Lauren Price: Bad Boy Stole My Bra | Leseprobe read’n’go

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Er wohnt noch nicht mal einen Tag hier, und schon schmeißt er eine Party?!

Mit einem frustrierten Seufzen presse ich mir das Kissen übers Gesicht, um den Lärm zu dämpfen, kuschele mich ganz tief in mein weiches Bett und hoffe das Beste.
Zwanzig Minuten später bin ich immer noch hellwach. Sieht ganz so aus, als hätte ich eine lange Nacht vor mir.

Ein schwaches Geräusch weckt mich und entlockt mir ein leises Ächzen. Die Musik nebenan läuft immer noch! Kriegt man neuerdings nicht mal mehr seinen Schönheitsschlaf? Ich blinzle, bis ich klar sehe, stemme mich hoch auf einen Ellbogen und knipse die Nachttischlampe an. Licht durchflutet das Zimmer. Rasch lasse ich den Blick umherschweifen. Plötzlich bin ich wie  versteinert, und vor Verblüffung klappt mir die Kinnlade herunter.

Mit weit aufgerissenen Augen starre ich den Jungen an, der genauso baff zu sein scheint wie ich. Schockiert richtet er den Blick auf mich – und dann glotzen wir uns gefühlte Stunden gegenseitig an, ohne was zu sagen. Er ist schon halb durchs Fenster geklettert, die Hand nach dem gegenüberliegenden Fensterbrett ausgestreckt, als ich sehe, dass an seiner geballten Faust mein Micky-Maus-BH baumelt.

😲

Was zum Teufel soll das denn?!

Komm und hol ihn dir!

Mein erster Impuls ist es zu schreien.

Nur leider ist der Junge mir einen Schritt voraus. Bis ich wieder in der Realität gelandet bin, ist er bereits wie ein geölter Blitz am Fenster. Ohne einen Blick zurück klettert er trittsicher über das Fensterbrett. Eben noch war ich wie gelähmt, jetzt tobt bestimmt eine Mischung aus völliger Verwirrung und Wut in mir.

»Was zum Teufel tust du da?«

Ruckartig schlage ich die Decke zurück und schwinge mich aus dem Bett, um ihm hinterherzujagen. Er wirft mir einen letzten, unergründlichen Blick zu, ehe er den entscheidenden Sprung auf das gegenüberliegende Fensterbrett wagt. Und er landet so grazil darauf, dass jede Katze neidisch wäre. Eine Gänsehaut überzieht meine nackten Beine, so kalt ist die Luft von draußen. Als ich am Fenster stehe, verschränke ich die Arme vor der Brust. Im Zimmer gegenüber sehe ich eine Horde Jungs, die mich anstarren und verlegen kichern. Im schwachen Licht der Lampe sind sie kaum zu erkennen, aber ich weiß genau, wer sie sind.

Einer der Jungs kommt ans Fenster, und die frostige Luft lässt seine goldenen Locken hochwehen. Dylan Merrick. Er ist im selben Jahrgang wie ich, wobei ich noch nie ein Wort mit ihm gewechselt habe. Er ist einer von diesen Typen, die bei allen beliebt sind und die jeden kennen. Dylan wirft mir ein sanftes, aufmunterndes Lächeln zu, bei dem jedes Mädchen sofort schwach werden würde, auch ich, aber offenbar hat mein Zorn mich vorläufig immun dagegen gemacht. Ich reagiere nicht auf dieses engelsgleiche Grinsen.

»Du bist bestimmt völlig verwirrt.«

»Du bist bestimmt völlig verwirrt«, sagt er, weil ihm mein Gesichtsausdruck nicht entgangen ist.

»Was du nicht sagst, Sherlock«, fauche ich. »Würdest du mir bitte erklären, was ihr euch dabei gedacht habt?« Ich schäme mich in Grund und Boden, dass sie meinen alten, ausgewaschenen BH da drüben in diesem Zimmer in ihrer Gewalt haben.

Dylan zuckt kaum merklich zusammen. »War bloß eine blöde Wette. Wir dachten nicht, dass du aufwachen würdest.«

»Er hat meinen verdammten BH geklaut!«, heule ich auf und balle die Hände zu Fäusten. »Ihr dachtet wohl, ihr könnt einfach so mitten in der Nacht bei mir einsteigen und meinen Büstenhalter mitgehen lassen? Wegen einer bekloppten Wette? Wir kennen uns noch nicht mal!« Ich sehe, wie Dylan wieder zusammenzuckt, weil ich nämlich schreie wie eine Irre. Aber ich habe ja wohl jedes Recht, sauer zu sein, oder nicht?

»Sehr hübscher BH übrigens.« Joe Travis’ Kopf taucht neben Dylan auf, die Haare ganz zerzaust und ein durchtriebenes Blitzen in den blauen Augen. An der Lindale High ist er einer von den vorlauten Witzbolden, typisch Klassenclown halt. Seine Beliebtheit verdankt er vor allem den vielen Streichen, die er dem früheren Direktor der Schule gespielt hat – Juckpulver in der Unterwäsche, Sekundenkleber auf dem Stuhl, solche Sachen eben. Dem jetzigen Direx hat er noch keins ausgewischt, aber ich glaube, er wartet bloß auf den richtigen Moment, dann schlägt er zu. Dieser Typ ist an unserer Schule eine Legende!

Spitzbübisch grinst er mich nun an. »Ich finde Mädchen toll, die Disney mögen.«

»Alter«, stöhnt Dylan und wirft ihm einen fast schon gequälten Blick zu. »Halt die Klappe.«

Die Röte schießt mir ins Gesicht. Warum muss dieser Kerl auch ausgerechnet meinen verdammten Disney-BH klauen! Hätte er nicht ein schlichtes Exemplar mitgehen lassen können oder einen von den hübschen rosafarbenen in meiner Schublade? Also, wenn ich ein Wörtchen mitzureden hätte, wäre mein alter Disney-BH echt die allerletzte Notlösung, so bequem er auch ist.

Zu meiner Überraschung ist der größte Ärger bei mir mittlerweile verflogen. Jetzt ist mir die Sache bloß noch peinlich, und ein bisschen überfordert bin ich auch von der ganzen Situation.

Eine blöde Wette.

Und wie geht's weiter?

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