Jennifer Armentrout: Morgen lieb ich dich für immer | Leseprobe read’n’go

Schriftgröße anpassen

Scroll' los!

Eine Liebe so groß wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft...

Mallory und Rider kennen sich seit ihrer Kindheit. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen und Mallory glaubt, dass sie sich für immer verloren haben. Doch gleich am ersten Tag an der neuen Highschool kreuzt Rider ihren Weg – ein anderer Rider, mit Geheimnissen und einer Freundin. Das Band zwischen Rider und Mallory ist jedoch so stark wie zuvor. Als Riders Leben auf eine Katastrophe zusteuert, muss Mallory alles wagen, um ihre eigene Zukunft und die des Menschen zu retten, den sie am meisten liebt…

Vergangenheit. Zukunft.

Mein Gehirn wollte nicht begreifen, was ich da sah. Es konnte das, was ich sah, einfach nicht verarbeiten. Ich starrte ihn an, zum ersten Mal sah ich ihn richtig, sah sein Gesicht, das so vertraut war und doch neu, viel erwachsener als in meiner Erinnerung, aber immer noch atemberaubend schön. Ich erkannte ihn sofort. Oh Gott, ich würde ihn überall wiedererkennen, auch wenn es vier Jahre her war und sich an jenem schrecklichen Abend, an dem wir uns zum letzten Mal gesehen hatten, mein ganzes Leben verändert hatte.

Es war völlig surreal.

Jetzt wusste ich auch, warum er mir morgens in den Sinn gekommen war. Ich hatte ihn gesehen, aber ich hatte nicht erkannt, dass er es war.

Ich konnte mich nicht bewegen, konnte nicht richtig atmen, konnte nicht glauben, dass das wirklich passierte. Meine Hände sanken schlaff in meinen Schoß. Er setzte sich auf den Platz neben mir, den Blick immer noch auf das Mädchen gerichtet, das sich auf den zweiten freien Stuhl fallen ließ. Sein gut aussehendes Profil, das damals noch längst nicht so markant gewesen war, drehte sich zur Seite, während seine Augen durch den Klassenraum und über die breite Tafel wanderten. Er sah noch genauso aus wie früher, nur größer, und seine Gesichtszüge waren … irgendwie klarer und schärfer ausgeprägt. Von den Augenbrauen, die einen Hauch dunkler waren als die schwarzbraunen Haare, und den dichten Wimpern bis zu den hohen Wangenknochen und dem unrasierten Kinn.

Er sah genauso aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, als ich zwölf war und anfing, ihn richtig zu sehen, als Jungen. Es war einfach unglaublich.

Ich konnte es nicht fassen, dass er neben mir saß. Mein Herz klopfte zum Zerspringen, als seine Lippen, die voller waren, als ich sie in Erinnerung hatte, sich zu einem Lächeln bogen, und mein Bauch zog sich zusammen, als daraufhin ein Grübchen in seiner rechten Wange erschien. Auf der anderen Seite war keines zu sehen, es gab nur dieses eine. Meine Gedanken rasten zurück in die Vergangenheit, und ich konnte mich nur an ganz wenige Gelegenheiten erinnern, wo er so entspannt gewesen war. In dem Moment lehnte er sich gemächlich auf seinem Stuhl zurück, der zu klein für ihn war, und drehte langsam den Kopf zu mir. Braune Augen mit kleinen goldenen Sprenkeln richteten sich auf mich.

Augen, die ich nie vergessen hatte.

Das unbefangene, fast gelangweilte Lächeln, das ich an ihm gar nicht kannte, erstarrte auf seinem Gesicht. Sein Mund klappte auf, und die hellbraune Haut wurde blass. Seine Augen weiteten sich, die goldenen Sprenkel darin schienen sich auszudehnen. Er erkannte mich. Ich hatte mich sehr verändert seit damals, aber er erkannte mich sofort. Er beugte sich zu mir. Drei Worte dröhnten aus der Vergangenheit und hallten in meinem Kopf wider. Sei ganz still.

»Maus?«, hauchte er.

Außer ihm hatte mich nie jemand so genannt. Ich hatte diesen Spitznamen so lange nicht mehr gehört, dass ich ihn schon fast vergessen hatte.

Vier Jahre ...

Vier Jahre habe ich mit niemandem geredet, der nicht zum kleinen Kreis mir vertrauter Menschen gehörte.

»Echt jetzt?«, sagte er und seine Finger krampften sich um den zerfledderten Schreibblock in seiner Hand. »Nach allem, was war, und nachdem ich vier Jahre lang keine Ahnung hatte, was aus dir geworden ist, tauchst du auf einmal in dieser beschissenen Rhetorikstunde auf und rennst dann weg? Vor mir?«

Ich atmete scharf ein und ließ die Arme sinken. Meine Tasche rutschte mir von der Schulter und landete auf dem heißen Asphalt. Der Schreck fuhr mir durch die Glieder, aber tief in mir drin war ich nicht überrascht, dass er mir gefolgt war. Er rannte nie weg. Er versteckte sich nie. So etwas hatte immer nur ich getan. Wir waren wie Yin und Yang, schon immer. Meine Feigheit gegen seinen Mut. Seine Stärke gegen meine Schwäche.

Aber so war ich nicht mehr.

Ich war keine Maus mehr.

Ich war kein Feigling.

Ich war nicht schwach.

Er machte einen Schritt auf mich zu und blieb dann kopfschüttelnd stehen. Sein Atem ging stockend. »Sag doch was.«
»… was?« Ich musste das Wort förmlich aus mir herauspressen.

»Meinen Namen.«

Ich verstand nicht recht, wieso er das wollte, und ich wusste auch nicht, wie es sich anfühlen würde, den Namen nach so langer Zeit wieder auszusprechen, aber trotzdem holte ich tief Luft. »Rider.« Ein weiterer zitternder Atemzug. »Rider Stark.«

In ihm arbeitete es sichtlich, und einen Herzschlag lang bewegte sich keiner von uns. Ein heißer Windhauch wehte mir ein paar Haarsträhnen ins Gesicht. Dann ließ er seinen Block fallen, und ich war überrascht, dass der nicht zu Staub zerfiel. Mit zwei großen Schritten überwand er den Abstand zwischen uns und stand vor mir. Er war inzwischen viel größer als ich, sodass ich ihm kaum bis zur Schulter reichte.

Dann waren seine Arme um mich.

Mein Herz explodierte, als er mich mit seinen starken Armen an sich zog. Erst stand ich da wie erstarrt, dann schlang ich die Arme um seinen Hals. Die Augen fest geschlossen klammerte ich mich an ihn und atmete seinen sauberen Geruch und den leichten Hauch von Rasierwasser ein. Das war er, auch wenn sich seine Umarmung ganz anders anfühlte, stärker und fester. Er hob mich vom Boden hoch, einen Arm um meine Taille, die andere tief in meinen Haaren vergraben, und meine Brüste stießen gegen seine überraschend harte Brust.

Wow.

Diese Umarmung war auf jeden Fall anders als damals, als wir zwölf waren.

»Himmel, Maus, du hast ja keine Ahnung, wie …« Seine Stimme war rau und voller Gefühl. Er setzte mich ab, hielt mich aber weiterhin fest. Ein Arm lag immer noch um meine Taille, mit der anderen Hand fasste er in meine Haare und schloss die Faust darum. Sein Kinn ruhte auf meinem Scheitel, während meine Hände an ihm hinabglitten. »Ich dachte, ich seh dich nie wieder.«

Ich legte meine Hände auf seine Brust und die Stirn dazwischen und spürte seinen schnellen Herzschlag. Um uns herum waren Leute, wahrscheinlich beobachteten uns einige Schüler sogar, aber das war mir egal. Rider war warm und fest. Echt. Lebendig.

»Scheiße, Mann, dabei hatte ich heute gar nicht vor, in die Schule zu gehen. Wenn ich nicht gekommen wäre …« Er löste seine Hand aus meinen Haaren, nahm eine Strähne und ließ sie durch die Finger gleiten. »Deine Haare sind jetzt ganz anders. Du bist gar kein Rotfuchs mehr.«

Ein ersticktes Lachen entfuhr mir. Als Kind waren meine Haare ein feuerrotes Gewirr aus Knoten und widerspenstigen Locken gewesen.

Rider trat eine halben Schritt zurück, ich schlug die Augen auf und stellte fest, dass er mich betrachtete. »Sieh mal an«, murmelte er. »Du bist ja richtig erwachsen geworden.«

Es ist, was es ist...

Vergangenheit, die
Liebe, die

Weiterscrollen

Er und ich und ein peinliches Abendessen

Rider kam herein und ließ den Blick über mich wandern. Ich atmete den Geruch von Rasierwasser ein. Unsere Blicke begegneten sich kurz, dann schaute er zum Wohnzimmer. Seine Wangen waren eine Spur dunkler als sonst. »Das riecht ja toll.«

»Es gibt Braten.« Auf einmal hatte ich keinen Hunger mehr. Ich schaute auf seinen Mund und wandte hastig den Blick ab. »Äh, Rosa ist … Sie ist eine sehr gute Köchin.«

Ich führte ihn zur Küche, und ich konnte ihn mit jeder Faser meines Körpers neben mir spüren. Wir gingen durch das Wohnzimmer, wo Rider auf einmal vor der Vitrine stehen blieb. »Was ist das?«, fragte er.

Ich drehte mich um und folgte seinem Blick. Er starrte auf die Seifenschnitzereien; offenbar hatte er sie bei seinem letzten Besuch nicht bemerkt. »Äh …«

Er beugte sich vor und betrachtete eine schlafende Katze. »Waren das mal Seifenstücke?«

»Ja«, flüsterte ich.

»Wow«, murmelte er und begutachtete das Herz und die Sonne, die ich vor ein paar Jahren gemacht hatte. »Sind die von Carl oder von Rosa?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein. Ähm. Die sind … von mir.«

»Was?« Überrascht richtete er sich auf. »Du hast die gemacht?«

Meine Wangen brannten. »Niemand … nur Carl und Rosa wissen davon.«

Er schaute von mir zur Vitrine. »Mallory, das ist echt cool.«

Ich hob die Schultern. »Es ist nur … Seife.«

»Seife, aus der du sehr gut zu erkennende, wunderschöne Figuren geschnitzt hast«, widersprach er. »Ich könnte das nicht.«

»Aber du kannst Graffiti sprühen und zeichnen und …«

»So was kann ich nicht«, wiederholte Rider. »Um so was zu schnitzen, braucht man genauso viel Talent wie für Graffiti.«

Da würde ich aber entschieden widersprechen. Weil mir die ganze Aufmerksamkeit peinlich war, deutete ich zur Küche. »Bist du so weit?«

Er schaute mich noch einen Moment lang an und nickte dann.

Carl und Rosa warteten am Küchentisch.

»Das … ist Rider«, sagte ich und verschränkte die Hände. »Und das … das sind Carl und Rosa.«

Rosas Brauen hoben sich, ihre Augen weiteten sich fast unmerklich.

Carl musterte Rider von den abgewetzten Schuhen bis zu dem zerzausten schwarzbraunen Haarschopf und runzelte die Stirn.

In dem Moment wusste ich, dass das Abendessen eine megapeinliche Angelegenheit werden würde.

»Komm, hauen wir ab.«

»Komm, hauen wir ab.«

Vorher schnappte ich mir noch mein Handy und eine kleine Handtasche. Unten in der Küche nahm ich den Schlüsselbund vom Küchentisch.

»Geht ihr weg?«

Wir drehten uns um. »Ja.«

Carl verschränkte die Arme und richtete den Blick auf Rider. »Und wo geht ihr hin?«

Ich antwortete, bevor Rider etwas sagen konnte. »Wir wollen einen Freund besuchen.«

»Ich dachte, ihr wollt zusammen lernen.« Misstrauen schwang in seiner Stimme mit.

»Das haben wir ja auch gemacht. Wir sind jetzt fertig.« Das war auch nicht gelogen.

Carl sah aus, als würde er uns kein Wort glauben, aber bevor er uns weiter ausfragen konnte, kam Rosa ins Wohnzimmer. »Wieso habt ihr keine Jacke an?«

»Wir sind nur ganz kurz draußen.«

Rider trug nur ein T-Shirt mit einem langen Unterhemd darunter, ich hatte wenigstens mein dickes Sweatshirtkleid an.

Rider schob die Hände in die Hosentaschen. »Danke noch mal für das Sandwich, Mrs Rivas.«

Rider hatte Rosa so oft für die Schinken-Käse-Sandwichs gedankt, die sie uns gebracht hatte, als er gekommen war, dass ich ihm seine Angst vor ihr schon fast glaubte.

Carl musterte Rider mit steinerner Miene. »Mallory muss um acht zu Hause sein.«

»Was?« Entsetzt riss ich die Augen auf. »Sonst muss ich doch immer erst um elf da sein!«

Rosa trat vor und legte Carl die Hand auf die Schulter. »Bitte bring sie vor elf wieder nach Hause.«

»Um acht ist sie wieder da«, sagte Rider. Entgeistert starrte ich ihn an. Und bevor ich widersprechen konnte, fügte er hinzu: »Versprochen.«

Carls Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengepresst. Ich wartete darauf, dass er sich bei Rider bedankte oder so, aber er nickte nur kurz. Meine Haut kribbelte vor Zorn. Rosa gab sich wenigstens Mühe, Carl dagegen kein bisschen.

Ich schlang die Finger um Riders Hand und drückte sie ganz fest.

Ich will ein Mensch sein, der deine Liebe verdient hat.

Eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle!

Jetzt
kaufen
12,99 €

»Die Leidenschaft brennt lichterloh!«

Kirkus Reviews

»Mallorys Geschichte ist voller Hoffnung«

Publishers Weekly

Vergangenheit, die:

Menge zurückliegender Ereignisse, die die Gegenwart zumeist prägend beeinflusst haben.

Liebe, die:

Starkes Gefühl des Hingezogenseins, oft verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein und Hingabe.