ein. Der eigentliche Grund: die Geschwister zu überreden, ihm das Erbe zu überlassen, damit er das Haus, das voller Erinnerungen an das glückliche Familienleben steckt, vor der Bank retten kann. Jeder in seiner eigenen Welt voller Sorgen und Hoffnungen gefangen, treffen sich die drei an einem Wochenende. Schnell stürzt die erzwungen freundliche Fassade in sich zusammen …

Arthur

Fehlten ihm seine Kinder wirklich?

Arthur Alter hatte beim Aufwachen festgestellt, dass ihm seine Kinder fehlten. Fehlten ihm seine Kinder wirklich? Das war eine Frage, die so unerträglich war, wie mit aufgerissenen Augen in die Sonne zu starren. Sie war völlig falsch gestellt. Was ihm fehlte, war sein früheres Leben, und da hatten seine Kinder dazugehört. Seine Frau Francine war tot. Sein Haus würde man ihm wegnehmen. Die Kinder waren alles, was noch übrig war. Die Kinder – und das unverhoffte Geld auf ihren Namen. War ihr Geld nicht auch sein Geld? War es damit nicht auch ihre Pflicht, die Hypothek für das Haus, in dem sie alle so viele Jahre lang gelebt haben, zu begleichen? Sodass er in diesem Haus wohnen bleiben konnte. Er konnte keinen weiteren Verlust verschmerzen.
Doch freiwillig würden seine Kinder ihm ihr Geld nicht geben …
Seit zwei Jahren schon herrschte Funkstille bei den Alters.
Maggie und Ethan hatten nach dem Tod der Mutter den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen. Sie konnten ihm nicht verzeihen, dass er in den letzten Lebensmonaten der Mutter eine Affäre mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau begonnen hatte.
Arthur blieb nur eines: seine Kinder einzuladen, unter dem Vorwand, sich mit ihnen versöhnen zu wollen.

Für Ethan waren Zuhause und Demütigung untrennbar miteinander verknüpft.

Trotz allem musste Ethan zugeben, dass es einen leichten Nervenkitzel auslöste, einen Brief von seinem Vater zu erhalten.
Er konnte sich nicht vorstellen, warum sein Vater sich die Mühe gemacht hatte, sich auf Papier an seinen Sohn zu wenden. Nach Francines Beerdigung war Ethan für immer nach New York zurückgekehrt, dicht gefolgt von seiner Schwester, die in derselben Woche ihren College-Abschluss gemacht hatte. Seitdem hatten sie ihren Vater nicht mehr gesehen. Das war fast zwei Jahre her.
Er drehte den Umschlag in den Händen und riss ihn auf. Eine Einladung. Man wartete eine Ewigkeit darauf, dass einen der Vater einlud. Doch wenn es so weit war, fragte man sich: Ist es zu spät?
Zwei Jahre. In zwei Jahren konnte viel passieren.
Der Brief stiftete in seinem Kopf Verwirrung. Für Ethan waren Zuhause und Demütigung untrennbar miteinander verknüpft.

Maggie

Ich würde lieber sterben, als ein überflüssiges Leben zu führen.

Etwas sortieren, es neu verteilen – das waren die seltenen Momente, in denen Maggie das Gefühl hatte, ihr Leben zu kontrollieren. Ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Das Geld ihrer Mutter, das Erbe, hatte sie nicht in der Hand. Es war unverdient und unerwünscht. Was sollte Maggie tun, es genießen?
Maggie schüttelte den Kopf und sagte zu sich selbst: »Ich würde lieber sterben, als ein überflüssiges Leben zu führen.« Sie wollte das Geld nur für eine Sache verwenden, um Gutes zu tun. Gut zu sein.

Jeder in seiner eigenen Welt voller Sorgen und Hoffnungen gefangen, reisen Maggie und Ethan an einem Wochenende von New York zu ihrem Vater nach St. Louis. Beide erhoffen sich Ehrlichkeit und eine richtige Versöhnung, doch es erwartet sie ein höchst unmoralisches Angebot. Und schnell stürzt die erzwungen freundliche Fassade in sich zusammen …

Andrew Ridker

Andrew Ridker, 1991 geboren, zählt zu den jungen Stars der US-amerikanischen Literatur. Er hat nach seinem Studium in St. Louis und Oxford in einem Verlag gearbeitet und nebenbei Erzählungen und Artikel veröffentlicht, u.a. in den Zeitschriften The New York Times Magazine, The Paris Review, The Boston Review und The Believer. Gerade einmal 25 Jahre alt, begeisterte Andrew Ridker mit seinem Debütroman »Die Altruisten« Lektorinnen und Lektoren in aller Welt, sodass sich die Rechte lange vor Erscheinen in rund 20 Länder verkauften.

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