Andrew Forsthoefel: 4000 Meilen durch die USA – Meine Reise zu den großen Fragen des Lebens | Leseprobe read’n’go

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Ein Aufbruch ins Leben

Viel Wissen hatte er angehäuft nach seinem College-Abschluss, vom Leben selbst wusste er aber nichts. Um das zu ändern, begann Andrew Forsthoefel direkt hinter dem Haus seiner Mutter eine Wanderung, die ihn 4.000 Meilen durch die USA führte. Auf seinem Rucksack ein Schild: Walking to listen. So machte er sich auf den Weg zu den Menschen und ihren Geschichten, durch ein Amerika der Vielfalt – landschaftlich wie menschlich.

Andrew Forsthoefel

4000 Meilen durch die USA

Jede Begegnung zählt - lesen Sie selbst...

Woody Curry
Turteltäubchen

Woody Curry, Vietnam-Veteran und Psychotherapeut

»Wie, glauben Sie, fühlt es sich an, wenn man, nachdem man zweieinhalb Jahre lang sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, zurückkommt und alle sagen einem, dass es falsch war, was man getan hat?
Was meinen Sie, richtet das bei einem an, nach der ganzen Scheiße, die man erlebt hat? Wenn man als Heimkehrer von allen für einen gottverdammten Geistesgestörten oder Drogenabhängigen  oder so was Ähnliches gehalten wird?
Das hat mich verdammt noch mal ganz schön wütend gemacht. Hat mir glatt den Boden unter den Füßen weggezogen. Hatte nichts mehr, woran ich mich festhalten konnte. Die nächsten sechs, sieben Jahre verbrachte ich mit Unterbrechungen in Nervenkliniken, Entzugsanstalten, hinter Gittern oder obdachlos auf der Straße und versuchte die ganze Zeit herauszufinden, was Wirklichkeit war und was nicht.
Ich brauchte unbedingt etwas, woran ich glauben konnte, etwas, was ich kontrollieren konnte, zum Beweis, dass ich real war. Erst als ich all das loslassen konnte, hörte dieser ganze Mist auf. Und mir wurde allmählich wieder klar, dass ich der war, der ich mir zum Teufel einbildete zu sein.
Real ist, was ich erlebe und fühle, das ist real, meine Wahrnehmung von dem, was real ist. Aber wer ist dann derjenige, der alles wahrnimmt, hm? Tatsache ist, da ist nichts.«

»Was meinen Sie damit?«

»Ich bin einfach nur eine Aktivität. Es gibt nur eine einzige Sache. Und ich bin nur ein Teil davon und tue genau das, was diese Sache tut.«

»Diese Woody-Curry-Sache?«

»Ja, so nenne ich es, aber es ist nichts anders als das, was jeder tut. Ich habe einfach nur meinen eigenen Stil. Und das ist das Spaßige daran. Für mich ist das Universum mein Spielplatz. Die Welt ist für mich wie Disneyland, und das meine ich ernst. Ich setze mich in eins dieser Fahrgeschäfte und mache mir schier in die Hose dabei, dann steige ich aus und entspanne mich, setze mich verdammt noch mal in ein anderes, und genau darum geht es. Ich fahre durch das Universum. Aber die meisten Leute fühlen sich ohnmächtig, weil sie meinen, sie würden von der Außenwelt kontrolliert. Aber ich sage ihnen: ›Was kontrollieren sie? Deine Entscheidungen haben sie nicht unter Kontrolle. Das, was du für dich annimmst oder zurückweist. Du hast das Gefühl, dein Leben  hängt von den Launen einer größeren Macht ab, aber ich will wissen, welche Macht gibt es da draußen im Universum, die verdammt  noch mal größer ist als du, wo du doch selbst entscheiden kannst, was du annimmst oder ablehnst? Nun, das ist die  allerhöchste Macht.‹ Ich frage die Leute, wovor sie Angst haben, aber das wissen es nicht. Sie wissen nur, dass sie Angst haben.
Ich sage ihnen: ›Hab keine Angst, dieses Phänomen nennt man generalisierte Angststörung. Such dir irgendeinen Mist, woran du sie festmachen kannst.‹
Ihnen geht es jetzt genau so, wie ich mich in Ihrem Alter gefühlt  habe, dieses ›Ich muss das unbedingt wissen, muss wissen, warum und was das alles zu bedeuten hat.‹ Nun, es bedeutet, was immer zum Teufel Sie wollen, das es bedeutet. Wonach Sie suchen, ist nicht da draußen. Es ist in Ihnen. Es war schon  immer dort.
So, wie es in Genesis geschrieben steht: Gott hat den Himmel und die Erde erschaffen und alles, was darinnen  ist, und dann hat er den Menschen nach seinem Bild geschaffen. Wenn Sie sein Ebenbild sind, dann ist es doch logisch, dass Sie den Himmel und die Erde und alles was darin ist, erschaffen. Sie tun das. Also sind Sie der Schöpfer dieser Sache, die Sie die Welt nennen.
Wo ist das Problem? Sie wissen nicht, wer Sie sind, und darin besteht Ihre Suche. Sie werden es erfahren. Wenn Sie ankommen,  wo immer Sie auch hingehen, werden Sie es erkennen, genau so wie es mir ergangen ist. Sie werden herausfinden, dass  überall die gleiche Scheiße stattfindet.
Aber Sie werden dann wesentlich weiser sein.
Und ich glaube, Sie werden sehr viel  weniger Stress und Fragen haben, wenn Sie fertig damit sind.
Ja, Sie werden es wissen. Sie werden wissen, wer Sie sind, weil Sie genau nach dieser Antwort suchen. Diese Wanderung, zu der  Sie sich aufgemacht haben, ist einfach nur das Fahrgeschäft, das Sie ausgewählt haben für ihre Suche.«

Vincent und Frances Bosarge, zwei alte Turteltäubchen

»Nun, etwas Gutes hat es ja: Sie werden auf jeden Fall jede Menge Erinnerungen haben.«
»Oh ja, das stimmt.«
»Wir haben natürlich auch Erinnerungen, aber es sind so viele, dass wir einiges vergessen haben.«
»Du vergisst gar nichts.«
»Ich meine all das, was wir rings um dieses Haus hier alles gemacht haben, das meine ich. Wie wir in den Wald gegangen sind, um alte Flaschen zu sammeln. Einfach lustige Sachen, um die Zeit totzuschlagen.«
»Gab es auch Momente, die für Sie beide überwältigend waren?«
»Oh, ja. Viele sogar. Das hört nie auf. Jetzt zum Beispiel sind wir wieder an so einem Punkt. Lustig, dass Sie danach fragen, nicht wahr? Erst gestern habe ich zu ihm gesagt: ›Ich fühle mich wieder wie damals als junges Mädchen, als frisch gebackene Braut.‹ Das Leben ändert sich nämlich gar nicht so sehr. Einerseits schon. Aber andererseits auch nicht. Nicht wirklich. Es kommt immer auf den eigenen Blickwinkel an, nehme ich an, und der ist bei uns gleich: Wir lieben einander. Wir sind gern zusammen, und das macht einen großen Unterschied. Er ist so ein guter Ehemann. Er macht noch immer die gleichen Sachen wie damals, als er jung war. Er ist immer da. Und er ist gern bei mir, und ich gern bei ihm. Klar, man muss sich arrangieren, aber das ist es auf jeden Fall wert, stimmt’s?«
»Sicher.«
»Schauen Sie nur sich an. Wie weit Sie gekommen sind. Und ehe Sie sich versehen, sind Sie an Ihrem Ziel. Und alles, was Sie erlebt haben, scheint, als wäre es erst gestern gewesen. Wirklich. Freuen Sie sich darauf. Sie werden schon sehen. Weil Sie sich für alles interessieren, werden Sie auch viel erleben. Glauben Sie mir.«

Ohne zu lesen weiter

Begegnungen, die ein neues Bild der USA zeichnen.

Andrew Forsthoefel

Andrew Forsthoefel, geb. 1990, ist Autor, Radio-Produzent und Redner. Nach seinem College-Abschluss war er fast ein Jahr lang zu Fuß in den USA unterwegs. Für ihn war diese Reise das bisher größte Privileg und Geschenk in seinem Leben. Er leitet Workshops zu den Themen Gehen und Zuhören als Übungen für persönliche Veränderung, für einen neuen Zugang zu anderen Menschen, für Techniken zur Konfliktlösung. Andrew Forsthoefel lebt in Northampton, Massachusetts.

Auf seine Fragen nach dem, was wirklich wichtig ist im Leben, erhält Andrew Forsthoefel vielfältige Antworten – philosophische, pragmatische, humorvolle, nachdenklich stimmende. Dieses außergewöhnliche und farbenreiche Porträt erlaubt einen ganz neuen Blick auf die Vereinigten Staaten.

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»Jeder Moment, jede Begegnung zählt.«

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»... Forsthoefels Reise ist so faszinierend wie erschreckend, menschlich, herzerwärmend und weise ...«

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