Anne Freytag: Den Mund voll ungesagter Dinge | Leseprobe read’n’go

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Worum geht´s?

Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem.

Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen.

Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend.

Bis ein Kuss alles verändert.

Und vor mir das Nichts

Es schüttet. Wasser fällt in Strömen aus dem Himmel, und die harten Tropfen treffen wie Nadeln auf mein Gesicht.

Ich renne. Ich renne, so schnell ich kann.

Der Regen läuft über meine Arme und Beine und die Wimperntusche in meine Augen. Vor einer Stunde war es noch eine Nacht mit Sternen und Sichelmond. Ich renne schneller, als ich kann. Mein T-Shirt und die Hotpants kleben an mir wie die Schuld. Dieser Blick.

Ich habe Seitenstechen. Kann kaum atmen, ringe nach Luft. Und alles, was ich sehe, sind seegrüne Augen getränkt in Enttäuschung. Dieses Mal habe ich nicht einfach nur einen Fehler gemacht.

Ich habe uns kaputt gemacht.

Sophie liebt Alex liebt Sophie liebt Alex

I´m loving it

Meine Gedanken schwirren wie Motten ums Licht. Es sind so viele, dass ich völlig überfordert bin. Alex sitzt mir gegenüber und isst ihren Burger, und ich starre auf meine Pommes Frites. Ich kann sie doch jetzt nicht einfach nach ihrer Lieblingsfarbe fragen. Oder nach ihrem Lieblingsbuch. Das wäre total albern. Sie würde denken, ich bin gestört – aber wenn ich noch länger nur hier sitze und auf meine Pommes Frites starre, wird sie das auch.

„Sophie“, sagt Alex mit vollem Mund und legt ihren Burger weg.

Ich schaue sie an. „Ja?“

Sie schluckt. „Weißt du, wenn zwei Leute an einem Tisch sitzen, bietet es sich an, den einen oder anderen Gedanken laut auszusprechen.“ Sie trinkt einen Schluck Fanta. „Das wird dann manchmal zu einer richtigen Unterhaltung. Du weißt schon, diese Situation, wo einer etwas sagt und der andere antwortet dann darauf. Und das geht dann hin und her. Mit der richtigen Person kann das richtig Spaß machen.“

Ich atme tief ein und stoße frustriert die Luft aus. „Es tut mir leid, dass ich so bin.“

„Wieso, wie bist du denn?“

„Ich weiß auch nicht.“ Gott, ich bin so genervt von mir selbst. „Langweilig?“, schlage ich vor.

„Du bist vielleicht ein bisschen seltsam, aber du bist ganz bestimmt nicht langweilig.“

Etwas tief in mir zieht sich schmerzhaft zusammen. „Du findest mich seltsam?“

Sie nimmt zwei von meinen Pommes Frites, taucht sie in die Mayonnaise und schiebt sie sich in den Mund. Sie kaut, dann schluckt sie und sagt: „Vielleicht ist seltsam das falsche Wort.“

„Nein, vermutlich ist es das richtige“, antworte ich und nippe an meinem Wasser.

„Kann schon sein“, sagt sie. „Immerhin bist du der einzige Mensch, den ich kenne, der bei McDonalds Wasser bestellt.“ Sie grinst. „Allein das macht dich schon ein bisschen seltsam.“

Ich muss lachen. Mein Herz klopft schnell, als wäre ich in einer mündlichen Prüfung. Wenn ich nicht bald mal ein Stück aus meinem Schneckenhaus herauskomme, wird sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Aber ich will, dass sie etwas mit mir zu tun haben will, weil ich etwas mit ihr zu tun haben will, und ich kann noch nicht einmal sagen warum.

Ihre Augen flackern, als wollten sie sagen: »Komm schon, trau dich.«

Welchen Song würdest Du auf dem Weg zum ersten Date anhören?

Ed Sheeran: »Kiss me«
Seafret: »Oceans«

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Playlist

Dir gefallen die Songs von Seafret und Ed Sheeran? Dann entdecke hier die komplette Lieblings-Playlist von Sophie und Alex.

Den Mund voll ungesagter Dinge

Sag irgendwas, Sophie. Alles, nur nicht die Wahrheit. „Mir war nicht nach Gesellschaft.“ Das ist immerhin nicht ganz gelogen.

„Nur nicht nach meiner, oder generell?“

Pause.

Ich weiche ihrem Blick aus.

„Generell.“

Eigentlich will ich ihr sagen, dass ich sie am liebsten die ganze Zeit um mich hätte. Dass ich an nichts anderes denken kann, als daran, sie zu küssen. Dass ich nicht weiß, was mit mir los ist. Dass sie so gut riecht. Wie sehr ich die perfekt gezogene Linie ihrer Oberlippe mag. Und die Farbe ihrer Augen. Diese beinahe mystische Mischung aus Moos- und Seegrün. Ich will ihr sagen, dass ich mich so sehr zu ihr hingezogen fühle, dass ich fast wahnsinnig werde.

Aber ich sage es nicht. Nichts davon. Ich schaffe es ja noch nicht mal, sie anzusehen.

„Es kam mir so vor, als hättest du mich gemieden.“ Pause. „Du warst irgendwie anders.“

Mein Herz rast, und meine Handflächen schwitzen. Alex ist viel zu nah an der Wahrheit und ich bin kurz davor, ihr alles zu erzählen.

Ich habe den Mund voll ungesagter Dinge.

Sophie liebt Alex liebt Sophie liebt Alex

Ich mag sie, weil ihr Herz genauso klug ist wie ihr Verstand. Und weil sie keine Angst davor hat, sie selbst zu sein.

Kirmes im Kopf

Heute gehen wir zum ersten Mal wieder raus – nach zwei Tagen, in denen wir uns im Haus verbarrikadiert und es nicht weiter als bis in den Garten geschafft haben. Der einzige mit Zutritt war Carlos, weil es ihm egal ist, dass Alex und ich zwei Mädchen sind, die sich küssen und miteinander schlafen.

Die Außenwelt ist da leider weniger tolerant. Ich habe es nur ein Mal wirklich mitbekommen, aber das hat mir gereicht. Da ging es um einen Jungen aus meiner alten Schule. Als rauskam, dass er auf Jungs steht, wurde er so extrem gemobbt, dass seine Eltern ihn von der Schule nehmen mussten. Vielleicht wäre das hier anders, aber ich schätze nicht.

Lukas hat mir gut zugeredet, aber ich glaube, dass er sich irrt: Es ist den Menschen nicht egal, mit wem man schläft. Und auch nicht, mit wem man zusammen ist. Ich habe gestern eine halbe Stunde lang mit ihm geskyped, während Alex mit ihrem Bruder telefoniert hat. Die Wahrheit ist, ich weiß nicht, ob ich bereit bin, der Welt zu sagen, dass ich ein Mädchen liebe. Oder, wie Lukas es ausgedrückt hat: dass ich lesbisch bin. Etwas, das ich so nie gesagt hätte. Ich liebe Alex, und Ja, sie ist ein Mädchen, aber das heißt doch nicht, dass ich deswegen generell Mädchen liebe. Oder tut es das doch? Ich meine, immerhin habe ich davor mit Jungs geschlafen. Und ich hatte Lust darauf, mit ihnen zu schlafen – nur, dass es dann leider nie besonders gut war.

Ich will nicht darüber nachdenken. Und bis gestern habe ich das auch nicht. Aber jetzt tue ich es. Und ich kann nicht mehr damit aufhören. Die letzten Tage mit Alex waren wie ein Traum, aus dem ich langsam erwache. Eine eigene kleine Welt mit eigenen Gesetzen. Es gab keine Störungen von außen. Bis gestern. Und Lukas ist eigentlich keine Störung, er ist mein bester Freund. Trotzdem fühlt es sich so an, als hätte er Dreck von draußen reingebracht. Ein Stück Wahrheit, das mir den Moment verdirbt. Bevor ich mit ihm gesprochen habe, waren Alex und ich einfach nur glücklich – jetzt sind wir plötzlich lesbisch. Was ist so verkehrt daran, dass ich in sie verliebt bin? 

Lass sie einfach reden. Ohne Menschen wie uns hätten sie keinen Gesprächsstoff.

Keine von vielen

Alex wird nie nur eine von vielen sein. Egal, wie das hier zwischen uns ausgeht, ich werde sie behalten. Ganz tief verborgen in den Kammern meines Herzens.

Die besten Dinge passieren einfach. So wie wir.

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Teilnahmeschluss ist der 30. April 2017. Es gelten die Gewinnspiel-AGBs der Verlagsgruppe Random House.

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„Herzzerreißend schön und dabei kein bisschen kitschig.“

Melanie Raabe

Ed Sheeran: »Kiss me«

Wenn Du dich für diesen Song entscheidest, bist Du eher der romantische Typ. Du träumst von der einen großen Liebe und wagst beim ersten Date voller Hoffnung den Sprung ins kalte Wasser. Aber eine kleine Unsicherheit bleibt …

Seafret: »Oceans«

Wenn Du dich für diesen Song entscheidest, bist Du vom Typ her eher jemand, der für seine Liebe alles tun würde – bis hin zur totalen Selbstaufgabe. Eigentlich weißt du schon beim ersten Date genau: Diese Liebe wird dich zerstören! Aber du kannst nicht anders. Du musst es versuchen …