Valentina Cebeni: Blütenmädchen | Leseprobe read’n’go

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Eine Geschichte von Zeit und Liebe.

Mit gebrochenem Herzen kehrt Dafne in ihr Heimatdorf in der Toskana zurück. Dort will sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Sie plant, die Werkstatt ihres Großvaters neu zu eröffnen, um ausgediente, aber geliebte Gegenstände zu restaurieren und ihnen zu neuem Leben zu verhelfen. Der junge Handwerker Milan unterstützt sie dabei. Doch dann findet Dafne eine alte Taschenuhr, die derjenigen Milans zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie ahnt plötzlich, dass er nicht zufällig in ihr Dorf gekommen ist …

Erzählerin aus Leidenschaft.

Valentina Cebeni wurde 1985 in Rom geboren und liebt es seit ihrer Kindheit, Geschichten zu erzählen. »Die Blütenmädchen« ist nach »Die Zitronenschwestern« ihr zweiter Roman in deutscher Sprache. Ihre Geschichten erzählen von der Suche nach dem Glück, Familie, Liebe und den schönen Orten ihrer italienischen Heimat.

Valentina Cebeni über ihren Roman:
»Der Roman ist eine Geschichte über die Macht von Zeit und Liebe – zwei ganz unterschiedliche Kräfte, die aber stark miteinander verbunden sind. Und es geht in diesem Buch um die Erinnerung, die in verschiedenen Dingen steckt: Ein Gegenstand stirbt nicht, er trägt die Erinnerungen der Menschen, die ihn besessen haben.«

Die geheimen Kräfte der Liebe.

Dafne möchte in ihrem Heimatort eine unglückliche Liebe vergessen und ein ganz neues Leben beginnen. Doch welches Geheimnis verbindet sie mit dem jungen Handwerker Milan?

Wer ist wer in Torralta?

Dafne wuchs im toskanischen Örtchen Torralta bei ihrer Großtante Clelia auf, zu der sie eine enge Verbindung hat. Sie hat Innenarchitektur studiert, arbeitet in Rom und liebt ihren verheirateten Chef Ettore. Doch als seine Frau ein Kind erwartet, entscheidet er sich, bei ihr zu bleiben. Dafne kehrt nach Torralta zurück, um ein neues Leben zu beginnen. Dafne ist klug, schön, verletzlich und ein Familienmensch. Sie hat ein besonderes Gespür für Menschen und die Dinge, die ihnen wichtig sind. Sie will daher die Werkstatt ihres Großvaters wiedereröffnen, um dort Möbel zu restaurieren, die einen emotionalen Wert für ihre Besitzer haben. Und sie möchte herausfinden, was es mit den Taschenuhren und der großen Liebe ihrer Urgroßmutter auf sich hat.
Als sie Milan begegnet, ist sie fasziniert, hat aber Angst, erneut verletzt zu werden. Er ist so zurückhaltend und verschlossen – meint er es ernst mit ihr?

Clelia – Dafnes Großtante – ist ein echter Herzensmensch, und ihr liegt Dafnes Wohl sehr am Herzen. Sie kümmert sich alleine um ihr Haus in Torralta, nachdem ihr Mann verstorben ist. Clelia ist pragmatisch, liebevoll und sehr bestimmt, kocht gerne und gibt gern Ratschläge. Sie möchte, dass Dafne die Vergangenheit hinter sich lässt und sich auf die Zukunft konzentriert. Sie sieht Dafnes Gabe, sich um andere Menschen zu kümmern, eher kritisch – in erster Linie geht es ihr dabei aber um Dafnes Wohl.

Milan kommt eher zufällig nach Torralta, um dort als Handwerker zu arbeiten. Aufgrund seiner dramatischen Vergangenheit ist er verschlossen und vorsichtig und kann nur schwer Gefühle zulassen. Er bewundert an Dafne, dass sie offen auf Menschen zugeht und das Gute in ihnen sieht. Doch Milan hat ein dunkles Geheimnis – und nur, wenn er sich Dafne endgültig öffnet, kann er seine Vergangenheit überwinden und mit Dafne eine gemeinsame Zukunft beginnen.

Endlich wieder zu Hause. Für immer?

Vier Steinstufen flankiert von Geranien und Hortensien, dahinter der Rosenbogen. Zu Hause. Innerlich aufgewühlt presste sie eine Hand aufs Herz und musste lächeln, als sie Babettes fröhliches Meckern hörte, die wie immer auf der Suche nach frischem Grün im Garten umherstreunte. Selbst die Ziege schien sich über ihre Heimkehr zu freuen. Das Haus, in dem sie aufgewachsen war, lag still im Morgennebel. Tausende von Wassertröpfchen, Reste des nächtlichen Taus, hingen an den Rebstöcken ringsum. Die Landschaft schlief an diesem Sonntagmorgen noch, genau wie die Menschen, die diese Felder bestellten. In den Ställen drängte sich das Vieh aneinander und erwartete ungeduldig einen neuen Tag draußen auf den Weiden. Selbst die Kirchenglocken schwiegen, als wollten sie die morgendliche Stille nicht stören. Dafne gab sich einen Ruck und ging auf das Haus zu, dessen Fenster jeden Gast freundlich einzuladen schienen, und läutete. Mit einem Mal fühlte sie sich sehr beklommen. Ihre Füße schienen auf der Türschwelle festzukleben. Von drinnen waren Schritte zu hören, und nach kurzer Zeit tauchte das verschlafene Gesicht ihrer weißhaarigen Großmutter auf. Clelia war außer Atem und sah aus, als hätte man sie mitten aus einem Traum gerissen. Sie setzte die Brille auf und stieß einen Überraschungsschrei aus. »Mein Schatz, was machst du denn hier? Um diese Uhrzeit?«, fragte sie schließlich und deutete auf die Uhr an Dafnes Handgelenk, die deren Großvater gehört hatte. Doch warum sie ohne jede Vorwarnung hier auftauchte, war eigentlich nebensächlich. Sie konnte die Freude über ihr Kommen in den grünblauen Augen ihrer Großmutter sehen, die jetzt wie zwei Edelsteine funkelten. Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung sank Dafne in ihre ausgebreiteten Arme. »Ich konnte nicht mehr bleiben«, flüsterte sie, das Gesicht gegen den Flanellmorgenmantel gepresst. Clelia schluckte sämtliche Vorwürfe hinunter und küsste ihrer Enkelin bloß stumm die Tränen von den Wangen. Sie wartete, bis Dafne etwas sagen konnte. »Ich komme nach Torralta zurück, für immer«, eröffnete Dafne ihr, als sie sich etwas beruhigt hatte. »Vorausgesetzt natürlich, du willst mich hier haben.« Clelia zog verwundert die Augenbrauen hoch. »Das ist dein Zuhause, du brauchst keine Erlaubnis, um zurückzukommen«, erwiderte sie leise und blickte durch die nach wie vor geöffnete Tür in den milchig weißen Himmel, zog den Morgenmantel fester um sich und streckte die vom Schlaf steifen Glieder. »Komm rein, ich mach uns Frühstück. Komm schon«, drängte sie, und zugleich erhellte ein strahlendes Lächeln ihr Gesicht. Sie wandte sich in Richtung Küche und winkte Dafne zu, ihr zu folgen. »Als ob ich’s geahnt hätte, habe ich Joghurtkuchen gebacken, so wie du ihn magst. Sogar mit diesen süßen, saftigen Rosinen … Wie heißen sie gleich?« »Zibibbo«, antwortete Dafne, die in das vertraute, heimelige Chaos des Hauses einzutauchen begann. »Genau, Zibibbo«, nickte Clelia. »Ich setze Kaffee auf und mach uns ein bisschen Milch warm. Du siehst gar nicht gut aus, bestimmt isst du nicht genug. Du bist ja nur noch Haut und Knochen!« Sie hielt inne, um ihrer Enkelin prüfend ins Gesicht zu sehen. Dafne lächelte. »Ich kann gar nicht glauben, dass ich wirklich wieder hier bin, murmelte sie.«

Ich setze die Zeit wieder in Gang, die zwei Liebenden gestohlen wurde.

Alle alten Dinge erzählen eine Geschichte.

Als sie die Kirchturmuhr schlagen hörte, beschloss sie, dass es an der Zeit war, sich an die Arbeit zu machen. Gerade wollte sie die Mansarde verlassen, da wurde ihr Blick plötzlich von einem silbernen Funkeln aus einem der Kartons angezogen, die Milan noch nicht ausgeräumt hatte. Neugierig trat sie näher und entdeckte eine silberne Taschenuhr, auf deren Deckel eine leicht verblasste stilisierte Rose eingraviert war. Als sie die Uhr in die Hand nahm, überkam sie ein überwältigendes Gefühl, und sie spürte sofort, dass diese Uhr Geschichten aus einer fremden Vergangenheit verbarg. Es war ein Phänomen, das sie jedes Mal erlebte, wenn sie ein altes Stück berührte – und es war beglückend und beängstigend zugleich. Diese Uhr aber war etwas ganz Besonderes, schien ihr bedeutsamer als andere Gegenstände, auf die sie mehr oder weniger zufällig stieß. Und sie war zweifellos ziemlich alt und vielleicht von Generation zu Generation weitergegeben worden. Sollte Clelia sie ruhig für verrückt erklären, das war ihr egal. Sie wusste, dass sie es nicht war. Ein solches Talent zu haben, war großartig. In den Gegenständen gab es so viele Details zu entdecken, schöne Geschichten und traurige. Nachdenklich betrachtete sie die Uhr. Merkwürdig, irgendwie kam sie ihr vertraut vor, ihre Geschichte schien ihr weitaus näher zu sein, als sie vermutet hatte. »Woher kommst du?«, flüsterte sie, während sie ihren Kopf nachdenklich auf ihr Knie stützte. Die Uhr in ihrer Hand wurde warm, doch das Klingeln des Windspiels aus Kupferblättern, das Milan für die Eingangstür geschmiedet hatte, riss sie aus ihrer Versunkenheit. »Dafne, bist du da?«, hörte sie Milan rufen. Rasch steckte sie die Uhr in die Tasche, stand auf und ging zur Treppe. »Hey, nach dir habe ich gerade gesucht«, rief sie ihm zu, die Wangen gerötet und ein nervöses Lächeln auf den Lippen. Ihr schneller Atem verriet, dass sie aufgeregt war, ihre Hände hatte sie in den Hosentaschen vergraben. »Alles in Ordnung?«, fragte er von unten. »Ja, alles bestens«, versicherte sie und grinste breit, doch Milan schien zu spüren, dass etwas nicht stimmte. »Du wirkst so anders als sonst«, meinte er und kam zu ihr herauf. Verzweifelt suchte Dafne nach einer Ausrede, nach irgendeinem Strohhalm, um das Thema zu wechseln. Aus irgendeinem Grund, den sie selbst nicht durchschaute, mochte sie ihm nicht zeigen, dass sie die Taschenuhr gefunden hatte. Erst einmal wollte sie mehr über die Geschichte der Uhr herausfinden. Also tat sie betont locker. »Das ist nur, weil ich endlich die Wahrheit über dich herausgefunden habe«, sagte sie, boxte spielerisch gegen seine Schulter und bemühte sich, ihre innere Aufregung zu verbergen. »Welche Wahrheit denn?«, erkundigte sich Milan argwöhnisch. Gerettet. Dafne war sichtlich erleichtert, dass ihr Ablenkungsmanöver funktioniert hatte. »Phantom der Oper in der Originalsprache. Das Buch ist mir aufgefallen, als ich nach oben gegangen bin. Ich wusste gar nicht, dass du eine romantische Ader hast.« »Aha.« »Keine Bange, dein kleines Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben«, fügte sie hinzu und wechselte das Thema. »Mal was anderes: Was hältst du davon, essen zu gehen? Ich hab einen Riesenhunger.« Milan ließ den Blick durch die Mansarde schweifen, sein kleines Reich, und blickte dann zu Dafne, die ihn mit diesen unergründlichen Augen ansah – ein Blick, der ihm durch und durch ging.

Erinnerungen erhalten, damit die Liebe nicht stirbt.

Jede Geschichte verdient, das man sich an sie erinnert.

Doch dann hörten sie eine Frauenstimme, und als sich Dafne und Milan umdrehten, stand Adelina Bianchini in der Werkstatttür. Sie hatte einen Eiswagen aus den Fünfzigerjahren dabei, ein Holzgestell mit zwei Rädern unter einem Edelstahlbehälter, in dem man früher im Sommer das Eis kühl gehalten hatte. »Darf ich?« »Natürlich, kommen Sie ruhig herein, Signora«, sagte Dafne und stand auf. »Und was ist das da?«, fragte sie und deutete auf den Wagen. »Wie kann ich Ihnen helfen?«
Adelina lächelte und fasste an die Goldkette mit dem Ehering ihres verstorbenen Mannes. »Ich möchte den alten Eiswagen meines seligen Rodolfo aufarbeiten lassen, obwohl er nicht mehr gut in Schuss ist – dennoch ist er für mich von unschätzbarem Wert. Meinen Sie, das könnten Sie schaffen?«, fragte sie und trat beiseite, damit Dafne das Stück näher in Augenschein nehmen konnte. »Er ist wirklich in keinem guten Zustand, aber es lässt sich bestimmt etwas draus machen«, versicherte sie, während sie um den Karren herumging. Dann schaute sie zu Adelina, deren Hände immer noch nervös mit der Kette spielten. »Würden Sie mir etwas über diesen Wagen erzählen und warum er so wichtig für Sie ist?«, fragte sie und lächelte Adelina an. »Das hat mit meiner Hochzeit zu tun.« »Inwiefern?« »Rodolfo und ich haben auf der Piazza gefeiert und ganz Torralta ein Eis spendiert. Von meinem ersten Gehalt als Lehrerin hatte ich mir ein Grammofon gekauft, und es spielte mein Lieblingslied, La vie en rose. Unser Lied«, verbesserte sie sich. »Wir haben uns 1968 kennengelernt, zu Beginn des neuen Schuljahrs. Ich war gerade aus Kampanien nach Torralta gekommen, um die Stelle als Musiklehrerin an der Grundschule anzutreten, meine Vorgängerin war in Pension gegangen. Als ich damals aus dem Bus stieg, rechnete ich damit, dass mich die Direktorin abholen würde. Stattdessen sah ich eine riesige Eistüte vor mir, Schokolade und Erdbeere, und einen lächelnden jungen Mann mit einem weißen Hütchen auf dem Kopf. Das war Rodolfo«, erzählte sie und knetete dabei ein Stofftaschentuch, das eindeutig ihrem Mann gehört hatte. »Er erklärte, meine blassrosa Strickjacke und mein schüchternes Lächeln würden gut zu Erdbeere passen und das Braun der Schokolade stehe für Intensität und Leidenschaft.« Versunken in ihre Erinnerung strich sie leicht mit der Hand über den Eiswagen, und ihr Blick war wieder der des jungen Mädchens, das viele Jahre zuvor existiert hatte. »Obwohl wir nicht viel Geld hatten, waren wir glücklich, versuchten, mit dem zu leben, was wir gerade besaßen. Unsere Leidenschaft war das Tanzen, oft schoben wir abends die Möbel im Wohnzimmer zur Seite, legten eine Schallplatte auf, tanzten im Dunkeln, Wange an Wange, barfuß. Und wir konnten so wunderbar gemeinsam lachen – selbst als wir erfuhren, dass wir keine Kinder bekommen konnten, gelang es uns, unseren Frieden zu finden, und wir liebten uns umso mehr. »Bestimmt wart ihr das schönste Paar in ganz Torralta«, sagte Dafne und nahm Adelinas Hand, spürte sofort Rodolfos Präsenz. Ihr kam eine Idee. Sie würde die Stahlbehälter von dem Karren entfernen und dort Platz für Adelinas Grammofon schaffen, gewissermaßen also eine symbolische Verbindung zwischen beiden Dingen herstellen, die Adelina und Rodolfo so geliebt hatten.

Die Liebe breitet sich aus, sie sucht und sie findet ihren Weg.

Welches Geheimnis verbindet Dafne und Milan?

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