Veronica Roth: Rat der Neun – Gezeichnet | Leseprobe read’n’go

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Gestatten, Schöpferin neuer Welten!

Veronica Roth ist die #1-Bestseller-Autorin von „Die Bestimmung“. „Rat der Neun – Gezeichnet“ ist der erste Band ihres spektakulären neuen Fantasy-Zweiteilers bei cbt.

Eine spektakuläre neue Fantasy-Reihe!

In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Lebensgabe.

Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek. Ihre Lebensgabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in Ryzeks Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt.

Akos würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg …

Eine Galaxie voller Gefahren

Akos & Cyra müssen sich entscheiden: Wollen sie sich helfen oder zerstören?

Zwei mit großen Gaben gesegnete Familien.

Er sah mich mit seinen grauen Augen an. Akos Kereseth, drittes Kind der Familie Kereseth, inzwischen fast ein erwachsener Mann.

Der Schmerz, der sich in mir aufgebaut hatte, schwappte über mich hinweg. Ich presste die Hände an den Kopf und erstickte einen Aufschrei. Durch den Nebel von Tränen konnte ich meinen Bruder nicht richtig sehen, obwohl ich versuchte, mich auf sein Gesicht zu konzentrieren, das bleich wie das einer Leiche war.

In Shotet und Thuvhe kursierten viele Gerüchte über mich und Ryzek gab ihnen immer wieder neue Nahrung. Vermutlich hatten sich diese Gerüchte längst in der ganzen Galaxie ausgebreitet, denn alle liebten es, sich über die gesegneten Familien das Maul zu zerreißen. Sie erzählten von den Qualen, die zwei Hände bringen konnten, von einem Arm, der vom Handgelenk bis zur Schulter und wieder zurück voller Tötungsmale war, und von einem verwirrten Geist am Rande des Wahnsinns. Ich wurde gleichzeitig gefürchtet und verabscheut. Aber diese Version meiner selbst – dieses wimmernde Häuflein Elend – kam in den Gerüchten nicht vor.

Dass ich Schmerzen habe, heißt nicht, dass ich schwach bin.

Ich versuchte, meinen Ärger zu unterdrücken, damit Ryzek ihn nicht in meiner Stimme hörte. »Warum hast du ihn hergebracht?«

»Lass uns das nicht unnötig in die Länge ziehen«, antwortete Ryzek und befahl Akos vorzutreten. Sie kamen beide näher. Akos hielt seinen rechten Arm an die Seite gepresst, als wolle er so viel Abstand wie möglich zwischen sich und meinen Bruder bringen, ohne aufsässig zu wirken.

»Cyra, das ist Akos Kereseth. Drittes Kind der Familie Kereseth. Unser …«, Ryzek feixte, »… treuer Diener.«

Er meinte natürlich Akos’ Schicksal, nach dem er für unsere Familie sterben würde. In unseren Diensten zu sterben, wie der Hohe Rat vor zwei Zeitläufen über den Nachrichtensender verkündet hatte. Bei der Erinnerung daran verzerrte Akos den Mund.

»Akos hat eine außergewöhnliche Lebensgabe, die dich interessieren wird«, sagte Ryzek.

Er nickte Akos zu, woraufhin dieser sich neben mich kniete und die Hand mit nach oben gedrehter Handfläche ausstreckte.

Ich starrte die Hand an. Ich wusste zuerst nicht, was er damit meinte. Wollte er, dass ich ihm wehtat? Wieso?

»Vertrau mir«, sagte Ryzek. »Es wird dir gefallen.«

Ich griff nach Akos’ Hand und die Dunkelheit breitete sich wie verschüttete Tinte unter meiner Haut aus. Ich berührte ihn und wartete auf seinen Aufschrei.

Plötzlich zogen sich die Stromschatten zurück und verschwanden. Und mit ihnen verschwand auch der Schmerz.

»Wie machst du das?«, fragte ich ihn.

»Ich unterbreche den Strom. Ganz egal, wo und wie er fließt.«

»Die Gabe meiner Schwester ist sehr machtvoll, Kereseth«, meldete Ryzek sich zu Wort. »Aber in letzter Zeit hat sie ihren Nutzen fast gänzlich verloren, weil sie Cyra zu sehr lähmt. Ich finde, auf diese Weise kannst du dein Schicksal am besten erfüllen.« Er beugte sich vor und raunte in Akos’ Ohr: »Vergiss jedoch nie, wer in diesem Haus das Sagen hat.«

 

Wie viel Schmerz kann eine Liebe ertragen?

Ryzek drehte die Kerben am Griff der Stange und der Strom verdichtete sich. Er wurde dunkler. Keine tödliche Waffe, bemerkte Akos, sondern eine, die dazu geschaffen war, Schmerz zu verursachen.

Cyras Stromschatten flackerten und flatterten wie Flammen in einem Luftzug. Ryzek lachte.

»Es ist fast ein wenig ungehörig«, sagte er und legte seine Hand fest auf Akos’ Schulter. Akos widerstand dem Drang, ihn abzuschütteln. Es würde die Dinge nur verschlimmern. Ihm dämmerte jetzt, dass der Stab für ihn bestimmt war. Vielleicht war das der Grund, warum man ihn hergebracht hatte – um Cyra dazu zu bringen, wieder zu kooperieren. Um zu Ryzeks neuem Werkzeug zu werden.

»Vielleicht willst du ja schon aufgeben«, sagte Ryzek leise zu ihm. »Und dich beugen.«

»Leck mich«, erwiderte Akos auf Thuvhesisch.

Ryzeks Antwort kam prompt. Er schlug Akos mit der Stange auf den Rücken. Schmerz kreischte durch seine Glieder. Säure. Feuer. Akos schrie den Schmerz zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus.

Bleib auf den Füßen, dachte er. Bleib …

Ryzek schlug erneut zu, diesmal auf die rechte Seite, und Akos brüllte laut auf. Cyra fing an zu schluchzen, aber Akos sah nicht sie an, sondern Eijeh, der unbeteiligt aus dem Fenster schaute. So als wüsste er nicht, was vor sich ging.

Ryzek schlug ein drittes Mal zu. Akos’ Beine knickten ein, aber diesmal gab er keinen Laut von sich. Schweißperlen rannen über seinen Nacken, um ihn herum schien alles ins Schwanken zu geraten.

Diesmal war Eijeh zusammengezuckt.

Ein weiterer Schlag. Akos fiel auf die Hände. Er und Cyra stöhnten gleichzeitig auf.

»Ich will wissen, was sie über die Exilkolonie weiß«, sagte Ryzek atemlos zu Cyra. »Vor der morgigen Hinrichtung.«

Cyra wand sich aus Vas’ Griff und ging zu Zosita, deren Handgelenke immer noch an den Stuhl gebunden waren.

Zosita nickte Cyra zu, wie um ihr die Erlaubnis zu geben.

Cyra legte Zosita die Hände an die Schläfen. Akos sah verschwommen die dunklen Netze auf Cyras Handrücken und Zositas verzerrtes Gesicht und Ryzeks befriedigtes Lächeln.

Dunkelheit machte sich am Rand seines Gesichtsfelds breit, während er versuchte, durch den Schmerz zu atmen.

Zosita schrie. Cyra schrie. Ihre Stimmen verschmolzen miteinander.

Dann verlor er das Bewusstsein.

Als er erwachte, war Cyra an seiner Seite.

»Cyra«, stieß er heiser hervor, während sie sich abmühte, mit zitternden Händen das Glasfläschchen mit dem Schmerzmittel zu öffnen.

»Du wirst nie wieder sicher sein. Das weißt du, oder? Keiner von uns wird sicher sein.« Sie bekam den Stöpsel heraus und hielt das Fläschchen an Akos’ Mund, obwohl er es leicht hätte selbst halten können. Er wies sie nicht darauf hin, sondern öffnete nur die Lippen, um zu schlucken.

»Ich war niemals sicher. Du warst niemals sicher.« Er verstand nicht, warum sie so erschüttert war. Dass Ryzek schreckliche Dinge tat, war ja nichts Neues. »Ich verstehe nicht, warum er so demonstrativ mich benutzt hat …«

»Du«, flüsterte sie, »bist der Einzige, mit dem er mich erpressen konnte.«

Sie berührte sein Kinn, damit es aufhörte zu zittern, und küsste ihn. Ihr Mund war warm und feucht von Tränen. Ihre Zähne streiften seine Unterlippe, als sie sich wieder zurückzog.

Akos atmete nicht. Er war sich nicht sicher, ob er überhaupt noch wusste, wie das ging.

»Keine Sorge«, murmelte sie. »Ich werde das nicht wieder tun.«

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Von der #1 Bestseller-Autorin von »Die Bestimmung«.

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Wer sind die Kereseth?

Kereseth heißt eine der drei schicksalsgesegneten Familien des Nationenplaneten Thuvhe, die ihr Zuhause in Hessa hat.

 

Was ist die Lebensgabe?

Eine Gabe des sogenannten Stroms, der durch den Körper eines Menschen fließt; der Begriff bezeichnet eine einzigartige Fähigkeit, die sich im Lauf der Pubertät entwickelt und sehr zwiespältig sein kann.

 

Was ist der Strom?

Der Strom ist ein Naturphänomen und zum Teil auch religiöses Symbol. Er ist eine unsichtbare Kraft, die den Menschen einzigartige Fähigkeiten verleiht und in Schiffe, Maschinen und Waffen geleitet werden kann.

 

Was ist der Stromfluss?

Der Stromfluss ist die sichtbare Manifestation des Stroms am Himmel. Er wechselt immer wieder die Farbe und verbindet und umfließt alle Planeten des Sonnensystems.

 

Was ist Thuvhe?

Thuvhe ist der vom Rat der Neun offiziell anerkannte Name für ein Volk und einen Planeten, auch bekannt als „Eisplanet“. Dieser wird von den Thuvhesi und den Shotet bewohnt.

 

Was ist Voa?

Voa ist die Hauptstadt von Shotet, in der auch die meisten Shotet wohnen.

 

Helden

Cyra Noavek

Aus dem Volk der Shotet und Schwester von Ryzek, dem Tyrannen.
Lebensgabe: Schmerz, den sie auch auf andere übertragen kann.

 

Ryzek Noavek

Aus dem Volk der Shotet und Bruder von Cyra.
Lebensgabe: Kann durch Berührung Erinnerungen gegen die eines anderen tauschen.

 

Akos Kereseth

Aus dem Volk der Thuvhe und Bruder von Eijeh.
Lebensgabe: Er kann den Strom unterbrechen.

 

Eijeh Kereseth

Aus dem Volk der Thuvhe und Bruder von Akos
Lebensgabe: Er kann in die Zukunft sehen.