Jonas Jonasson: Der Hundertjährige II | Leseprobe read’n’go

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Los geht's

Jonas Jonasson

Ich bin Jonas Jonasson, und ich habe das Gefühl, ich bin Ihnen vielleicht eine Erklärung schuldig.

Eine Fortsetzung der Geschichte des Hundertjährigen, der aus einem Fenster stieg und verschwand, war nie geplant. Viele Leute wünschten sich eine, nicht zuletzt der Protagonist selbst, Allan Karlsson, der mir weiter durch den Kopf geisterte und bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit auf sich aufmerksam machte.

„Herr Jonasson“, konnte er aus heiterem Himmel anfangen, wenn ich gerade mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt war. „Haben Sie es sich schon anders überlegt, Herr Jonasson? Möchten Sie nicht doch noch eine Runde nachlegen, bevor ich so richtig alt bin?“

 

 

Gespräch mit dem Hundertjährigen

Nein, wollte ich nicht. Ich hatte schon alles gesagt, was ich über das wahrscheinlich erbärmlichste Jahrhundert aller Zeiten sagen wollte. Der Grundgedanke war der, dass wir uns an die ganzen desaströsen Defizite dieses zwanzigsten Jahrhunderts erinnern sollten, in der Hoffnung, dass wir dann weniger geneigt wären, zumindest diese ganzen Fehler zu wiederholen. Ich verpackte meine Botschaft in Wärme und Humor, und bald verbreitete sich das Buch über die ganze Welt.

 

Aber eins steht fest: Es hat die Welt überhaupt nicht verbessert.

 

Die Zeit verging. Mein innerer Allan meldete sich irgendwann gar nicht mehr. Und die Menschheit bewegte sich weiter vorwärts, oder wie auch immer man die Richtung nennen möchte, in die sie sich bewegte. Ein Ereignis nach dem anderen vermittelte mir den Eindruck, dass die Welt defizitärer denn je war. Und die ganze Zeit blieb ich nur passiver Beobachter.

 

Der Hundertjährige ist zurück!

Der Hundertjährige trifft Angela Merkel

Bundeskanzlerin Merkel hatte gerade ihr erstes Treffen mit Präsident Trump in Washington hinter sich. Dort hatte sie erfahren, dass die NATO keinen Pfifferling wert war. Und dass die NATO ganz fantastisch war. Dass Trump Deutschland liebte. Und dass Deutschland sich bei einer Reihe von Sachen mal zusammenreißen musste. Dass das Band zwischen den beiden Ländern ein enges war. Und dass ihre einzige Gemeinsamkeit darin bestand, dass sie beide von Obama abgehört worden waren.

Jetzt war sie zurück in der deutschen Botschaft, wo sie sofort in den Situation Room gebracht wurde, in dem sie sicher vor Abhöranlagen war.

Dort erwarteten sie der deutsche Botschafter, der deutsche UNO-Botschafter und der Chef des deutschen Nachrichtendienstes in den USA.

Der Bundeskanzlerin, die gedacht hatte, ihr Tag könnte schon gar nicht mehr schlimmer werden, ging auf, dass es noch Luft nach unten gab. Der Nachrichtendienstchef leitete die Besprechung.

Die Sache war die, dass es Nordkorea gelungen war, vier Kilo angereichertes Uran mit einem Schiff namens Ehre und Stärke nach Pjöngjang zu schmuggeln. Der angeblich Schweizer uralte Atomwaffenexperte, den Kim Jong-un bei einer Pressekonferenz vorgestellt hatte, hatte sich als Schwede entpuppt. Er hieß Allan Karlsson, und er war nicht auf Kim Jong-uns Seite, wie man zuvor befürchtet hatte. Vielmehr war es ihm gelungen, Pjöngjang zu verlassen und nach New York zu kommen. Und zwar mit dem angereicherten Uran.

„Nach Amerika? Ist das Uran hier?“, fragte die Bundeskanzlerin.

„Nach Amerika? Ist das Uran hier?“, fragte die Bundeskanzlerin.

„Ja“, bestätigte der Chef des Nachrichtendienstes. „Und wie.“

Allan Karlsson hatte ein paar Tage zuvor Präsident Trump zusammen mit der schwedischen Außenministerin Wallström getroffen, die Schweden zudem im Sicherheitsrat repräsentierte.

„Ja, ich weiß schon, wer das ist“, sagte Angela Merkel. „Eine tüchtige Frau. Wissen wir, was auf dem Treffen gesprochen wurde?“

„Nicht direkt. Präsident Trump hatte wohl festgestellt, dass die Außenministerin und Karlsson nichts Schlimmes gemacht hatten, und hat sie gewarnt, so etwas nicht noch einmal zu machen.“

„Klingt ganz nach Präsident Trump“, meinte Angela Merkel.

Die Bundeskanzlerin war nicht blöd. Sie witterte, dass es da noch mehr zu erzählen gab.

„Und weiter?“, bohrte sie.

„Na ja, nach dieser Begegnung traf Botschafter Breitner vor dem UNO-Hauptgebäude auf Allan Karlsson. Der Botschafter hat vorbildlicherweise sofort die Möglichkeiten erkannt, hier nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu gewinnen, und lud Karlsson und seinen Freund Jonsson zum Abendessen ein.“

Der Chef des Nachrichtendienstes sah unglücklich aus. Aber nicht so unglücklich wie der UN-Botschafter neben ihm.

„Und weiter?“, bohrte Angela Merkel weiter.

Die Bundeskanzlerin spürte ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl mit diesem Karlsson.

 

„Es kam dann eben so, dass der Botschafter Karlsson und seinem Freund versprochen hat, ihnen zu helfen. Mit einer Aktentasche, die auf ihren Wunsch die Bundesrepublik bekommen sollte. Angeblich enthält sie wichtige atomwaffenrelevante Informationen, die Karlsson erst Präsident Trump überreichen wollte. Nach ihrem persönlichen Treffen hat er es sich aber anders überlegt.“

Die Bundeskanzlerin spürte ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl mit diesem Karlsson. Sie schienen ja die gleichen Erfahrungen mit dem amerikanischen Präsidenten gemacht zu haben.

„Und jetzt möchten Sie mir die Information übergeben, damit ich sie an unsere Analytiker in Berlin weiterleite?“

„Na ja“, sagte der Chef des Nachrichtendiensts. „Wie sich herausgestellt hat, enthält die Aktentasche … die vier Kilo angereichertes Uran. Und einen Brief an Sie, Frau Bundeskanzlerin. Geschrieben auf drei Servietten.“

„Auf drei Servietten?“, wiederholte die Bundeskanzlerin.

Aber in Wirklichkeit dachte sie: vier Kilo angereichertes Uran? Hier? In der deutschen Botschaft in Washington?“

 

Als die nachrichtendienstliche Besprechung vorüber war, hatte die Bundeskanzlerin auch erfahren, Und dass Karlsson nach eigenen Angaben herausgefunden hatte, dass man in Pjöngjang eine größere Uranlieferung erwartete, nämlich fünfhundert Kilo. Der Chef des Nachrichtendiensts in Daressalam war bereits ordnungsgemäß entsprechend informiert. Nachdem die Probesendung bereits die Route von Afrika nach Pjöngjang zurückgelegt hatte, durfte man davon ausgehen, dass die Nordkoreaner es wieder auf diesem Weg versuchen würden.

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Der Hundertjährige hat genug vom Dauerurlaub

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Allan Karlsson trifft Donald Trump, Angela Merkel

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