Barrett: Das geheime Rezept für zweite Chancen | Leseprobe read’n’go

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Ein vergessenes Restaurant, ein altes Rezeptbuch und eine große Prise Liebe …

Essen war schon immer Lucys Rettung. Schon als Kind war der Apfelkuchen ihrer Großmutter für sie das Größte. Später hat sie sich in einen Koch verliebt, der sich leider als treulose Tomate entpuppte, und ihre Liebe fiel in sich zusammen wie ein schlechtes Soufflee. Als sie voller Liebeskummer durch die Straßen Sydneys streift, stößt sie auf ein leer stehendes Haus, das sie gleich magisch anzieht. Lucy ist sofort klar: Hier soll ihr eigenes Restaurant entstehen. Als sie dann noch das Rezeptbuch ihres Vorgängers findet, weiß sie, dass das Essen auch diesmal ihre Rettung sein wird und ihr sogar auf himmlische Weise den Weg zur großen Liebe zeigt.

Lucy trennt sich von ihrem Mann

Mit ihm war keine Harmonie zu finden ...

Ich weiß gar nicht genau, ...

… ob es da ein bestimmtes Essen gab, bei dem ich zur Gänze begriff, dass das mit Leith und mir vorbei war. Wobei …, doch, gab es. Es muss der in Folie gegrillte Snapper gewesen sein, mit einer Füllung aus Kaffirlimette, Ingwer und Zitronengras, den ich während unseres gemeinsamen Urlaubs in Seal Rocks zubereitet habe … Da hatten wir eigentlich wieder zueinander finden wollen, einen Neuanfang wagen. Und dann hat er eine Gräte als Zahnstocher benutzt. Leith missbraucht so ziemlich alles, jedes Ding, jeden Gegenstand, jedes Kleidungsstück, jede Speisekarte und alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, als Zahnstocher … weshalb er vermutlich auch so strahlend weiße, gesunde Zähne hat.

Lag es am Fisch oder an der gruseligen Erkenntnis, dass mich sein ganzes Essverhalten zutiefst anwiderte: wie er mit dem Kiefer klapperte, wie laut er schluckte, wie er sich mit der Gabel die Erbsen in den Mund schaufelte? An dem Tag ertappte ich mich jedenfalls dabei, wie ich mir vorstellte, meine Gabel zu nehmen, ihm schwungvoll die Erbsen über den Kopf zu streuen und ihm dann mit voller Wucht die Zinken in den Handrücken zu rammen. Nein, Zen war das nicht unbedingt, es war nicht nett, und es war nicht real, aber das berauschende Glücksgefühl bei dieser Vorstellung brachte mich zu der Erkenntnis, dass es für uns beide keinen Neuanfang geben würde.

Das und die Tatsache, dass er drei andere Frauen gevögelt hatte, zwei davon waren unsere Angestellten.

Aber der schlimmste und unverzeihlichste seiner unzähligen Fehler war, dass er nicht gerne sein Essen teilte. Wie hatte ich bloß jemanden heiraten können – einen Koch-Kollegen noch dazu – der nicht gerne sein Essen teilte? Für Leith ist es jedes Mal ein kleiner Wettkampf: Wer bestellt das bessere Gericht, die bessere Salatkombination, das bessere Getränk? Mit ihm war keine Harmonie zu finden, weder in einer Schüssel Pasta noch sonst wo.

Ein Restaurant für Lucy

Fortune. Glück. Oder Schicksal. Wie man’s nimmt.

Und hier entdecke ich es

Es liegt in einer der wenigen Seitenstraßen ohne Blick auf den safirblauen Hafen oder die früher so fledermausfreundlichen Gärten darunter. Und zwar in einer winzigen heruntergekommenen Sackgasse, in der die wenigsten Menschen gerne ihr Auto abstellen würden. Da an der Ecke steht es, klapprig, abgeliebt, freistehend, einstöckig – ein Haus, das irgendwann mal zartrosa gestrichen war. Aber über die Jahre ist die Farbe abgeblättert, und der graue Unterputz ist zum Vorschein gekommen. Es sieht aus wie eine ältliche Tante, der das Rouge von den Wangen bröckelt. Ich stelle den Lieferwagen ab, einst der ganze Stolz meines Großvaters, steige aus und schaue mich um. Tut mir leid, wenn ich wie ein Hippie klinge – glauben Sie mir, ich weiß nur zu gut, wie nervtötend die sein können –, aber das Haus wirkt einsam auf mich, und ich glaube fast, es seufzen zu hören, als ich die Hand auf die Tür lege. Ich spähe durch ein verdrecktes, mit Spanplatten vernageltes Fenster und erwarte fast, da drinnen ein paar Obdachlose zu sehen, die sich häuslich eingerichtet haben. Aber ich sehe nur einen dunklen, lange verlassenen Raum voller leerer Tische und Stühle … Ich fasse es nicht, das ist ein Restaurant! Die Wahrscheinlichkeit, dass eine arbeitslose, bald obdachlose, unter akutem Liebeskummer leidende Köchin ein altes verlassenes vergessenes Restaurant entdeckt, ist ungefähr genauso hoch wie die, dass eine Frau über dreißig in Sydney noch einen Ehemann abbekommt.

Angestrengt schaue ich hinein, kann aber nicht viel mehr sehen als die Tische und Stühle – allesamt aus den Siebzigern, wie es scheint –, die staubbedeckt herumstehen. Etliche Salz- und Pfefferstreuer stehen und liegen wahllos auf den Tischen verstreut, dazwischen hier und da eine kleine Vase für eine einzelne Blüte. Ich gehe um das Haus herum zur Rückseite, die ein Pissoir für Hunde, Penner und auf Abwege geratene Nachtschwärmer zu sein scheint. Auf dieser Seite des Gebäudes gibt es nur ein Fenster, und das ist so hoch, dass ich nicht reingucken kann. Also schnappe ich mir in Ermangelung einer Leiter einen Müllcontainer und schiebe ihn unter das Fenster. Ich bin zwar nicht gerade für Sportlichkeit und Gelenkigkeit bekannt, aber irgendwie schaffe ich es hinaufzuklettern, und mich dann wackelig aufzurichten und hineinzulinsen. Es ist ganz zweifellos ein Restaurant. Ein gigantischer Gasherd dominiert die Küche, und überall stehen Küchengeräte aus den Achtzigern herum wie eine stumme Erinnerung an die letzten Essen, die hier gekocht wurden. Arbeitsstationen, Speisenwärmer, Kühlschränke.

Mir klopft das Herz bis zum Hals vor Aufregung, da taucht plötzlich ein Obdachloser auf und blafft mich unvermittelt an, was mir einfällt, seine Mülltonne zu verrücken, und unterbricht sich dann abrupt, als er das Chili-Hotdog-Massaker auf meiner Bluse sieht. Er mustert mich nochmal kurz und fragt mich dann nach einer Zigarette. Ich habe aber bloß noch zwei Rippen eines Schokoriegels. Die reiche ich ihm runter. Er nimmt sie misstrauisch an sich.

Ich frage ihn nach dem Restaurant, aber er lacht bloß und gluckst und sagt mir, ich soll die Mülltonne wieder dahin zurückstellen, wo ich sie herhabe, und warnt mich dann, dass ich hier sehr schnell ein Knöllchen wegen Falschparkens kassieren könne. Brav steige ich ab, schiebe den Müllcontainer zurück an seinen Platz und steige in meinen Lieferwagen.

Dort fange ich sofort hektisch an, nach weiteren Informationen über das Haus zu suchen, bis ich mich zufällig selbst im Rückspiegel sehe. Ich sehe aus wie eine Wahnsinnige, mit verfilzten blonden Haaren und Tomatensoße im Gesicht.

Das Rezeptbuch

Ich blättere zur französischen Zwiebelsuppe ...

Dann sehe ich es.

Versteckt in einer Ausgabe Gourmet Traveller vom Dezember 1981 – ein schmales rotes Büchlein. Es ist randvoll mit Rezepten, geschrieben in einer klaren, unverwechselbaren Handschrift. Traumhafte, gewagte Rezepte, Kreationen mit Leidenschaft und Stil. Essen aus meiner Kindheit, Gerichte, bei denen ich mir glückliche Familien und distinguierte Paare am fein gedeckten Tisch vorstelle: Hummer Thermidor, Beef Wellington … Ich sterbe vor Hunger. Die meisten Rezepte sind mit gekritzelten Notizen und Anmerkungen versehen, sowie einer Reihe von Daten, womöglich, wann die Gerichte gekocht wurden. Ich blättere zur französischen Zwiebelsuppe und sehe dort nur ein Datum, meinen Geburtstag. Sprich, der Tag, an dem ich geboren wurde – 11. Juli 1980. Vielleicht war die Suppe nichts und wurde nie wieder gekocht? Aber es ist so ein liebevoll ausgearbeitetes Rezept: die Menge an Zwiebeln, wie sie angeschwitzt werden sollen, wie das Baguette aufgeschnitten und mit Gruyère überbacken wird. Am Rand steht nur ein einziges Wort: Vollkommene Perfektion.

Das Summen meines Telefons reißt mich aus den Tagträumen meines Käse-Utopia. Leith. Sein Bild wirft einen verzerrten Schatten an die Wand, und ich starre sein Gesicht auf dem Display entgeistert an. Ich gehe nicht ran, ich gehe nicht ran; o Gott, er ist anscheinend genauso einsam und verzweifelt wie ich. Ich bin kurz davor, das Gespräch anzunehmen, da schlägt unvermittelt eine Tür zu, und der Akku schmiert ab. Danke, liebes Universum. Jetzt muss ich nur noch im Stockdunkeln den Weg nach draußen finden.

Wo bitte ist mein Leben?

Der Zwiebelmann.

Klingen alle mutmaßlichen Mörder so?

Kennen Sie das Gefühl, ...

… wenn einem schlagartig aufgeht, dass man völlig neben sich steht und sich quasi selbst zusieht? Wahrscheinlich nicht, Sie sind vermutlich vollkommen zurechnungsfähig und mit Ihrer Jugendliebe verheiratet und wohnen in dem Haus, das Sie Ihren Großeltern abgekauft haben, gleich um die Ecke von Ihrem Elternhaus. Weihnachten planen Sie schon im Mai, und Sie haben die Telefonnummer von Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen und ihren fünf besten Freunden ausgedruckt an einer Pinnwand in der Küche gleich neben dem Telefon. Ich wäre gerne wie Sie, bin ich aber leider nicht, und deshalb gucke ich unauffällig hoch, um mich zu vergewissern, dass zu der Hand, die mir die Zwiebel gereicht hat, auch ein Arm gehört. Tatsächlich. Er ist haarig und eindeutig männlich. Der Arm steckt in einem Ärmel, der aussieht wie ein … Okay, da sitzt ein kaftantragender, ziemlich haariger, nicht unattraktiver Mann auf meiner Arbeitsplatte. Er riecht sehr angenehm, kann also nicht zum erweiterten Klan meines obdachlosen Freundes gehören. Er riecht genau wie das Restaurant – nach Sonntagsbraten und geballter Lebenskraft. Ich schlucke, und mir geht auf, dass es das letzte Mal sein wird, dass ich meine eigene Spucke schlucke, weil dieser haarige, angenehm duftende, ziemlich schnuckelige Psychokiller mich gleich umbringen wird. Mein Verstand speit unvermittelt eine Info aus, die ich mal gelesen habe: Man soll seinem Mörder direkt in die Augen schauen, weil es ihm dann schwerer fällt, sein teuflisches Werk zu vollenden. Also schaue ich dem bekaftanten Möchtegern-Mörder geradewegs ins Gesicht und sehe die schönsten geschwungenen Lippen, die man sich nur vorstellen kann, eine feine Nase, strahlende Augen; Augen, die aussehen wie zwei bodenlos tiefe moosgrüne Teiche, außerdem funkeln sie vor Übermut und Intelligenz – und schauen mich unverwandt und sehr neugierig an.

„Dann kannst du mich also sehen?“ Wieder diese herrliche Stimme. Klingen alle mutmaßlichen Mörder so?

„Ja …“

„Und hören kannst du mich auch … gut, gut.“ Seine Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, das einen geradezu hypnotischen Effekt hat und einen glauben lässt, das Universum sei einzig und allein für diesen Augenblick erschaffen worden. Was zum Kuckuck geht hier vor?

Ich niese.

„Gesundheit!“

Die Stimme kenne ich, und sie kommt von hinten. Ich drehe mich um, und da steht Leith. Gott sei Dank. Dann kann er sich gleich mit mir umbringen lassen. Oder vielleicht an meiner Stelle.

Ich drehe mich wieder um, und Zwiebelmann ist verschwunden. Moment. Zwiebelmann ist nicht mehr da? Ich habe also wirklich einen Sprung in der Schüssel.

Leckere Chili-Hotdogs zum Nachkochen

J.D. Barrett hat ihren Roman mit tollen Rezepten verfeinert

… wie zum Beispiel für diese himmlischen Chili-Hotdogs ! 

 

Zutaten

Für das Chili

2 Esslöffel Olivenöl, plus etwas mehr zum Einpinseln

500 Gramm Rinderhack

½ Teelöffel geräuchertes Paprikapulver

1 Speisezwiebel, fein gewürfelt

2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt

2 Esslöffel Tomatenmark

1 Teelöffel Worcestershiresauce

1 rote Bird’s Eye Chili, entkernt und fein gehackt oder 2 Teelöffel Chilipulver oder ½ Teelöffel Chiliflocken

400 Gramm-Dose gewürfelte Tomaten

Salz, nach Geschmack

 

Für die Hotdogs

6 heiße Frankfurter Würstchen

6 gewärmte Hotdog-Brötchen, halbiert

saure Sahne

geriebener Käse (ich bevorzuge einen würzigen)

 

Zubereitung

Für das Chili das Öl bei mittlerer Hitze in einem Topf erhitzen. Das Hackfleisch dazugeben und mit einem Kochlöffel so lange rühren, bis es geleichmäßig verteilt und leicht gebräunt und der Saft ausgetreten ist. Dann Paprikapulver, Zwiebeln und Knoblauch dazugeben und unter ständigem Rühren anbraten lassen, bis die Zwiebeln leicht gebräunt sind. Anschließend Tomatenmark, Worcestershiresauce und Chili dazugeben und umrühren. Zum Schluss die Tomaten hinzufügen, und alles auf kleiner Flamme köcheln lassen, dabei gelegentlich umrühren, ungefähr eine halbe Stunde, bis die Sauce eingedickt ist. Mit Salz abschmecken.

Eine Grillpfanne auf mittlerer Hitze vorheizen. Die Würstchen längs halbieren, dabei aber nicht ganz durchschneiden und die Schnittfläche mit etwas Öl bepinseln. Auf beiden Seiten anbraten, bis sie kross und heiß sind. Oder in einem Kochtopf für fünf Minuten in heißem Wasser erwärmen und dann abgießen.

Die Würstchen in die aufgeschnittenen Brötchen legen, dann Chili, saure Sahne und Käse darüber geben.

Oder man fährt einfach bei Sonnenuntergang mit einer Flasche Sekt und massenweise Servietten zu Harry’s Café de Wheels. Bestellen, auf die Hand bekommen – hinsetzen und genießen.

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