C.J. Tudor: Der Kreidemann | Leseprobe read’n’go

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Der Thriller des Jahres 2018!

Es geschah vor 30 Jahren.
Alle dachten, es sei vorbei.
Doch jetzt ist der Kreidemann zurück.

Wann fing das alles an?

War es, als Fat Gav zum Geburtstag den Eimer mit Kreidestiften bekam? War es, als wir anfingen, die Kreidefiguren zu zeichnen, oder als sie anfingen, von selbst zu erscheinen? War es der schreckliche Unfall? Oder war es, als die erste Leiche gefunden wurde?

Jede Menge Anfänge. Ich denke, jeden davon könnte man den Anfang nennen. Aber tatsächlich fing es wohl auf dem Jahrmarkt an. Der Tag ist mir am deutlichsten in Erinnerung. Wegen des Waltzer-Mädchens, klar, aber auch, weil an diesem Tag alles aufhörte, normal zu sein.

Dies war auch der Tag, an dem ich Mr. Halloran kennenlernte, und wie es mit Anfängen nun einmal ist, dürfte dieser so gut wie jeder andere taugen.

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Ich erinnere mich genau an den Tag, als ich den Kreidemann das erste Mal sah.

1986

Verzerrte Musik dröhnte aus den alten Lautsprechern. Bunte Lämpchen flimmerten und Kinder kreischten, während die hölzernen Wagen des Karussells schneller und immer schneller im Kreis herumrasten.

Der Bleiche Mann – später erfuhr ich, dass er Mr. Halloran hieß und unser neuer Lehrer war – stand neben der Hotdog-Bude, trank einen blauen Slush mit Strohhalm und beobachtete den Waltzer. Jedenfalls dachte ich, er beobachtet den Waltzer.

Dann sah auch ich dorthin, und da erblickte ich das Mädchen.

Sie stand da mit einer blonden Freundin, die ich schon mal in der Stadt gesehen hatte. Die Freundin war hübsch, aber das Waltzer-Mädchen – wie ich sie für mich immer nannte, auch nachdem ich ihren Namen erfahren hatte – war ausgesprochen schön.

Und dann war es weg.

Eben noch war sie da, war ihr Gesicht da, und dann auf einmal kam dieser entsetzliche, ohrenzerfetzende Krach, wie das Gebrüll eines Ungeheuers aus dem Bauch der Erde. Später erfuhr ich, es war das Geräusch, mit dem der altersschwache und zu selten gewartete Drehkranz an der Achse des Waltzer brach. Ich sah ein Metallstück, das ihr Gesicht, eine Hälfte davon, wegriss und eine klaffende Masse aus Knorpel, Knochen und Blut hinterließ. Sehr viel Blut.

Sekundenbruchteile später, bevor ich auch nur die Chance hatte, den Mund zu einem Schrei aufzumachen, schoss ein riesiges schwarzrotes Ding an mir vorbei. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall – ein Wagen des Waltzer, der in den Hotdog-Stand krachte und einen Hagelsturm herumfliegender Metall- und Holzsplitter auslöste. Und dann überall Schreie von Leuten, die panisch in Deckung sprangen. Ich selbst wurde umgerissen und zu Boden geschleudert.

Das Waltzer-Mädchen lag neben mir. Ein zweites scharfes Metallteil hatte ihr direkt unter dem Knie die Knochen durchtrennt. Ihr Unterschenkel hing nur noch an ein paar dünnen Sehnen.

Ich wollte bloß noch weg – sie war eindeutig tot. Ich konnte nichts machen – und da streckte sie plötzlich die Hand aus und packte meinen Arm.

Wir haben unsere Spur in der Geschichte hinterlassen. Eine Spur in Gestalt von Kreidemännchen.

1986

„Hey, Eddie Munster. Du hast die Botschaft also bekommen?“ Hatte ich. Blau in der Einfahrt, als ich nach unten kam. Unser Symbol für ein Treffen auf dem Spielplatz, mit drei Ausrufezeichen. Eins hieß: ziemlich dringend. Zwei: man musste sofort dorthin. Drei: es ging um Leben und Tod.

„Warum willst du mich sehen? Was ist so dringend?“ Er stutzte. „Ich? Ich hab keine Botschaft hinterlassen.“ „Doch. Hast du. In Blau.“ Er schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe eine Botschaft von Hoppo bekommen. Grün.“ Wir starrten uns an.

„Wow. Der verlorene Sohn kehrt zurück!“ Fat Gav kam mit großen Schritten auf uns zu. „Was ist los?“„Hat dir jemand ein Zeichen gemacht, hierher zu kommen?“, fragte ich ihn.„Ja. Du, du Sackgesicht.“

Wir hatten ihm gerade alles erklärt, als Hoppo dazukam. „Wer hat dir gesagt, dass du kommen sollst?“, fragte Fat Gav. Hoppo sah ihn komisch an. „Du. Was ist denn?“ „Irgendwer will uns alle hier haben“, sagte ich. „Warum?“ Du weißt es, Arschloch. Nur jetzt weißt du es noch nicht. „Ich denke, jemand soll eine Abreibung kriegen, oder hat sie schon gekriegt.“ „Hör auf mit dem Scheiß“, schnaubte Mickey.

Ich sah mich um. Eine weitere Botschaft. Irgendwo musste hier eine sein, da war ich mir sicher. Ich ging langsam über den Spielplatz. Die anderen beobachteten mich, als sei ich verrückt geworden. Und dann hatte ich es. Ich zeigte darauf. Unter den Babyschaukeln. Ein weißes Kreidezeichen. Aber das hier war anders. Diese Gestalt hatte lange Haare und trug ein Kleid. Kein Kreidemann, sondern ein Mädchen, und daneben ein paar weiße Kreidebäume.

 „Wir müssen in den Wald“, sagte ich. Wir schoben die Räder vom Spielplatz. Ich sah nach den Schaukeln zurück. Ich weiß nicht, ob den anderen das aufgefallen war, aber die Kreidezeichnung des Mädchens war anders als die anderen. Gebrochen. Die Körperteile waren nicht miteinander verbunden. Arme. Beine. Kopf. Sie hingen nicht zusammen.

Im Wald stiegen wir ab. Ich sah mich um. Und entdeckte das Zeichen sofort. Auf einem Pfahl neben dem Zauntritt. Ein weißer Kreidearm mit einem Finger, der geradeaus zeigte.

„Also weiter“, sagte Fat Gav und wuchtete sein Rad über den Zauntritt.

 Plötzlich zeigte er auf einen Baum direkt vor uns. Auf dem Stamm diesmal kein Kreidearm, sondern wieder ein Kreidemädchen. Darunter lag ein großer Haufen Blätter. Wir sahen uns an. Und dann wieder den Blätterhaufen. Oben ragte etwas heraus.

„Ach du Scheiße!“, sagte Fat Gav.

Finger.

Die Nägel waren kurz und sauber und matt rosa lackiert. Ihre Haut war heller als ich in Erinnerung hatte, nicht mehr sommerlich braun, sondern winterlich blass. Am Mittelfinger trug sie einen kleinen Silberring mit einem grünen Stein. Ich wusste sofort, dass der Arm dem Waltzer-Mädchen gehörte.

Eddie Munster, Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky. Das war unsere Gang. Auch 30 Jahre später noch?

2016

Ich stoße die schwere alte Tür auf und trete ein. Hoppo und Gav sitzen an unserem üblichen Fenstertisch in der Ecke. Von der Hüfte aufwärts ist Gav immer noch kräftig genug gebaut, um daran zu erinnern, warum wir ihn früher Fat Gav genannt haben. Nur dass er jetzt mehr Muskeln als Fett hat. Seine Arme gleichen Baumstämmen, die Adern treten hervor wie stramme blaue Drähte. Sein Gesicht ist wie gemeißelt, sein kurzgeschorenes Haar grau und schütter.

Hoppo hat sich kaum verändert. In seiner Klempnermontur könnte man ihn bei nicht so genauem Hinsehen immer noch für einen verkleideten Zwölfjährigen halten.

Die zwei sind ins Gespräch vertieft. Die Gläser vor ihnen sind kaum angerührt. Guinness für Hoppo, Cola light für Gav, der selten Alkohol trinkt.

Ich bestelle ein Taylor’s Mild bei der missmutig dreinblickenden Thekenfrau, die erst mich, dann den Zapfhahn mit einem Blick bedenkt, als hätten wir sie tödlich beleidigt.

„Muss erst das Fass wechseln“, brummelt sie.

„Okay.“

Ich warte. Sie verdreht die Augen.

„Ich bring’s dann.“

„Danke.“

Ich gehe zu den anderen. Als ich mich umdrehe, steht sie immer noch da.

Ich setze mich auf den wackligen Stuhl neben Hoppo.

„Tag.“

Sie blicken auf, und sofort ist mir klar, irgendwas stimmt nicht. Irgendwas ist passiert. Gav rollt sich hinter dem Tisch hervor. Seine Armmuskeln bilden einen starken Kontrast zu den dürren Beinen, die reglos von seinem Rollstuhl hängen.

Ich drehe mich um. „Gav? Was –“

Seine Faust fliegt auf mich zu, meine linke Wange explodiert vor Schmerz, und ich stürze rückwärts zu Boden.

Er starrt zu mir runter. „Wie lange weißt du das schon?“

Wir dachten es sei vorbei. Doch das Spiel ist nie zu Ende.

2016

Ich nehme den Umschlag, den ich heute früh bekommen habe, und setze mich an den Schreibtisch. Chloe ist offenbar nicht zu Hause und kommt wahrscheinlich erst später, aber ich habe mich trotzdem eingeschlossen. Ich öffne ihn und sehe mir noch einmal den Inhalt an. Nichts Schriftliches. Aber die Botschaft ist eindeutig. Ein Strichmännchen mit einer Schlinge um den Hals.

Es ist mit Buntstift gezeichnet, und das ist falsch. Vielleicht hat der Absender deswegen noch etwas dazugelegt, sozusagen als weitere Erinnerungshilfe. Ich tippe an den Umschlag, und es fällt in einer kleinen Staubwolke auf den Tisch. Ein Stück weiße Malkreide.

Spannung pur, oder? Hier haben wir noch mehr!

Videotrailer
Autorenvideo

Videotrailer zu "Der Kreidemann"

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Autorin C.J. Tudor über "Der Kreidemann"

C.J. Tudor wuchs auf in Nottingham, wo sie auch heute mit ihrem Lebensgefährten und ihrer kleinen Tochter lebt. Im Lauf der Jahre hatte sie eine Vielzahl von Jobs, unter anderem als Synchronsprecherin, Werbetexterin, TV-Moderatorin und Dogwalkerin. “Der Kreidemann” ist ihr erster Roman. Im Video verrät sie, worum es geht!

 

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