B.C. Schiller: Targa – Der Moment bevor du stirbst | Leseprobe read’n’go

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Die Thriller-­Experten B.C. Schiller

B.C. Schiller sind Barbara und Christian Schiller, die zu den erfolgreichsten Selfpublishing‐Autoren im deutschsprachigen Raum gehören. Ihre Thriller – darunter mehrere Nr.1‐E‐Book‐Bestseller – haben sich bereits mehr als eine Million Mal verkauft und viele Hunderttausend Leser begeistert. Bevor Barbara und Christian Schiller sich ganz dem Schreiben widmeten, betrieben sie gemeinsam eine Werbeagentur. Sie leben auf
Mallorca und in Wien.

Niemand kommt dem Bösen so nah wie sie.

Targa Hendricks hat keine Freunde, keine Liebe, nichts zu verlieren. Doch vor allem hat sie keine Angst – und genau das macht sie so verdammt gut in ihrem Job. Als Undercover‐Ermittlerin einer Sondereinheit des BKA ist es ihre Aufgabe, Serienkiller auf frischer Tat zu überführen. In diesem Fall gibt es dazu nur einen Weg: Targa muss einen Mörder glauben lassen, sie sei wie er.

Hochschuldozent Falk Sandman ist charismatisch und clever und besessen von den letzten Worten Sterbender. Als er eine junge Frau trifft, die sich für seine dunkle Seite interessiert, ist Sandman fasziniert von ihrem gefühllosen Verhalten. Kann er ihr vertrauen und mit ihr gemeinsam den nächsten Schritt ins Böse wagen?

Ein tödliches Spiel beginnt. Wer wird gewinnen?

 

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Ich muss mich auf ihn einlassen. Nur so kann ich begreifen, wie man so abgrundtief böse und gleichzeitig so anziehend sein kann.

Kannst Du auf die Seite des Bösen wechseln?

Wenn Targa in ihrem Bus ist, fühlt sie sich sicher. Dort kann sie in Ruhe über die nächsten Schritte nachdenken und ihre Gedanken sortieren. Die Besprechung hat lange gedauert, und erst bei Einbruch der Dunkelheit sind sie und Hund wieder in Lundts Auto gestiegen. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit steigt Lundt auch aus, als sie vor dem VW‐Bus halten. Unschlüssig geht er auf und ab, als hätte er noch etwas auf dem Herzen.
»Diesmal ist es sehr gefährlich für dich«, sagt er.
Diesmal kannst du mich nicht beschützen, so wie du auch deine Tochter nicht beschützen konntest, denkt Targa. Fast hat sie den Eindruck, als würde Lundt sie gerne umarmen, doch dann zieht er nur an seiner Zigarette.
»Ich mache mich mal auf den Weg«, sagt er und schnippt seine Kippe weg.
Ständig testet er ihre Reaktion. Ob sie auch fit genug für den Job ist, ob sie sich unter Kontrolle hat. Deshalb hebt Targa die Kippe nicht auf, um sie mit der vom Nachmittag an der Tischkante auszurichten. Lundt macht einige zögernde Schritte zu seinem Wagen, dreht sich dann aber noch einmal zu ihr um.
»Du weißt, dass du dem Mörder diesmal sehr nahekommen wirst. Du wirst in seine Gedankenwelt schlüpfen. Nicht aus sicherer Entfernung, sondern aus kurzer Distanz. Es wird eine hautnahe Erfahrung sein.«
»Hautnah«, wiederholt sie, denn der Klang des Wortes wirkt auf sie beinahe magisch. Hautnah, das hat etwas mit Emotionen zu tun. Die anderen haben Emotionen. Lundt beispielsweise. Im Augenblick wirkt er nervös.
»Bei unseren früheren Fällen hast du dich undercover auf die Jagd nach den Verbrechern begeben. Du hast sie aufgespürt und aus dem Verkehr gezogen. Aber es wurde immer eine Distanz zwischen deinem Leben und deinem Job gewahrt. Doch diesmal ist es anders. Du musst auf die andere Seite wechseln. Du wirst mit unserem Verdächtigen gemeinsam das nächste potenzielle Opfer aufspüren und es mit ihm in Angst und Schrecken versetzen. Vielleicht musst du sogar noch weiter gehen. Du wirst auf den entscheidenden Augenblick warten, um ihn mit handfesten Beweisen zu überführen.«
»Warum redest du so viel?«, fragt sie. »Hast du Zweifel an mir?«
»O Gott, nein.« Lundt hebt abwehrend die Hände.
»Ich mache mir bloß Sorgen um dich. Machst du dir keine?« »Ich mache mir nur Sorgen um Hund.«
»Und was ist mit dir?«, fragt Lundt.
»Was soll mit mir sein? Ich habe als Baby eine kalte Winternacht überlebt. Jetzt habe ich eine einfachere Aufgabe zu lösen. Ich bin gut in meinem Job.«
»Du bist die Beste. Also pass auf dich auf. Ich will dich nicht verlieren.« Lundt sieht an ihr vorbei in den VW‐Bus.
Targa weiß, dass sie ihn jetzt hereinbitten müsste. Soll sie ihn auffordern, noch einen Kaffee mit ihr zu trinken, und dabei gemeinsam das Dossier Schritt für Schritt durchgehen? Aber sie hebt nur die Hand zum Abschied. »Es ist schon spät.«
»Natürlich. Ich bin dann mal weg.« Lundt klingt enttäuscht. »Du hältst dich an die Spielregeln«, schärft er ihr noch ein. »Wir hören uns morgen.«
»Aber sicher doch.«
Natürlich wird sie sich an die Spielregeln halten. Aber es ist nicht gesagt, welche Spielregeln das sind. Sind es Lundts oder ihre eigenen?

Der Moment, bevor Du stirbst.

Sprich Deine letzten Worte.

Er geht zu der massiven, metallischen Kapsel, die in der Mitte des Raumes steht. In Gedanken bezeichnet er die Dekompressionskammer fast schon liebevoll als Sarkophag, denn das trifft ihre Funktion ohnehin viel besser. Oben kann man durch ein Bullauge in ihr Inneres blicken. Das Mädchen hat blaue Augen. Als er hineinblickt, starren ihn diese Augen panisch an. Blicke, die wie Stimmen um Hilfe schreien. Sandman dreht langsam an dem Hebel und drosselt die Luftzufuhr, erhöht den Innendruck. Genau so fühlt es sich an, wenn man als Freitaucher an einem Seil in die Tiefe hinabgleitet. Sofort kann man die Ruhe und Stille spüren, die vom Meeresgrund nach oben steigt. Dann ist man bereit, den eigenen Körper zu verlassen. Man fühlt sich leicht, kann schwerelos durch Raum und Zeit wandern.
»Willst du mir etwas sagen?«, fragt er das Mädchen, das durch eine Gegensprechanlage mit ihm verbunden ist. Es heißt Mira und ist eine Notlösung, denn ihre Lungenfunktion ist durch das Rauchen beeinträchtigt.
»Bitte lass mich frei.«
Noch eine Enttäuschung. Es ist nur eine Plattitüde, die Mira absondert. Er drosselt die Luftzufuhr weiter. Sie beginnt zu zucken und den Kopf unkontrolliert hin und her zu schlagen. Zum Glück ist der Sarkophag gepolstert, so kann sie sich nicht verletzen.
Er denkt an den Rausch, der einen beim Freitauchen befällt, wenn die Luft knapp wird. Das Gehirn setzt unglaubliche Endorphine frei, und man fühlt sich unendlich glücklich. Wie es Mira wohl in diesem Moment geht?
Inzwischen wird ihr ganzer Körper von Krämpfen geschüttelt. Das Kohlendioxid in ihrem Blut ist extrem angestiegen, und die Erstickungsangst setzt ein. Die feinen roten Äderchen in ihren Augen platzen, ein rötlicher Schleier legt sich über die Iris.
»Spürst du Schmerzen, meine Liebe? Rede mit mir.«
Doch alles, was er hört, ist ein Röcheln, dem eine plötzliche Stille folgt. Jetzt ist Mira in der Apnoephase angelangt. Für ein bis zwei Minuten stellt sich die Atmung komplett ein. Er zählt die Sekunden.
Dann beginnt das Mädchen hektisch nach Luft zu schnappen. Bald würde sie hirntot sein. Deshalb lässt er wieder mehr Sauerstoff in die Kapsel. Er braucht sie bei Verstand. Miras Lider flattern bereits, und sie hat das Kinn wie in einem Krampf gegen die Scheibe gepresst. Noch einmal schöpft sie Hoffnung. Es ist eine trügerische Hoffnung, die ihr Sandman gibt. Er ist der Herrscher über Leben und Tod.
»Sag etwas Intelligentes, dann darfst du wieder atmen«, flüstert er in die Gegensprechanlage. Mira reißt die Augen weit auf. Sie sind von blutigen Schlieren durchzogen. Wahrscheinlich würde sie nie wieder klar sehen können. Vielleicht sogar blind sein. Doch das wäre das geringste Übel. Jetzt öffnet sie den Mund und formt lautlose Worte.
»Du musst lauter sprechen, meine Kleine.« Sandman geht in die Knie und legt sein Ohr an die Gegensprechanlage. Miras Todesangst dringt knisternd durch den Lautsprecher. Sandman schließt die Augen, spürt die Erregung in seinem Körper hochsteigen. Gleich ist es so weit. Mit vor Lust zitternden Fingern aktiviert er die Aufnahmefunktion.
»Das Leben ist ein großartiger Verlierer«, hört er ihre röchelnde Stimme durch den Lautsprecher. Ein schöner Satz aus einem kraftlosen Mund. Gleich wird dieser Satz in ein MP3‐File verwandelt und in seinem Player landen. Er wird es seinen Abonnenten als Gratis‐Download anbieten. Dazu wird er eine Geschichte erfinden, die allen Lesern seines Blogs vor Entsetzen die Tränen in die Augen treibt.

Ich will gemeinsam mit dir töten. Erst dann werden wir uns lieben.

Bist Du bereit, die Grenze zu überschreiten?

Immer und immer wieder spielt er das Video ab. Genießt jeden Augenblick. Wie sie zittert. Wie sie bettelt. Wie sie gegen das Unvermeidliche ankämpft.
Als das Videofile zu Ende und Ada tot ist, fällt Sandmans Erregung in sich zusammen. Er seufzt laut auf. Plötzlich hört er ein Geräusch hinter sich.
»Was war das für eine Stimme?«
Es ist Targa. Er dreht sich langsam um. Wie lange steht sie schon hinter ihm? Hat sie das ganze Video gesehen?
»Es war ein Video, das man mir für den Blog geschickt hat«, weicht Sandman aus und bemüht sich, ruhig zu sprechen. »Seit wann bist du hier?«
»Kann ich es auch sehen?«, erwidert Targa interessiert, ohne auf seine Frage zu antworten.
»Jetzt nicht«, antwortet Sandman knapp und dreht sich wieder zu seinem Computer.
»Schade. Es hat mich an gestern Abend erinnert. Das Gefühl von Leidenschaft und Macht. Ich habe eine Grenze überschritten, und nun will ich es auskosten.«
»Dann bist du bereit.«
»Wofür?«
»Um mit mir gemeinsam zu töten.« Sanft fasst Sandman Targas Schultern. Sie schweigt einen Moment, dann blickt sie ihm fest in die Augen. »Hast du die Mädchen getötet, die man auf der Spree gefunden hat?«
»Was glaubst du?«
»Ich glaube, du warst es.«
Sandman antwortet nicht, sondern steht auf. Soll er Targa von den vielen Mädchen erzählen? Von den schwarzen Holzbooten, die ihn in seine Träume verfolgen?
»Sag es mir, bitte. Ich brauche eine Antwort«, unterbricht Targa seinen Gedankenfluss.
»Wenn du es glauben willst, dann habe ich sie getötet«, sagt er. Sein Gesicht ist nun dicht vor ihrem.

»Ich atme das Böse in mich ein.«

Bist Du wie ich?

»Dieser Champagner ist etwas Besonderes. So wie du.« Sandman hält das Glas in die Höhe. »Er wird nur bei Vollmond abgefüllt.«
»Na gut«, willigt sie ein. Sie darf ihr Ziel nicht aus dem Blick verlieren. Targa trinkt ihr Glas in einem Zug leer.
Sandman nimmt es ihr aus der Hand und stellt es auf einen Tisch. Er beugt sich zu ihr. Küsst sie sanft auf den Mund. Sein heißer Atem weckt bei ihr die Assoziation von Lava. Er will ihr Eis zum Schmelzen bringen. Aber noch ist sie innerlich gefroren. Sie erwidert seinen Kuss nicht.
»Ich nehme noch ein Glas«, sagt sie und schiebt seine Hände weg.
»Gerne.«
Sandman holt die Flasche aus dem Eiskübel und füllt Targas Glas erneut. Der Champagner zischt und sprudelt. Wieder trinkt Targa das Glas in einem Zug leer. Mit den Fingerspitzen streicht Sandman zärtlich über ihre Arme. Schiebt die Träger des weiten schwarzen Tops von ihren Schultern. Wie ein Schatten fällt es zu Boden.
Halbnackt steht sie vor ihm. Trägt nur ihre verwaschenen Jeans. Doch sie weicht nicht zurück. Sieht ihn herausfordernd an.
»Wenn du mit mir schlafen willst, dann sag es einfach.«
Sandman lächelt nur. Mit einer Hand umfasst er ihren Hals. Zieht sie zu sich heran. Sie spürt ihre Schlagader unter seinen Fingern pulsieren. Langsam schiebt er sie zurück zu dem breiten Sofa. Drückt sie auf ein Kissen. Sie wehrt sich nicht. Der Champagner zeigt langsam Wirkung. Doch noch immer sieht sie Sandman in die Augen. Es ist ein Kräftemessen, das sie gewinnen muss.
»Was willst du?«, flüstert er.
»Zieh dich aus.« Jetzt bestimmt sie das Gesetz des Handelns. Sie zieht Sandman an den Haaren zu sich herunter. Küsst ihn lange und intensiv. »Ich werde deine Gefühle wecken«, flüstert er in ihr Ohr. Sie dreht den Kopf zur Seite. »Das schaffst du nie.«
»Oh doch. Glaube mir.«
Targa drückt ihn von sich weg, richtet sich auf und setzt sich dann rittlings auf ihn. »Was wolltest du mit mir bereden?«, fragt sie. Sie will nicht über ihre Emotionen sprechen. Auch nicht daran denken. Es gibt eine Grenze in ihrem Inneren. Einen Wall aus Eis, den niemals ein Mann einnehmen wird.
»Hat das nicht Zeit bis später?«
»Nein, sag es mir.« Mit den Händen streicht sie über seine muskulöse Brust. Greift dann nach der Champagnerflasche. Trinkt.
»In ein paar Tagen ist es so weit.« Er blickt ihr tief in die Augen, seine Lippen nur wenige Millimeter von ihren entfernt. »Dann wirst du auf die Probe gestellt. Dann werden wir herausfinden, ob du so bist wie ich.«

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