Alex North: Der Kinderflüsterer | Leseprobe read’n’go

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Hörst du ihn flüstern?

»Wenn die Tür halb offen steht, ein Flüstern zu dir rüberweht.

Spielst du draußen ganz allein, findest du bald nicht mehr heim.

Bleibt dein Fenster unverschlossen, hörst du ihn gleich daran klopfen.

Denn jedes Kind, das einsam ist, holt der Flüsterer gewiss.«

Es tut mir leid, Jake.

Jake.

Ich würde dir gern so viel erzählen, aber es ist uns noch nie leichtgefallen, miteinander zu reden, stimmt’s?
Also muss ich dir stattdessen schreiben.
Ich weiß noch genau, wie Rebecca und ich dich aus dem Krankenhaus mit heimgenommen haben. Es war dunkel und hat geschneit, und ich bin vorsichtig gefahren wie noch nie zuvor. Du warst gerade mal zwei Tage alt und auf der Rückbank im Babysitz festgezurrt, Rebecca war neben dir eingenickt, und ich habe immer wieder in den Rückspiegel geschaut, um zu sehen, ob ihr beide sicher wart.
Denn weißt du was? Ich hatte eine Heidenangst. Ich war als Einzelkind aufgewachsen, hatte von Babys keine Ahnung, und trotzdem war ich urplötzlich für eins verantwortlich – für mein eigenes Kind. Du warst unfassbar klein und zerbrechlich, und ich war dermaßen unvorbereitet, dass ich gar nicht begreifen konnte, wie sie mir dich im Krankenhaus hatten anvertrauen können. Wir hatten von Anfang an unsere Schwierigkeiten, du und ich. Rebecca hielt dich so selbstverständlich, so natürlich im Arm, während ich immer ein leicht mulmiges Gefühl und Angst um das verletzliche Bündel in meinem Arm hatte, und wenn du geweint hast, wusste ich nicht, was du brauchtest. Ich konnte dich einfach nicht verstehen.
Das hat sich nie geändert.
Als du ein bisschen älter warst, hat Rebecca mir mal gesagt, es liege daran, dass wir uns so ähnlich seien, aber ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht. Ich hoffe nicht; ich habe dir immer etwas Besseres gewünscht.
Aber wie dem auch sei, miteinander reden können wir nicht, deshalb muss ich versuchen, alles niederzuschreiben. Die Wahrheit über all das, was in Featherbank passiert ist.
Mister Night. Der Junge im Boden. Die Falter. Das kleine Mädchen in dem merkwürdigen Kleid.
Und natürlich der Kinderflüsterer.
Das hier wird nicht leicht, und ich muss mich zuallererst entschuldigen. Mit den Jahren habe ich dir unzählige Male erzählt, dass es nichts gibt, wovor man Angst haben muss. Dass es so etwas wie Monster nicht gibt.

Es tut mir leid, dass ich gelogen habe.

»Egal was passiert, denk immer an das, was ich dir gesagt habe. Das ist wirklich wichtig.«

Ein gut gemeinter Rat

»Weißt du noch, was ich dir erzählt habe?«, fragte das kleine Mädchen.
Klar wusste er es noch, trotzdem gab Jake für den Moment sein Bestes, sie zu ignorieren. Die anderen Kinder aus dem 567 Club spielten draußen in der Sonne. Er konnte sie schreien und den Ball über den Asphalt schlittern hören; gelegentlich prallte er auch gegen eine Mauer. Er selbst war drinnen geblieben und saß über seiner Zeichnung. Am liebsten wäre er allein, um sie fertigzustellen.
Nicht dass er nicht mit dem Mädchen hätte spielen wollen. Natürlich wollte er das. Meistens war sie die Einzige, die überhaupt mit ihm spielen wollte, und normalerweise freute er sich auch, sie zu sehen. An diesem Nachmittag machte sie aber ein ernstes Gesicht und schien nicht zum Spielen aufgelegt zu sein, und das behagte ihm nicht.
»Weißt du es noch?«
»Schon …«
»Dann sag es.«
Er seufzte vernehmbar, legte den Bleistift beiseite und sah sie direkt an. Sie trug wie immer ein blau-weiß kariertes Kleid, und er konnte gerade so die Schürfwunde auf ihrem Knie erkennen, die nie zu heilen schien. Während andere Mädchen sich ordentlich frisierten, schulterlang oder mit Pferdeschwanz, standen ihr die Haare wirr zur Seite ab und sahen aus, als wären sie seit Urzeiten nicht mehr gekämmt worden.
Er konnte ihr ansehen, dass sie nicht klein beigeben würde, und wiederholte, was sie ihm erzählt hatte.

»Wenn die Tür halb offen steht …«

Er war überrascht, dass er sich noch an den Wortlaut erinnerte, aber aus irgendeinem Grund war alles hängen geblieben. Es musste am Rhythmus liegen. Manchmal hörte er ein Lied auf CBBC, und das ging ihm dann stundenlang im Kopf herum. Daddy hatte es Ohrwurm genannt, woraufhin Jake sich vorgestellt hatte, wie die Töne sich seitlich in seinen Kopf bohrten und dann in seinem Hirn herumkreuchten.
Als er alles wiederholt hatte, nickte das Mädchen zufrieden. Jake nahm wieder den Bleistift zur Hand.
»Was soll das überhaupt heißen?«, fragte er.
»Es ist eine Warnung.« Sie rümpfte die Nase. »Na ja – so was in der Art. Als ich noch klein war, haben das die Kinder immer gesagt.«
»Ja, aber was soll es heißen
»Ist bloß ein guter Rat«, sagte sie. »Immerhin gibt es eine Menge schlechter Menschen auf der Welt. Eine Menge schlimmer Dinge. Da ist es gut, so was im Hinterkopf zu behalten.«
Jake runzelte die Stirn und wandte sich wieder seiner Zeichnung zu. Schlechte Menschen. Es gab da diesen älteren Jungen, Carl, hier im 567 Club, der Jakes Ansicht nach ein schlechter Mensch war. Erst vergangene Woche hatte Carl sich vor ihm aufgebaut, als Jake gerade ein Legoschloss gebaut hatte, kam viel zu dicht heran und lehnte sich wie ein bedrohlicher Schatten über ihn.
»Warum holt dich eigentlich immer dein Dad von hier ab?«, wollte Carl wissen, auch wenn er die Antwort bereits kannte. »Weil deine Mum tot ist, oder?«
Jake reagierte nicht darauf.
»Wie sah sie eigentlich aus, als du sie gefunden hast?«
Auch diesmal antwortete er nicht. Von den Albträumen mal abgesehen dachte er nicht darüber nach, wie es gewesen war, Mummy an jenem Tag zu finden. Sonst wurde sein Atem ganz holprig und funktionierte nicht ordentlich. Trotzdem kam er um eine Tatsache nicht herum: Sie war nicht mehr da.
Er erinnerte sich wieder an einen Tag in ferner Vergangenheit, an dem er durch die Küchentür gespäht und einen Blick auf sie erhascht hatte, als sie gerade eine große rote Paprika aufschnitt und das Innere herausholte.
»Hallo, süßer Junge.«
So hatte sie ihn genannt, als sie ihn entdeckte. Sie nannte ihn immer so. Das Gefühl, wenn er wieder daran dachte, dass sie tot war, war genau wie das Ratschen beim Aufschneiden der Paprika – als wäre irgendetwas aus ihm herausgerissen worden.
»Ich würd ja gern sehen, wie du heulst wie ein Baby«, hatte Carl gesagt und war dann gleichgültig weggegangen.
Die Vorstellung, dass die Welt voll von solchen Leuten sein sollte, behagte Jake nicht, und er wollte es auch nicht glauben. Inzwischen zeichnete er bloß noch Kreise auf sein Blatt Papier. Kraftfelder rund um die kleinen, miteinander kämpfenden Strichmännchen.
»Alles in Ordnung, Jake?«
Er blickte auf. Es war Sharon, eine der Erwachsenen, die im 567 Club arbeiteten. Sie hatte ganz hinten Geschirr gespült, war jetzt aber rübergekommen, hatte sich zu ihm vorgebeugt und die Hände zwischen die Knie geschoben.
»Ja«, antwortete er nur.
»Ist ein tolles Bild geworden.«
»Es ist noch nicht fertig.«
»Was soll’s denn werden?«
Er überlegte kurz, wie er ihr erklären sollte, was für einen Kampf er da zeichnete – die gegnerischen Seiten, dann die Linien dazwischen und die Kritzeleien über denen, die verloren hatten –, aber das wäre zu kompliziert geworden.
»Bloß ein Kampf.«
»Sicher, dass du nicht draußen mit den anderen Kindern spielen willst? Es ist so ein schöner Tag.«
»Nein danke.«
»Wir haben noch Sonnencreme da.« Sie sah sich um. »Bestimmt ist auch noch irgendwo ein Sonnenhut.«
»Ich muss das Bild fertig malen.«

Sharon richtete sich wieder gerade auf und seufzte in sich hinein, blickte aber immer noch freundlich drein. Sie machte sich Sorgen um ihn, und obwohl das nicht nötig gewesen wäre, war das wohl trotzdem irgendwie nett. Jake konnte immer genau sagen, wenn Leute sich Sorgen um ihn machten. Bei Daddy war das sehr oft der Fall, außer wenn ihm der Geduldsfaden riss. Dann brüllte er ihn an und sagte Sachen wie: »Ich will doch nur, dass du mit mir redest, ich will einfach nur wissen, was du denkst und fühlst«, und wenn das passierte, wurde Jake angst und bange, weil er dann immer das Gefühl hatte, dass er Daddy enttäuschte und traurig machte. Allerdings hätte er nicht gewusst, wie er sich anders verhalten sollte.
Wieder und wieder im Kreis herum – noch ein Kraftfeld, sich überschneidende Linien. Oder war das eher ein Portal? Damit diese kleine Figur sich dem Kampf entziehen und irgendwohin flüchten könnte, wo es besser wäre. Jake drehte den Bleistift um und fing vorsichtig an, die Figur auszuradieren.
So. Jetzt bist du sicher, wo immer du steckst.
Einmal, als Daddy ausgerastet war, hatte Jake später einen Brief auf seinem Bett gefunden. Darauf war eine echt gute Zeichnung von ihnen beiden gewesen, sie hatten gelächelt auf dem Bild, und darunter hatte Daddy geschrieben:

Es tut mir leid. Ich hoffe, du weißt, dass wir einander immer noch lieb haben, auch wenn wir streiten.

Jake hatte den Brief in sein Päckchen mit Besonderen Sachen gelegt, wo auch die anderen wichtigen Dinge steckten, die er aufbewahren wollte.
Er sah sofort nach. Das Päckchen lag auf dem Tisch direkt vor ihm, gleich neben der Zeichnung.
»Du ziehst bald in euer neues Haus«, sagte das Mädchen.
»Ach, echt?«
»Dein Daddy ist heute bei der Bank gewesen.«
»Ich weiß. Er sagt aber, es ist nicht sicher, ob das noch klappt. Vielleicht geben sie ihm nicht diese Sache, die er dafür braucht.«
»Den Kredit«, erklärte das Mädchen geduldig. »Aber es wird schon klappen.«
»Woher willst du das wissen?«
»Er ist doch ein berühmter Schriftsteller, oder? Er ist gut darin, sich Sachen auszudenken.« Sie warf einen Blick auf seine Zeichnung und lächelte in sich hinein. »Genau wie du.«
Jake fragte sich, was das Lächeln zu bedeuten hatte. Es hatte merkwürdig ausgesehen, als wäre sie fröhlich und gleichzeitig traurig. Im selben Moment dämmerte ihm, dass er über den Umzug ganz ähnlich dachte. Er fühlte sich zu Hause nicht mehr wohl, und ihm war klar, dass Daddy es dort ebenfalls nicht mehr mochte, trotzdem fühlte es sich an, als sollten sie besser nicht umziehen, auch wenn er auf Daddys iPad das neue Haus entdeckt hatte, als sie gemeinsam gesucht hatten.
»Wir sehen uns aber trotzdem noch, auch wenn ich umziehe?«, fragte er.
»Na klar. Das weißt du doch.« Als sie sich dann aber vorbeugte, sagte sie eindringlich: »Egal was passiert, denk immer an das, was ich dir gesagt habe. Das ist wirklich wichtig. Versprich mir das, Jake.«
»Versprochen. Aber was soll das heißen
Für einen kurzen Moment glaubte er, sie würde noch ein bisschen mehr erzählen, doch dann klingelte es am anderen Ende des Raums.
»Zu spät«, flüsterte sie. »Dein Daddy ist da.«

Der Mann, der vor zwanzig Jahren in Featherbank fünf kleine Jungs entführt und ermordet hatte.
Kinderflüsterer.

DI Pete Willis

Petes Motto war verhältnismäßig schlicht, und er hatte es über so viele Jahre verinnerlicht, dass er ihm eher unbewusst denn bewusst nachging. Müßiggang war des Teufels Ruhebank. Und ein untätiger Kopf kam auf dumme Gedanken.
Entsprechend beschäftigte er sich und seinen Kopf. Disziplin und feste Strukturen waren ihm wichtig, und nach der vergeblichen Suche auf dem Brachgelände hatte er die vergangenen achtundvierzig Stunden weitgehend mit dem verbracht, was er immer tat.
Früh am Morgen hatte er sich im Fitnessraum des Reviers eingefunden: Schulterdrücken, Seitheben, Übungen für die hinteren Deltamuskeln. Jeden Tag ein anderer Körperteil. Es war keine Frage von Eitelkeit oder Fitness – eher dass er in der Einsamkeit und Konzentration des Trainings eine willkommene Ablenkung fand. Nach einer Dreiviertelstunde stellte er oft überrascht fest, dass sein Kopf die meiste Zeit völlig leer gewesen war.
An diesem Morgen hatte er es geschafft, nicht eine Sekunde lang über Neil Spencer nachzudenken.
Anschließend hatte er den Tag großteils am Schreibtisch verbracht, wo sich jede Menge kleinerer Fälle stapelten und für reichlich Abwechslung sorgten. Als jüngerer, ungestümerer Mann hätte er sich wahrscheinlich nach größerem Spektakel als den banalen Vergehen gesehnt, mit denen er es zu tun hatte, doch heute genoss er die Ruhe, die ihm die langweilige Detailarbeit bescherte. Aufregung gab es bei der Polizei genug – und die war in aller Regel alles andere als gut. Denn für gewöhnlich ging Aufregung mit einer Gefahr für jemandes Leib und Leben einher. Sich Spektakel zu wünschen hieß, die Gefahr herbeizusehnen, und Pete hatte von beidem mehr als genug erlebt. In Auto- und Ladendiebstählen und Vorladungen wegen banaler Vergehen lag ein gewisser Trost. All das erweckte den Anschein, in dieser Stadt nähmen die Dinge in aller Ruhe ihren Lauf, mitunter vielleicht nicht ganz perfekt, aber doch nie so, dass alles den Bach runterging.
Obwohl er mit dem Fall Neil Spencer nicht direkt zu tun hatte, kam er unmöglich daran vorbei. Ein kleiner Junge warf, sobald er verschwand, einen langen Schatten, und im Handumdrehen hatte der Fall im Revier oberste Priorität gehabt. Pete bekam mit, wie die Kollegen auf dem Flur darüber redeten: wo Neil noch stecken könnte; was ihm wohl zugestoßen war; und dann natürlich die Eltern. Über Letztere wurde, weil es von offizieller Seite nicht erwünscht war, eher hinter vorgehaltener Hand spekuliert – wie unverantwortlich es gewesen sei, einen kleinen Jungen unbeaufsichtigt nach Hause laufen zu lassen. Ganz ähnlich hatte es auch zwanzig Jahre zuvor geklungen, und er beeilte sich, an den Kollegen vorbeizukommen, weil er heute ebenso wenig wie damals in der Stimmung war, sich auf den Flurfunk aufzuschalten.
Um kurz vor fünf saß er an seinem Schreibtisch und überlegte gerade, was er mit dem Abend anfangen sollte. Er lebte allein, ging nur selten unter Leute und hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, ganze Kochbücher von A bis Z nachzukochen. Oft zauberte er die kompliziertesten Menüs, die er dann allein am Esstisch zu sich nahm. Anschließend sah er sich einen Film an oder griff zu einem Buch.

Und dann natürlich das Ritual.
Die Flasche und das Foto.

Trotzdem spürte er, wie sein Puls raste, als er kurz vor Feierabend seine Sachen zusammensuchte. Am Vorabend hatte der Albtraum ihn nach Monaten erstmals wieder heimgesucht – Jane Carter, die ihm übers Telefon zuflüsterte: »Sie müssen sich beeilen!« Er hatte es nicht geschafft, Neil Spencer vollends zu entkommen, was leider bedeutete, dass sich die düsteren Gedanken und Erinnerungen doch näher an der Oberfläche hielten, als ihm lieb gewesen wäre. Entsprechend war er auch nicht überrascht, als er gerade in seine Jacke schlüpfen wollte und das Diensttelefon anfing zu klingeln. Irgendwie hatte er damit gerechnet.
Seine Hand zitterte leicht, als er den Hörer abnahm.
»Pete«, sagte DCI Colin Lyons am anderen Ende der Leitung. »Schön, dass Sie noch da sind. Ich hatte gehofft, wir könnten uns hier bei mir ganz kurz unterhalten.«

Sein Verdacht bewahrheitete sich, sobald er über die Schwelle in das Büro des DCI trat. Lyons hatte am Telefon nichts gesagt, aber DI Amanda Beck war ebenfalls anwesend und saß mit dem Rücken zu ihm auf dem Besucherstuhl gleich neben der Tür. Sie bearbeitete derzeit einen einzigen Fall, es konnte also nur einen Grund geben, warum seine Wenigkeit hierherbeordert worden war.
Als er die Tür schloss, versuchte er, ruhig zu bleiben. Vor allem versuchte er, nicht an das zu denken, was er vorgefunden hatte, nachdem er sich vor zwanzig Jahren zu guter Letzt Zutritt zu Frank Carters Anbau verschafft hatte.
Lyons lächelte ihn breit an. Dieses Lächeln konnte einen ganzen Raum ausleuchten.
»Gut, dass Sie da sind. Nehmen Sie Platz.«
»Danke.« Pete setzte sich neben Beck. »Amanda …«
Sie nickte ihm zu und bedachte ihn mit dem Hauch eines Lächelns – das deutlich weniger Leuchtkraft hatte als das Strahlen des DCI und kaum ihr eigenes Gesicht erhellte. Pete kannte sie nicht allzu gut; sie war zwanzig Jahre jünger als er, sah im Augenblick aber wesentlich älter aus, als sie tatsächlich war. Zutiefst erschöpft – und nervös, fand er. Womöglich fürchtete sie, dass ihre Autorität unterminiert und ihr der Fall weggenommen würde. Sie galt als ehrgeizig. Aber diesbezüglich hätte er sie beruhigen können. Zwar war Lyons durchaus skrupellos genug, ihr den Fall wegzunehmen, wann immer es ihm in den Kram passte, aber Pete würde er ihn im Leben nicht anvertrauen.
Lyons und er waren etwa im selben Alter, aber obwohl Pete tatsächlich ein Jahr eher an Bord gegangen war und in vielerlei Hinsicht mehr Verdienste vorweisen konnte, unterschieden sich ihre Dienstränge. Lyons war immer schon der Ambitioniertere gewesen, während Pete, der wusste, dass jede Beförderung nur mehr Konflikte und Dramen mit sich brachte, kein Bedürfnis hatte, die Karriereleiter noch weiter hinaufzusteigen. Wenn man verbissen wie Lyons war, war wohl nichts so irritierend wie ein Kollege, der es viel leichter geschafft hätte, aber nicht im Geringsten an Erfolg interessiert war.
»Sie sind mit dem Fall des verschwundenen Neil Spencer vertraut?«, fragte Lyons.
»Ja. Ich hab am ersten Abend die Brache mit abgesucht.«
Lyons starrte ihn an. Womöglich deutete er Petes Antwort als Kritik.
»Ich wohne dort in der Nähe«, erklärte er, was die Sache nicht besser machte. Auch Lyons wohnte dort, und der hatte in jener Nacht nicht die Straßen abgesucht. Nach einer Weile nickte der DCI. Er wusste, dass Pete seine ganz eigenen Gründe hatte, sich für Fälle verschwundener Kinder zu interessieren.
»Haben Sie die weitere Entwicklung verfolgt?«
Ich weiß, dass es keine weitere Entwicklung gibt. Aber das hätte wie Kritik an Beck geklungen, und das hatte sie nicht verdient. Nach dem bisschen zu urteilen, was er mitbekommen hatte, machte sie einen guten Job und tat alles, was in ihrer Macht stand. Wichtiger noch: Sie hatte die Officers aufgefordert, sich nicht kritisch über die Eltern zu äußern, was er sehr begrüßte.
»Ich weiß, dass Neil noch nicht gefunden wurde«, sagte er. »Trotz ausgedehnter Suche und Befragungen.«
»Was wäre Ihre Vermutung?«
»Ich hab die Ermittlungen nicht genau genug verfolgt, um eine zu haben …«
»Sie haben keine Vermutung?« Lyons sah ihn überrascht an. »Haben Sie nicht erwähnt, Sie hätten sich am ersten Abend an der Suche beteiligt?«
»Da bin ich noch davon ausgegangen, dass er gefunden würde.«
»In Anbetracht Ihrer Vergangenheit hätte ich gedacht, Sie würden den Fall im Blick behalten.«
Da – die erste Erwähnung. Der erste Hinweis.
»Vielleicht hab ich ihn gerade wegen dieser Vergangenheit nicht weiter verfolgt.«
»Ja, das verstehe ich. Es war damals schwer für uns alle.«
Lyons’ Stimme klang nach Mitgefühl, aber Pete wusste, das täuschte. Pete war derjenige von ihnen gewesen, der den größten Fall der letzten fünfzig Jahre gelöst hatte, und trotzdem war Lyons am Ende dafür auf dem Chefposten gelandet. Auf die damalige Ermittlung zu sprechen zu kommen war für sie beide unangenehm, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Schließlich brachte Lyons die Sache auf den Punkt. »War es nicht so, dass Sie der Einzige sind, mit dem sich Frank Carter unterhalten würde?«
Da war es also.
Es war schon eine Weile her, seit jemand den Namen laut ausgesprochen hatte, insofern hätte Pete womöglich sogar zusammenzucken sollen. Doch es breitete sich nur dieses Kitzeln in ihm aus. Frank Carter. Der Mann, der vor zwanzig Jahren in Featherbank fünf kleine Jungs entführt und ermordet hatte. Der Mann, den Pete letztlich zur Strecke gebracht hatte. Allein der Name erzeugte in ihm einen derartigen Schrecken, dass es sich anfühlte, als dürfte er niemals laut ausgesprochen werden – als hätte er die Macht, unversehens ein Monster zum Leben zu erwecken. Schlimmer war eigentlich nur noch, wie ihn die Zeitungen getauft hatten. Kinderflüsterer. Der Name war dem Umstand geschuldet, dass Carter sich erst mit seinen Opfern – verletzlichen, vernachlässigten Kindern – angefreundet hatte, ehe er sie verschleppte. Er hatte vor ihren Fenstern gestanden und im Flüsterton auf sie eingeredet. Pete hatte sich nie erlaubt, diesen Spitznamen zu verwenden.
Er musste sich zusammenreißen, um nicht seinem ersten Impuls nachzugeben und aus dem Zimmer zu stürmen.
Sie sind der Einzige, mit dem sich Frank Carter unterhalten würde.
»Ja.«
»Warum ist das so – was glauben Sie?«, fragte Lyons.
»Es macht ihm Spaß, mich zu verhöhnen.«
»Und weswegen?«
»Wegen all der Dinge, die er damals getan hat. Wegen der Dinge, die ich nicht herausfinden konnte.«
»Und die behält er noch immer für sich?«
»Ja.«
»Warum reden Sie dann noch mit ihm?«
Pete zögerte kurz. Die Frage hatte er sich in all den Jahren unzählige Male gestellt. Er fürchtete die Treffen und hatte jedes Mal eine Gänsehaut, wenn er sich im Gefängnis im Besprechungsraum niederließ, um auf Carter zu warten. Im Nachhinein fühlte er sich dann jedes Mal wie erschlagen, mitunter wochenlang. An manchen Tagen zitterte er noch tagelang unkontrolliert, und an manchen Abenden konnte er kaum die Finger von der Flasche lassen. Nachts suchte Carter ihn in seinen Träumen heim – ein massiger, grausamer Schatten, der dafür sorgte, dass er schreiend aus dem Schlaf hochschreckte. Jedes neuerliche Treffen mit dem Mann hinterließ bei Pete tiefe Wunden.
Und trotzdem ging er hin.
»Ich hoffe immer noch, dass er eines Tages einen Fehler macht, nehme ich an«, antwortete er bedächtig. »Dass er versehentlich irgendwas Wichtiges sagt.«
»Wo er den kleinen Smith verscharrt hat?«
»Ja.«
»Oder wer sein Komplize war?«
Pete antwortete nicht.
Vor zwanzig Jahren waren die Leichen von vier Jungen in Frank Carters Haus gefunden worden, doch die Leiche des fünften, des letzten Opfers, Tony Smith, war nie aufgetaucht. Niemand hatte auch nur den geringsten Zweifel, dass Carter alle fünf Morde verübt hatte, und er hatte es selbst auch nie abgestritten. Allerdings hatte es in dem Fall durchaus Unstimmigkeiten gegeben; nichts, was den Mann wirklich entlastet hätte, bloß Fäden, die ausfransten und nicht recht in die Ermittlungen passen wollten. Eine der Entführungen hatte nach ihren Schätzungen binnen eines bestimmten Zeitraums stattgefunden, für den Carter ein fast durchgängiges Alibi hatte, zudem gab es Zeugenaussagen, die – wenn auch nicht zu hundert Prozent verlässlich – eine andere Person an einem Teil der Tatorte beschrieben. Was forensische Spuren anging, war die Beweislast in Carters Haus überwältigend gewesen, und sie hatten Zeugen gehört, die wesentlich konkreter und glaubwürdiger gewesen waren; trotzdem war immer ein kleiner Rest Zweifel geblieben, ob Carter wirklich ein Einzeltäter gewesen war.
Pete war sich nicht mehr ganz sicher, ob er damals ebenfalls Zweifel gehabt hatte; zumindest hatte er sein Bestes gegeben, die Möglichkeit eines Komplizen so weit von sich zu schieben, wie es nur ging. Und doch war genau das der Grund, warum er hier war.
»Darf ich fragen, worum es geht, Sir?«
Lyons zögerte. »Was wir jetzt gleich besprechen, bleibt fürs Erste innerhalb dieser vier Wände, ist das klar?«
»Selbstverständlich.«
»Die Bilder der Überwachungskameras legen den Schluss nahe, dass Neil in Richtung des Brachgeländes aufgebrochen, dann aber irgendwo in der Nähe verschwunden ist. Die Suche hat bislang rein gar nichts ergeben. Sämtliche Stellen, an denen er zufällig vorbeigeschlendert sein könnte, sind abgehakt worden. Er ist weder bei Freunden noch bei Verwandten. Insofern müssen wir jetzt natürlich auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. DI Beck?«
Amanda Beck rührte sich auf ihrem Stuhl neben Pete. Als sie das Wort ergriff, klang sie leicht defensiv.
»Diese anderen Möglichkeiten haben wir natürlich von Anfang an mit in Betracht gezogen. Wir haben sämtliche Anrainer sowie die üblichen Verdächtigen befragt. Hat uns nirgends hingeführt.«
Das kann noch nicht alles gewesen sein, dachte Pete. »Aber?«
Beck holte tief Luft. »Aber ich hab die Eltern vor einer Stunde noch mal befragt. Hab nachgebohrt, was wir bislang übersehen haben könnten. Kleinste Hinweise, was auch immer bedeutsam sein könnte. Und seine Mutter hat tatsächlich etwas erzählt – sie hatte es zuvor nicht erwähnt, weil sie es für bescheuert hielt.«
»Und was war das?«
Noch während er die Frage stellte, ahnte er, wie die Antwort lauten würde. Im Verlauf dieser Besprechung hatte sich ein neuer Albtraum Stück für Stück zu einem Ganzen gefügt.
Ein verschwundener kleiner Junge.
Frank Carter.
Ein Komplize.
Beck legte das letzte Puzzleteil an seinen Platz.
»Vor ein paar Wochen hat Neil mitten in der Nacht seine Mutter geweckt. Er meinte, da wäre ein Monster vor seinem Fenster. Die Vorhänge waren aufgezogen, als hätte er wirklich nach draußen geguckt, aber da war nichts …«
Sie hielt kurz inne.
»Er meinte, es hätte ihm Sachen zugeflüstert.«

Vier dünne, blasse Finger, die sich durch die schwarzen Spinnenborsten schoben und den Briefschlitz offen hielten.
»Lass mich rein!«

"Mach schon auf, Jake."

Einzuschlafen war mir noch nie so schwergefallen wie in dieser Nacht. Nach unserem Streit war es mir nicht mehr gelungen, mit Jake auch nur irgendetwas zu klären. Während ich mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte, was ich über Rebecca geschrieben hatte, war es unmöglich, dies alles einem Siebenjährigen verständlich zu machen. Von seiner Warte aus war der Text ein Angriff auf seine Mutter. Als er ins Bett gegangen war, hatte er seine Gutenachtgeschichte verweigert, und einen Moment lang stand ich wieder einmal hilflos da und war zwischen Frust und Selbsthass und dem verzweifelten Wunsch hin- und hergerissen, ihm alles zu erklären. Am Ende gab ich ihm bloß einen Kuss auf die Schläfe, versicherte ihm, dass ich ihn lieb hätte, sagte Gute Nacht und hoffte einfach, dass die Welt am Morgen wieder ein bisschen rosiger aussähe. Als würde es jemals so funktionieren. Morgen war zwar immer ein neuer Tag, aber es gab keinen glaubhaften Grund anzunehmen, dass dieser neue Tag besser sein würde.

Später, in meinem Schlafzimmer, wälzte ich mich von einer Seite zur anderen und versuchte, zur Ruhe zu kommen. Dass wir derart auseinanderdrifteten, war schwer zu ertragen. Noch schlimmer war allerdings, dass ich keinen Schimmer hatte, wie ich verhindern konnte, dass wir uns noch weiter voneinander entfernten, geschweige denn wie ich uns wieder zusammenbringen sollte. Und während ich dort in der Dunkelheit lag, wanderten meine Gedanken wiederholt zu der heiseren Stimme, mit der Jake gesprochen hatte, und jedes Mal bekam ich eine Gänsehaut.
Ich will dir auch Angst machen.
Der Junge im Boden.
So irritierend das gewesen sein mochte – sein Bild mit den Schmetterlingen machte mir noch viel mehr Sorgen. Die Garage war mit einem Vorhängeschloss gesichert. Jake hätte ohne mein Wissen dort gar nicht hineingehen können. Und doch hatte ich mir das Bild immer und immer wieder angesehen – und eine andere Erklärung war schlichtweg ausgeschlossen. Irgendwie musste er sie gesehen haben. Aber wie? Und wo?
Natürlich war es reiner Zufall. Es musste Zufall sein. Vielleicht war diese Schmetterlingsart weiter verbreitet, als mir klar war – die aus der Garage mussten schließlich auch irgendwoher gekommen sein. Selbstverständlich hatte ich auch darüber mit Jake sprechen wollen – aber genauso selbstverständlich hatte er sich geweigert, mir zu antworten. Noch während ich mich hin und her wälzte und versuchte einzuschlafen, dämmerte mir irgendwann, dass das Rätsel um die Schmetterlinge sich letztlich genauso in Luft auflösen würde wie unser Streit.
Zersplitterndes Glas.
Meine kreischende Mutter.
Ein brüllender Mann.
Wach auf, Tom!
Wach sofort auf!
Irgendjemand ruckelte an meinem Fuß.

Ich schreckte auf, war schweißgebadet, und das Herz hämmerte in meiner Brust. Im Schlafzimmer war es pechschwarz und totenstill – es war immer noch mitten in der Nacht. Und wieder stand Jake an meinem Fußende – eine schwarze Silhouette vor tiefdunklem Hintergrund. Ich rieb mir übers Gesicht.
»Jake?«, sagte ich leise.
Keine Antwort. Ich konnte sein Gesicht nicht erkennen, aber sein Oberkörper schwankte ganz leicht hin und her wie der Zeiger eines Metronoms. Ich runzelte die Stirn.
»Bist du wach?«
Wieder keine Antwort. Ich setzte mich im Bett auf und fragte mich, was ich jetzt am besten tun sollte. Wenn er schlafwandelte, sollte ich ihn dann sachte aufwecken? Oder ihn schlafend wieder zurück in sein Zimmer bugsieren? Als sich meine Augen dann aber besser an die Dunkelheit gewöhnt hatten, wurden die Konturen klarer. Seine Haare sahen komisch aus. Sie waren länger, als sie hätten sein dürfen, und irgendwie standen sie zu einer Seite ab.
Und …
Irgendwer flüsterte.
Nur dass die Gestalt an meinem Fußende, die ganz langsam hin und her schwankte, vollkommen stumm war. Das Flüstern, das ich hören konnte, kam woandersher.
Ich sah nach links. Durch die offene Schlafzimmertür konnte ich den dunklen Flur erkennen. Dort war niemand, aber ich meinte zu hören, dass das Flüstern von dort draußen kam.
»Jake …«
Als ich wieder zurücksah, war die Gestalt an meinem Bett verschwunden und das Zimmer leer.
Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen, rutschte über die kalte Seite des Betts und tapste leise hinaus auf den Flur. Hier draußen war das Flüstern eine Spur lauter. Obwohl ich keine einzelnen Wörter ausmachen konnte, hörte ich jetzt eindeutig zwei Stimmen: eine gewisperte Unterhaltung, bei der ein Teilnehmer mürrischer klang als der andere. Jake führte wieder Selbstgespräche. Intuitiv steuerte ich sein Zimmer an, doch als ich im Vorbeigehen einen Blick die Treppe hinunter warf, blieb ich wie angewurzelt stehen.
Mein Sohn saß am Fuß der Treppe direkt vor der Eingangstür. Zwischen den Vorhängen in meinem Arbeitszimmer fiel ein Streifen sanften Straßenlichts seitlich herein und färbte sein zerzaustes Haar orange. Er saß im Schneidersitz, hatte den Kopf in Richtung Tür geneigt und presste die Hand an den Türrahmen. In der anderen Hand, die auf seinem Oberschenkel ruhte, hielt er den Bund mit Ersatzschlüsseln, den ich in meinem Schreibtisch verwahrte.
Ich spitzte die Ohren.
»Ich bin mir nicht sicher«, flüsterte Jake.
Die Antwort kam von der mürrischen Stimme, die ich zuvor gehört hatte.
»Ich pass auf dich auf, versprochen.«
»Ich weiß nicht …«
»Mach schon auf, Jake.«
Jakes Hand wanderte zum Briefschlitz. Erst in diesem Moment entdeckte ich, dass der Schlitz von außen aufgeschoben wurde. Und ich sah Finger. Bei dem Anblick blieb mir das Herz stehen. Vier dünne, blasse Finger, die sich durch die schwarzen Spinnenborsten schoben und den Briefschlitz offen hielten.
»Lass mich rein!«
Jake hob seine schmale Hand in Richtung eines der Finger, der sich krümmte und ihm federleicht über den Handrücken strich.
»Lass mich einfach rein.«
Jake streckte sich nach der Sicherheitskette.
»Nicht!«, schrie ich.
Es platzte aus mir, aus meinem Herzen, heraus, ohne dass ich darüber nachgedacht hätte. Augenblicklich zogen sich die Finger zurück, und der Briefschlitz klapperte zu. Jake drehte sich nach mir um, als ich die Treppe hinunterpolterte. Das Herz hämmerte weiter in meiner Brust. Ich riss ihm die Schlüssel aus der Hand.
Solange er dort sitzen bliebe, würde er die Tür versperren.
»Weg«, schrie ich ihn an, »los, weg!«
Er robbte zur Seite. Ich riss die Türkette aus der Schiene, ruckelte am Türknauf, der sich problemlos drehen ließ – Jake hatte das verdammte Ding schon aufgeschlossen! Dann riss ich die Eingangstür auf, rannte hinaus auf den Gartenweg und starrte in die Nacht.
Soweit ich sehen konnte, war niemand auf der Straße. Unter den Straßenlaternen hing gelblicher Dunst; die Gehwege waren verwaist. Als ich zur anderen Straßenseite blickte, war mir, als würde dort eine Gestalt im Laufschritt über das Feld verschwinden, eine unscharfe Kontur und Beine, die wie Kolben durch die Dunkelheit hämmerten.
Zu weit weg, als dass ich noch hinterhergekommen wäre.
Trotzdem lief ich instinktiv in Richtung Bürgersteig, blieb dann aber auf halber Strecke stehen. Atemwölkchen in der kalten Nachtluft. Was machte ich hier überhaupt, verdammt? Ich konnte doch nicht die Tür hinter mir sperrangelweit offen stehen lassen und jemanden über den Acker verfolgen – ich konnte Jake dort drinnen doch nicht sich selbst überlassen?
Ich blieb noch ein, zwei Sekunden lang stehen und starrte über das dunkle Feld. Die Gestalt – wenn sie denn überhaupt je da gewesen war – war mittlerweile verschwunden.
Sie war da gewesen.
Ich hielt noch kurz inne. Dann kehrte ich um, verriegelte die Tür und rief die Polizei.

Willst du wissen, was er flüstert?

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»Ein fesselnder Pageturner! Eine düstere, verstörende Geschichte, die einem unter die Haut geht.«

J.D. Barker, SPIEGEL-Bestsellerautor