Frank Behrendt: Die Winnetou-Strategie – Werde zum Häuptling deines Lebens | Leseprobe read’n’go

Schriftgröße anpassen

Scroll' los!

Was wir von den Helden unserer Kindheit lernen können.

Frank Behrendt ist seit seiner Jugend leidenschaftlicher Winnetou-Fan

Der »Guru der Gelassenheit« hat sich in vielen Lebenslagen von dem stolzen Apachen-Häuptling und anderen Figuren des Schriftstellers Karl May inspirieren lassen. Auch von anderen Persönlichkeiten im echten Leben hat Frank Behrendt viel gelernt. Ihre Haltung, Klugheit und Weisheit hat er übernommen und für seinen eigenen Weg erfolgreich adaptiert. Selbstbestimmt und selbst-entschieden zu leben, tatsächlich Häuptling des eigenen Lebens zu sein, war immer sein Ziel. In unterhaltsamen Geschichten erzählt Frank Behrendt an konkreten Beispielen, wie ihn die Helden seiner Kindheit nachhaltig beeinflusst haben. Eine Inspiration für jeden und ein flammender Appell an alle, Ausschau zu halten nach den Helden am Wegesrand – den fiktionalen und den realen.

 

Direkt kaufen oder mehr erfahren?

Jetzt
kaufen
17,99 €

Hier erfährst du noch mehr über das Buch.

Scroll einfach nach unten!

Karl May brachte mit Sam Hawkens den Spaß in den Wilden Westen. Das bedeutet viel mehr, als mal eben für ein paar Lacher zwischendurch zu sorgen. Denn wer Humor hat, sorgt dafür, dass Menschen zueinander finden. Und wer seiner Fröhlichkeit und humorvollen Gelassenheit freien Lauf lässt, besiegt den täglichen Ernst des Lebens.

Bei meinem ersten Agenturjob war ich oft mit Hans, einem sehr erfahrenen Berater, unterwegs. Seit vielen Jahren betreute er den größten Auftraggeber der Agentur, und ich war immer wieder beeindruckt, mit welcher Begeisterung er bei seinen regelmäßigen Besuchen in der Unternehmenszentrale des Kunden empfangen wurde. Alle freuten sich, wenn wieder mal ein Beratungstermin anstand. Das lag nicht nur an den kleinen Lindt-Schoko-Leckereien, die er den erfreuten Empfangsdamen übergab. Hans‘ große Beliebtheit hatte einen tieferen Grund. Beim Kundengespräch nahm er sich die Zeit für ein ausgiebiges
Warm-up, zuerst einmal wurde im Kreis des fünf- oder sechsköpfigen Kundenteams in aller Ruhe Kaffee getrunken. Die Kunden kannten das schon und warteten gespannt auf die neuesten Gerüchte und Neuigkeiten aus der Branche, die Hans immer mitbrachte.
Aber es wurde auch ausgiebig gelacht. Mein ausgefuchsterKollege mit den grauen Schläfen hatte zu jedem Termin ein paar lustige Geschichten parat, die von gemeinsam überstandenen Abenteuern erzählten. »Wissen Sie noch, als wir damals in Essen/Dortmund/Oberhausen …« fing er dann an, und sofort waren alle im gleichen
Film. Nur ich als Jungspund natürlich nicht. Aber ich lachte mit, denn die Dönekes waren wirklich lustig. Da war die Panne auf einer Messe, die Hans und das Kundenteam mit vereinten Kräften und knapper Not wieder ausbügeln konnten, bevor der Big Boss überhaupt merkte, dass fast der gesamte Messeauftritt in die Hose gegangen wäre. Oder die Nacht, in der sie einem Konkurrenten des Kunden einen großen Auftrag vor der Nase wegschnappten, weil sie unter lautem Absingen von »Zehn kleinen Jägermeistern« mit dem Entscheider des Deals Blutsbrüderschaft geschlossen hatten. All diese alten Geschichten riefen eine Atmosphäre hervor, die sich wie ein geflüstertes Geheimnis unter besten Freunden anfühlte.
Dann folgte der eigentliche Besuchsgrund, das offizielle Meeting zwischen Hans und dem Kundenteam. Es wurde zum Selbstläufer, denn alle Beteiligten waren auf  Betriebstemperatur, bestens aufeinander eingestimmt und alle Agenda Punkte wurden in Rekordgeschwindigkeit abgestimmt. Das musste auch so sein, denn das Kaffeekränzchen hatte ja ordentlich Zeit gekostet. Wenn doch noch eine Diskussion um einen Teilaspekt aufploppte und zu viel Zeit zu verschlingen drohte, sagte mein Kollege Hans: »Wir kommen später mit einer Lösung auf Sie zu, lasst uns weitermachen.«
Hans‘ Rechnung ging auf: Statt sich eine Stunde vor dem Whiteboard abzuquälen, gab es 30 Minuten lang Entspannung bei einem Stück Streuselkuchen und 30 Minuten konzentrierte Arbeit, die leicht von der Hand ging. Damit waren unterm Strich die beliebten Treffen  mit Hans sogar noch ergiebiger als die mit anderen Agenturvertretern, die nur die 60-Minuten-Diskussionen auf der Pfanne hatten. Der Kunde wusste das zu schätzen.
Ich habe von meinem versierten Kollegen und seinem Humor-Intro viel gelernt. Bei meinen eigenen langjährigen Kunden halte ich es heute noch genauso und erinnere gerne an gemeinsame Momente unserer Zusammenarbeit:

»Wissen Sie noch, als ich damals als Sankt Martin auf dem Pferd hereingeritten kam und der Gaul durchging?«

 

Frank Behrendt

Frank Behrendt, geb. 1963, ist seit gut 20 Jahren ausgewiesener PR- und Kommunikationsfachmann mit intensiven Kontakten zu Medien, Wirtschaft und Politik. Nach Stationen bei BILD, Dornier, Henkel, RTL Television und Universal Music war der Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München Deutschland-Chef bei KetchumPleon, bevor er 2011 als Vorstand zur fischerAppelt AG wechselte. Seit Februar 2017 ist er in der Serviceplan-Gruppe tätig. Im März 2017 wurde er von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) als „PR-Kopf des Jahres“ ausgezeichnet. Frank Behrendt lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Köln.

 

Blindes Vertrauen und voller Einsatz

Dass Blutsbrüder jede Menge private und berufliche Erfolge und vor allem auch ein Mehr an Lebensqualität einfahren, liegt nicht nur daran, dass sie sich kongenial ergänzen. Ein weiterer Faktor kommt noch hinzu: Blutsbrüder geben einander hundertprozentige Rückendeckung. Blind darauf vertrauen zu dürfen, dass Schwächen nicht ausgenutzt werden – was für ein Luxus! Denn ständig die Flanken bedeckt zu halten, erfordert einen enormen Kraftaufwand. Davon sind nicht nur diejenigen betroffen, die in einem Haifischbecken ihrem Beruf nachgehen. Auch im privaten Alltag kommen Konkurrenzdenken und Missgunst vor, doch einem Blutsbruder kannst du dich bedingungslos öffnen und darfst so sein, wie du wirklich bist.
Goethe sagte einmal über seinen Freund Schiller: »(…) oft hatte ich den Gedanken und Schiller machte die Verse, oft war das Umgekehrte der Fall, und oft machte Schiller den einen Vers und ich den anderen. Wie kann nun da von Mein und Dein die Rede sein!« Die beiden herausragenden Dichterfürsten ihrer Zeit spornten sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und rechneten sich ihre Erfolge nicht gegenseitig auf. Denn so ist das bei Blutsbrüdern: Sie führen nicht Buch und sind sich nichts schuldig. Ein »Ich hab dir damals aber mal …« verbietet sich von selbst. Man trägt zum Erfolg des Partners bei und hilft sich bei Bedarf gegenseitig aus der Patsche. Freundschaftsdienste unter Blutsbrüdern sind keine Opfer, sondern Selbstverständlichkeiten.

Ich habe das große Glück gehabt, mehrmals in meinem Leben die Erfahrung machen zu dürfen, dass echte Blutsbrüder für mich sogar persönliche Risiken eingingen. Einmal, das war noch am Anfang meiner Berufslaufbahn, war ich in einem Zweierteam für eine Promotion-Aktion verantwortlich. Ich war für die Kosten zuständig und hatte mich dramatisch verkalkuliert.
Mein Fehler. Der erwartete Profit für das Unternehmen blieb aus. Im Gegenteil, wir mussten sogar Geld nachschießen, um die Aktion überhaupt noch zu einem guten Ende bringen zu können. Mein fairer Business- Blutsbruder war sauer, ließ mich aber nicht im Stich. Wir entschlossen uns, den finanziellen Schaden gemeinsam wieder auszubügeln. Die Company war inhabergeführt, und die Gesellschafter interessierte nur das, was am Ende des Jahres rauskam. Wir hatten also noch ein paar Monate Zeit, um das Loch in der Kasse wieder aufzufüllen. Gemeinsam kämpften wir wie die Verrückten, gingen in jeden Pitch. Mit unserem unbändigen Einsatzwillen schafften wir das schier Unmögliche. Bis zum Ende des Jahres erzielten wir sogar ein deutlich besseres Ergebnis als die Planung vorgesehen hatte – trotz des von mir angerichteten Debakels.
Normal wäre es leider gewesen, wenn der Kollege sofort nach Bekanntwerden meines Fehlers alles darangesetzt hätte, um nicht mit in den Misserfolg gezogen zu werden. Doch statt sich von mir zu distanzieren und mich beim Chef zu verpetzen, setzte er alles daran, gemeinsam mit mir die Sache aus der Welt zu schaffen. Damit nahm mein Kollege in Kauf, dass seine Karriere mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls einen Knick machen würde. Die Erfahrung, dass wir am Ende gemeinsam als Sieger dastanden, war tausendmal mehr wert als der Bonus, den wir am Ende des Jahres dann doch noch bekamen.

 

Winnetou als Inspiration für ein selbstbestimmtes Leben

Eine amüsante und selbstironische Anleitung vom begeisterten Winnetou-Fan und PR-Profi

Jetzt
kaufen
17,99 €

»Inspirierend, nicht nur für Karl May-Fans.«

myself, November 2017 (06.10.2017)