Guido Maria Kretschmer: Das rote Kleid | Leseprobe read’n’go

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Prolog

Das Mondlicht ist ein wahrer Zauberer, ein Weichzeichner und ein friedlicher Begleiter durch die Nacht. Und es ist das Licht der Erinnerung. Die Erinnerung ist die einzige Chance, der Endlichkeit zu entgehen. Und deswegen rufen wir Kleider uns gerne die schönen
Momente in unseren Leben ins Gedächtnis, indem wir uns gegenseitig davon berichten. Heute bin ich an der Reihe, meine Geschichte zu erzählen.
Ich kann mir Ihre Verwunderung vorstellen, Kleidung, was soll die schon können, als einfach Kleidung zu sein? Nein, so einfach ist es eben nicht, denn wir können sprechen und haben eine Seele aus vielen sanften Fasern!

Ja, jetzt sehe ich förmlich Ihre Verlegenheit, und glauben Sie mir, ich weiß, wie Verwunderung sich anfühlt, ich erlebe sie mit Ihnen. Sie mögen auch einen Moment gedankenverloren über Ihren Pullover streichen, vielleicht öffnen Sie jetzt auch einen Knopf Ihrer Bluse und fragen sich, es kann doch nicht sein, dass mir hier ein Kleidungsstück etwas erzählen will?

Doch, so ist es!

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Ich wurde geboren in einem Modeatelier in Deutschland. 

Als ich die Augen aufschlug, sah ich als Erstes Veronika. Sie hing direkt neben mir auf einem Bügel und begrüßte mich in feinstem Russisch mit den Worten: »Herzlich willkommen, kleines rotes Kleid.« Erst jetzt bemerkte ich die vielen anderen Kleider, die auch da waren, und ihre bewundernden Blicke. Sie applaudierten und ließen mich hochleben.

Es ist so wichtig, willkommen geheißen zu werden! Veronika war ein Abendmantel. Ein bestickter Traum aus Samt und Seide. Als sie Samt sagte, spürte ich gleich, wie begeistert sie von sich war. Sie sagte: »Ya, prekrasno«, was so etwas wie »ach, ich bin wunderbar« auf Russisch bedeutet. Und das war sie auch. Schwarz wie die Nacht, ein Seidensamt mit einem cremefarbenen Futter, über und über bestickt mit kleinen Glasperlen in Grau und zimtfarbenen Kristallen. »Ich bin zur Reparatur hier«, sagte sie, »ein Irrer ist mir auf die Schleppe getreten.«

Sie erzählte mir von all den Kleidern und Hosen, den Röcken und Abendkleidern, die sie bereits getroffen hatte, um dann unvermittelt etwas leiser zu werden. »Weißt du«, sagte sie mit etwas Wehmut in der Stimme, »dass wir von der gleichen Hand geschaffen sind, ist etwas Besonderes, wir Russinnen sind immer etwas eleganter als der Rest. Wir lassen uns einfach besser tragen. Sage aber bloß den Parisern nichts, die sind doch so von sich eingenommen. Ich kenne ein Chanel-Kostüm, das sich so darüber geärgert hat, dass es nicht mehr getragen wurde, dass es anfing, selbst seine Fasern zu zerstören. Es ist böse mit ihm ausgegangen. Es wurde entsorgt und von Motten zerfressen«, sagte sie mit pikierter Stimme.

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Rechts neben mir hing ein Wollkostüm. Es hatte noch nicht ein Wort gesprochen, und ich erschrak, als es sich plötzlich leise bei mir vorstellte. »Mein Name ist Johanna«, sagte es, »wir sind zwei, mein Rock und ich.«

Erst da bemerkte ich den Rock, der sich unter dem Blazer zu verstecken versuchte. »Er ist am Bund gerissen, und jetzt wird er von innen verstärkt, es ist ihm peinlich«, sagte der Blazer mit einem Knopflochzwinkern. »Wir kommen aus Fulda. Wir sind eine gute alte Maßanfertigung.«

Sie wohnten in einem Schrank bei einer Dame, die sonntags immer in die Kirche ging, und der Rock war auch bei der Sonntagsmesse gerissen. »Unsere Besitzerin lebt allein, und bei uns ist auch nicht die Welt los«, bemerkte der Rock. »Wir kommen sicher einmal in den Himmel«, fügte der Blazer hinzu. »Wenn ihr mal nicht in einer Altkleider-Sammlung landet«, meldete sich Veronika mit einem arroganten Grinsen im Gewebe. »Es ist doch unerträglich, wie die riechen, der Weihrauch ist denen aber auch wirklich in die Fasern gekrochen«, sagte Veronika. Sie drehte sich leicht zur Seite, um mir mit einer Geste anzudeuten: nicht unser Umgang!

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Ich schlief ein und als ich die Augen aufschlug, war es dunkel. »Hallo, rotes Kleidchen. Du hast aber lange geschlafen. Na ja, war ja auch spät gestern«, sagte Bärbel und schüttelte sich an ihrem Haken etwas aus. »Bräuchte mal Urlaub«, sagte sie. »Einmal in so eine schicke chemische Reinigung, so mit allem Schnick und Schnapp. Mal richtig das Gewebe durchgeblasen zu bekommen und mal raus hier. Mensch, das wäre mal was.« Dabei seufzte sie gedankenverloren, bis sie eine feine und piepsige Stimme zurück in die Realität holte. »Mensch, Bärbel«, sagte ein kleines Top aus hellblauer Baumwolle, »immer die gleichen Träume, wir sind aus Baumwolle! Cotton, capito, da gibt es keine Reinigung. Das Einzige, was wir erwarten können, ist eine feine Schonwäsche und ein heißes Bügeleisen.«

»Ist ja gut, Chantal«, sagte Bärbel, »man wird doch noch träumen dürfen.« Das kleine Top verzog etwas anzüglich die Träger und deutete auf mich. »Hier, der rote Seidenfetzen, der wird natürlich gereinigt werden, der ist ja etwas Besonderes. Dabei ist er heute nicht verschickt worden, obwohl er schon fertig ist, wenn der mal nicht hängen bleibt.«

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»Lass doch das arme Ding in Ruhe«, meldete sich ein schwarzer Overall, »die hat dir doch gar nichts getan. Du musst nicht glauben, dass alle deine schlechte Laune ertragen müssen, nur weil du so verschnitten bist und nicht abgeholt wurdest.« Und dann fügte er an mich gewandt hinzu: »Ich darf mich vorstellen, mein Name ist Elke, Woll-Crêpe ist mein Gewebe, und glaube mir, Chantal ist nur neidisch auf dich. Alle wollen doch sein wie du, ein rotes Kleid.« Dann zog Elke ihren Gürtel etwas hoch und sagte: »Entschuldigung, meine Schlaufen sind auch nicht mehr die besten.«

»Hallo, Elke«, sagte ich, »schön, dich kennenzulernen.« »Die Freude ist ganz auf meiner Seite«, sagte der Overall, »ich bin so gern mit meinesgleichen.« Da ging ein Lachen durch die Kleiderstangen. »Mit meinesgleichen«, spöttelte eine Hose aus weißem Leinen, »du bist doch nur eine Hose mit Oberteil! Also wirklich, Elke, jetzt mach dich mal nicht so wichtig.«

»Ich bin mir sicher, dass du zu viel in Bars rumgesessen hast«, fügte eine weiße Bluse hinzu, die piekfein mit ihrer Schluppe auf ihrem Bügel hing. Bärbel, die Ankleidehilfe, mischte sich ein, und ein reger Wortwechsel suchte seinesgleichen. Alle redeten durcheinander, und das kleine Top wurde immer lauter.

Auf der gegenüberliegenden Stange hingen zwei kleine Tüllkleidchen, sie sprachen wie ich Russisch und hießen Dasha und Lara. Sie waren so hübsch und niedlich, dass alle von ihnen verzaubert waren. »Wir sind Engelchenkleidchen«, sagte Dasha. Und Lara fügte hinzu: »Wir werden in der nächsten Woche Blumen auf einer Hochzeit in Düsseldorf streuen.«

Wieso wussten hier eigentlich alle, was sie zu erwarten hatten? Ich fühlte mich schrecklich ahnungslos, und ein Gefühl von Einsamkeit breitete sich in meinen Nähten aus. »Anascha«, hörte ich eine Stimme in mir sagen, »verzage nicht, alles wird gut werden.« Es war Galina, meine Schneiderin, die in meinen Gedanken zu mir sprach. Langsam wurde ich wieder müde und hoffte auf ein glückliches Morgen.

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Ich erwachte von einem dumpfen Knall. Bevor ich mich orientieren konnte, steckte ich schon in einem Kleidersack, und eine Mädchenstimme sagte so etwas wie: »Versandfertig, und auf geht’s!« Dann landete ich in einer Kiste.

Wie lange ich unterwegs gewesen war, weiß ich nicht, aber als ich meine Augen öffnete, konnte ich durch die kleinen Zähne des Reißverschlusses meines Kleidersacks erkennen, dass meine Kiste geöffnet worden war. Mit einem Ruck hing ich an einer Kleiderstange. Wo war ich nur, und wieso befreite mich niemand aus dem Kleidersack?

Ich versuchte mich auf die Geräusche in meiner Umgebung zu konzentrieren. Man hörte das Geplapper unzähliger Stimmen. Diese Sprache hatte ich noch nie gehört. Sie kicherten und machten seltsame Geräusche. Es roch streng nach Chemie, und ich konnte nicht ausmachen, woher dieser Geruch kam. Unbehagen breitete sich immer weiter in mir aus. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte leise: »Hallo?« Keine Antwort. Ich versuchte es noch einmal etwas lauter: »Hallo, ist da wer?« Für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass die unzähligen Stimmen etwas leiser wurden. Ich sagte: »Jest kto-nibud?«, das ist Russisch und heißt »ist da wer?« Dann wartete ich einen Moment und probierte es noch einmal. Ich musste all meinen Mut zusammennehmen. »Jest kto-nibud?«, rief ich etwas lauter, und da hörte ich ein leises: »Du bist nicht allein.«

Mein Glück war nicht zu fassen, ich war nicht allein! »Wo bin ich? Wer bist du?«, fragte ich in die Dunkelheit. Wieder hörte ich für eine gefühlte Ewigkeit nichts, dann aber sagte eine Stimme laut und deutlich: »Wir sind unendlich viele, mein Name ist Langoni.« »Langoni«, wiederholte ich, »warum bist du so weit weg?« »Wir sind hier in Kartons gestapelt und in Folien verpackt«, sagte diese nette Stimme. »Woher kommt ihr?«, fragte ich in der Hoffnung, etwas Vertrautes zu erfahren. »Wir sind aus Bangladesch«, sagte Langoni.

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Ich weiß nicht, wie viel Zeit verstrichen war, als ich aufwachte, aber ich fühlte etwas Luft und konnte es kaum glauben: Mein dunkles Gefängnis war ein Stück geöffnet worden. 

Ich traute meinen Augen nicht, da standen unzählige Kisten mit Textilien. Und da waren auch noch andere Kleidungsstücke. Wo um Himmels willen war ich nur gelandet? Ich kroch tief in meinen Kleidersack, ich wollte zurück nach Hause!«

»Entschuldigung, aber könnte mir vielleicht jemand von Ihnen verraten, wo ich mich befinde?«, fragte ich schüchtern in den Raum, der sich immer größer anfühlte. Aber die Langonis kicherten nur, und eines von ihnen rief: »Du hast aber auch von nichts eine Ahnung.« Und dann gab es kein Halten mehr, die Langonis freuten sich so sehr, dass ihre Verpackungen nur so knisterten. Der süßliche Geruch, der dabei aus den Folien aufstieg, vernebelte mir die Sinne.  »Guten Abend, Sie sind aber ein hübsches Kleid«, drang eine Weile später eine dunkle und warme Stimme in meine Träume. »Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Eric, meines Zeichens ein Armeemantel« – dabei hob er seine Stimme etwas an –, »ich bin ein feines Tuch der alten Schule.«

Ich öffnete meine Augen, noch müde und verschlafen. Dann konnte ich ihn erkennen, er hing direkt neben mir. Er war groß und grau und etwas grün und hatte Schultern, die so breit waren, dass ich mich wunderbar dahinter hätte verstecken können. Und das hätte ich jetzt auch gern getan, da ich nun ohne Schutzhülle in einer langen Reihe von Kleidungsstücken hing. „Eric, dürfte ich eine Frage stellen?“

»Nur zu, mein Fräulein, was möchtest du denn wissen? « Eric zog einen Goldknopf hoch, um mir seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu zeigen. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte: »Sind wir hier in Belgien?« »Ach Kind«, der alte Mantel grinste quer über seinen großen Kragen, »wie kommst du denn auf die Idee? Belgien ist doch weit weg, es liegt, glaube ich, an der Küste. Wir sind in Deutschland, meine Liebe. Auf einem Filmset in der Wallachei«, sagte Eric.

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In die betretene Stille meldete sich der wilde Poncho. »Was ist denn hier schon wieder los?«, beschwerte er sich. »Nix anscheinend! Freunde, ihr seid ja so was von langweilig.«

Das blassblaue Nachthemd äffte den Poncho nach: »Freunde, Freunde«, sagte es, und dabei zog es seine feinen Träger hoch, und als es noch so etwas wie »wer kommt denn hier aus der Mottenkiste« sagen wollte, da verlor es auch schon das Gleichgewicht und fiel vom Bügel. »»Nachthemden«, sagte der Steppmantel, »warum ihr immerzu von euren Bügeln rutscht, ist mir ein Rätsel.«

»Weil sie eben flatterhaft sind«, meldete sich eine geblümte Bluse. »Und weil sie eben so gern aufgehoben werden«, ergänzte der Steppmantel. Da mussten alle laut lachen, und das Nachthemd ärgerte sich, weil es sich ertappt fühlte. »Wir sind halt zart und hilflos«, sagte es leise. »Hilflos«, sagte eine bunte Bluse, »hilflos, mein liebes Nachthemd, war hier nur der gute alte Steppmantel, als er von seinen Menschen vergessen wurde.«, das wurde ich«, sagte der Steppmantel, »ich danke euch, ihr lieben Blusen.« Die Blusen freuten sich und zeigten wieder einmal, dass sie zu allen passen und jeder sich auf sie verlassen kann.

»Wenn die Menschen uns nicht mehr wertschätzen, dann ist es irgendwann vorbei für uns«, sagte eine freundliche Stimme, die in meiner unmittelbaren Nähe hing. »Guten Abend, mein Name ist Belinda, es ist mir ein Vergnügen, euch kennenlernen zu dürfen.« Erst jetzt konnte ich erkennen, dass es sich um ein wunderschönes dunkelgrünes Sommerkleid handelte. Belinda war perfekt geschnitten, und eine große weiße Seidenblüte zierte ihre Schulter. Sie war nicht mehr ganz jung, aber sie hatte alles, was man brauchte, um ein schickes Kleid zu sein.

»Es ist mir ebenfalls ein Vergnügen«, sagte der Steppmantel, »bitte entschuldigen Sie, ich habe mich noch gar nicht bei Ihnen vorgestellt. Ich komme aus einer Fabrik in Tschechien. Mein Name ist Lothar. Ich hoffe, mein Husten hat nicht zu sehr gestört, liebe gnädige Frau.« »Ich bitte Sie«, sagte Belinda, »wir sind doch froh, Sie wohlauf an unserer Seite zu wissen. Ich bin mir sicher, etwas Zuwendung, etwas heißer Dampf, und Sie sind ruck, zuck wiederhergestellt. Wissen Sie, ich bin doch so schrecklich mitfühlend, was soll ich machen, ich glaube eben immer an das Gute im Stoff.«

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 »Guten Abend«, sagte ich verlegen, »mein Name ist Anascha.« »Aber das wissen wir doch«, bemerkte der Steppmantel Lothar. »Hier wurde ja den ganzen Tag nur von dir gesprochen. Vielleicht werden wir noch gute Freunde, weißt du, Freundschaft ist wie Liebe ohne die Flügel der Versuchung.«

»Na, Sie sind ja ein Romantiker, lieber Lothar«, sagte Belinda. »Wissen Sie, ich glaube, Freundschaft ist ein Geschenk von Freunden. Ich freue mich sehr, mit Ihnen an einer Stange hängen zu dürfen.« Lothar versuchte, mit einem kleinen Hustenanfall seine Gerührtheit zu überspielen. »Wie liebenswürdig, danke, liebe Frau Belinda, danke. Aber … wir sprachen doch gerade von Anascha, dass sie so ein wunderschönes Seidenkleid ist«, sagte Lothar, um etwas von sich abzulenken. »Und das ist sie auch«, sagte Belinda und lächelte mich freundlich an.

»Sei bitte nicht traurig, Kleines, wenn unser Star sich vielleicht für die da entscheiden wird.« Dabei deutete sie auf eine große weiße Robe mit einer hohen Taille und einer feinen und erlesenen Stickerei. Das elegante Kleid zog etwas den Saum hoch und versetzte ihn in ein leichtes und vornehmes Schwingen, als hätte sie nicht gehört, dass es um sie ging. »Bonsoir«, hauchte sie dann, »Sie müssen entschuldigen, ich habe noch eine leichte Schutzfolie, ich bin einfach zu empfindlich, um nicht zu sagen zu deliziös.« Dabei schwang sie vor Entzücken in ihrer Folie hin und her. »Guten Abend, Madame«, meldete sich eine dunkle und volle weibliche Stimme, die zu einem gerade geschnittenen Rock aus einer feinen schwarzen Wolle gehörte. »Coco mein Name. Ich höre, Sie kommen auch aus Frankreich!« »Enchantée«, sagte die große Robe. »Ich bin aus Paris«, dann machte sie eine kurze Pause und fügte mit einer eher beiläufig gespielten Leichtigkeit hinzu: »Dior.«

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Alle hingen jetzt still auf ihren Bügeln, selbst der Poncho war ganz leise geworden. »Ich glaube, Sie sollten sich schämen«, sagte auf einmal eine schwache Stimme, die wir noch nicht zuvor gehört hatten. »Wer spricht da?«, fragte Belinda in den Raum, und selbst das Dior-Kleid schien verwundert. 

»Ich bin ein kleiner Slip«, sagte die feine Stimme. »Wo bist du denn, wir können dich gar nicht sehen«, rief Belinda. »Ich sitze hier in der Ritze im Sofa fest«, sagte das leise Stimmchen. »Aber wieso steckst du denn in dieser misslichen Lage?«, fragte Coco, die für einen Moment vergessen hatte, dass ihre Bluse immer noch verschwunden war. »Also, das würde mich aber jetzt auch mal interessieren «, mischte sich das Kleid von Dior ein. »Ich stecke schon seit einigen Jahren hier fest. Meine Besitzerin hat mich einmal hier verstecken wollen«, sagte der Slip. »Sie hat mich einfach vergessen, ich blieb immer in der Ritze stecken. Als sie das Sofa einem Freund gegeben hat, bin ich sozusagen mit ihm umgezogen.«

»Jetzt will ich aber wissen, wie dein Transportsofa hier überhaupt reingekommen ist?«, fragte der Poncho unverhohlen interessiert. »Mein Diwan wurde in einer Möbelauktion von einem Bühnenbildner gekauft und dann schon einige Tage bevor ihr alle angereist seid, hier abgestellt.« Die letzten Worte konnte der kleine Slip nur noch hauchen, er hatte keine Kraft mehr, er brauchte sicher dringend eine Wäsche und etwas Zuwendung. 

»Bitte verrate uns doch noch deinen Namen, kleiner Slip«, bat Belinda, erkennbar erschüttert von seinem Schicksal. Für eine kleine Weile war es ganz still, dann wisperte es ganz leise aus der engen Sofaritze: »Mein Name ist Jana-Ina, ich bin ein Tanga aus Rio de Janeiro.«

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