Kristen Ciccarelli: Iskari – Der Sturm naht | Leseprobe read’n’go

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Eine verbotene Liebe. Ein dunkles Geheimnis. Und eine Kämpferin, die das Schicksal ihres Volkes wenden wird. Scroll nach unten und komm mit in die Welt der Drachenkriegerin Asha.

Worum geht`s?

Als kleines Kind lockte Asha einst Kozu herbei, den mächtigsten aller Drachen. Er gab vor, ihr Freund zu sein, doch dann flog er auf und vernichtete mit seinen mörderischen Flammen Ashas Heimatstadt. Um die unverzeihliche Schuld, die sie damit auf sich geladen hat, zu sühnen, ist sie eine Iskari geworden, eine Drachentöterin – die beste und mutigste.

Doch ihre größte Prüfung steht noch bevor. Denn ihr Vater, der König, stellt ihr ein schreckliches Ultimatum. Entweder befreit sie das Land endgültig von Kozu – oder sie muss den ihr verhassten Jarek heiraten. Aber Kozu ist unbesiegbar, der Kampf mit ihm selbst für eine Iskari viel zu schwer. Doch Asha ist nicht allein, denn plötzlich stellt sich jemand an ihre Seite. Jemand, der sie noch nicht einmal ansehen dürfte: Torwin, der geheimnisvolle Sklave Jareks …

Asha lockte den Drachen mit einer Geschichte an

Der Drache kam, glitt tückisch, ganz wie es seinem Wesen entsprach, aus dem rotgoldenen Boden. Sandkörner rieselten schimmernd wie Wasser an seinem Leib herab, und zum
Vorschein kamen stumpfe steingraue Schuppen. Dreimal so groß wie ein Pferd ragte er vor Asha auf und schlug mit dem gegabelten Schwanz, während seine Augen mit den schlitzförmigen Pupillen starr auf das Mädchen gerichtet waren, das ihn gerufen hatte. Das Mädchen, das ihn listig mit einer Geschichte geködert hatte.

Mit einem Pfiff befahl Asha ihren Jagdsklaven, sich hinter die Schilde zu ducken. Dann bedeutete sie den Bogenschützen mit einer Handbewegung, sich zurückzuziehen. Dieser Drache hatte die Nacht unter dem kalten Wüstensand verbracht. Da die Sonne eben erst aufging, war sein Körper noch nicht so warm, dass er hätte fliegen können.

Er saß am Boden fest. Aber derart in die Enge getriebene Drachen kämpften erbittert.

Mit der linken Hand hielt Asha einen rechteckigen Schild, mit der rechten griff sie nach der Wurfaxt an ihrer Hüfte. Das trockene Alfagras raschelte um ihre Knie, während der Drache sie umkreiste, auf eine Unachtsamkeit ihrerseits lauerte.

Das war sein erster Fehler. Asha wurde nie unachtsam. Sein zweiter war, sie mit Flammen zu attackieren.

Der Drache zischte

Doch Asha kniff nur die Augen zusammen. Deine Zeit ist abgelaufen.

Bevor er angreifen konnte, zielte und warf sie, genau auf sein Herz. Die Axt versank in der Brust des Drachen, und er schrie und warf sich herum, während sein Blut in den Sand floss. Mit knirschenden Zähnen starrte er sie aus wütenden Augen an.

Genau in dem Moment trat jemand neben sie und störte ihre Konzentration. Als sie den Kopf wandte, entdeckte sie ihre Cousine Safira, die den Schaft einer Hellebarde in den Sand rammte. Safira betrachtete den tobenden Drachen. Ihr dunkles Haar war auf Kinnlänge geschnitten, so dass es ihre kühnen, schrägen Wangenknochen und einen verblassenden Bluterguss an ihrem Kiefer betonte.

»Ich hab dir doch gesagt, du sollst hinter den Schilden bleiben «, knurrte Asha. »Wo ist dein Helm?«

»Mit dem Ding konnte ich überhaupt nichts sehen. Ich habe ihn bei den Sklaven gelassen.« Safira trug lederne Jagdkleidung, die Asha ihr in aller Eile genäht hatte, und ihre Hände wurden von Ashas feuerfesten Handschuhen geschützt. Für ein zweites Paar war keine Zeit gewesen.

Jetzt schleppte sich der blutende Drache über den Sand auf Asha zu. Seine Schuppen schleiften über den Boden. Sein Atem ging keuchend.

Asha griff nach der Hellebarde. Wie lange war es her, dass er zuletzt Feuer gespuckt hatte? Sie hatte es nicht mehr in Erinnerung. »Zurück, Saf! Hinter die Schilde!«

Safira rührte sich nicht. Beobachtete nur gebannt den Drachen, dessen Herzschlag immer langsamer wurde.

Das schleifende Geräusch verstummte, doch mit einem letzten Aufbäumen brüllte der Drache die Iskari hasserfüllt an, und in dem Moment, bevor sein Herz stillstand, schossen Flammen aus seiner Kehle.

Blitzschnell trat Asha vor ihre Cousine. »Duck dich!« Ashas nackte Hand war ausgestreckt. Ungeschützt. Feuer umhüllte ihre Finger, verbrannte die Haut. Sie verbiss sich einen
Schrei, als der Schmerz sie durchzuckte.

Dann war es vorbei, und der Drache brach zusammen. Asha drehte sich um und sah Safira unversehrt im Sand knien. Abgeschirmt vor den Flammen.

Sie stieß bebend den Atem aus. Safira allerdings starrte die Hand ihrer Cousine an. »Asha. Du hast dich verbrannt.«

Der Schmerz loderte heiß. Panik wallte in ihr auf

Verstohlen ließ Asha den Blick über ihre Jagdsklaven schweifen, die gerade die Schilde senkten. Sie trugen kein Leder am Körper, nur Eisen – Eisen in ihren Pfeilen und Hellebarden und Speeren, eiserne Halsschellen. Ihre Augen waren unverwandt auf den Drachen gerichtet. Sie hatten nicht bemerkt, dass die Iskari von Flammen getroffen worden war. Gut. Je weniger  Zeugen, desto besser.

»Drachenfeuer ist giftig, Asha. Das musst du behandeln.« Asha nickte. Allerdings hatte sie nichts gegen Verbrennungen dabei. Sie hatte es noch nie gebraucht. Nur um den Schein zu wahren, ging sie zu ihrem Tornister.

Da hörte sie hinter sich Safira sehr leise sagen: »Ich dachte, sie speien kein Feuer mehr.«

Asha erstarrte.

Ohne Geschichten speien sie auch kein Feuer.

Safira stand auf und klopfte sich die Lederrüstung ab. Pflichtschuldig mied sie Ashas Blick, als sie fragte: »Warum sollten sie jetzt auf einmal anfangen, Feuer zu spucken?« Plötzlich wünschte sich Asha, sie hätte ihre Cousine nicht mitgenommen.

Der glühende Schmerz in ihrer Hand machte Asha benommen. Sie kämpfte darum, klar im Kopf zu bleiben.

Die Geschichten lockten die Drachen nicht nur an, sie machten sie auch stärker. Daher das Feuer. Es war ganz einfach:Wo die alten Geschichten laut erzählt wurden, gab es Drachen, und wo Drachen waren, gab es Zerstörung und Verrat und Feuer. Vor allem Feuer. Asha wusste das besser als jeder andere.

Seufzend gab Safira auf. »Geh und behandle deine Brandwunde. « Sie ließ ihre Hellebarde aufrecht im Sand stehen und lief zu dem massigen Kadaver. Während die Sklaven sich an dem Drachen zu schaffen machten, ging Safira einmal im Kreis um ihn herum und begutachtete ihn. Die staubgrauen Schuppen boten eine perfekte Tarnung in den Bergen, und die Hörner und Stacheln waren aus makellosem Elfenbein, weder abgebrochen noch eingerissen. »Er ist wunderschön!«, rief Safira, »Dein Vater wird sich freuen, Asha.«

Wenn Ashas Vater doch nur die Wahrheit kennen würde!

»Drachenherzen sollen ja gerade groß in Mode sein, hab ich gehört.« Asha hörte an Safiras Stimme, dass sie zaghaft lächelte. »Besonders als Verlobungsgeschenk.«

Bei dem Gedanken rümpfte Asha die Nase. Sie bückte sich nach ihrem Jagdtornister aus robustem Drachenleder und holte den Wasserschlauch heraus. »Noch sieben Tage nimmt der rote Mond ab, Asha. Hast du überhaupt schon mal über dein Verlobungsgeschenk nachgedacht?«

Mit einem warnenden Knurren richtete Asha sich auf, und alles drehte sich ihr wieder vor Augen. Durch reine Willenskraft unterdrückte sie den Schwindel. Es dürfte nicht so schnell gehen. Natürlich hatte sie darüber nachgedacht. Immer, wenn sie zu diesem furchtbaren Mond hinaufsah, der jeden Tag ein wenig schmaler wurde, dachte sie über alles nach: das Geschenk und die Hochzeit und den jungen Mann, den sie bald Gemahl nennen musste.

Das Wort fühlte sich in ihrem Innern hart wie ein Stein an. Es warf ein grelles Licht auf alles. »Ach, komm schon.« Mit einem Lächeln wandte sich Safira den Gipfeln zu. »Das bluttriefende Herz eines Drachen? Ein perfektes Geschenk für einen Jungen, der selbst kein Herz hat.«

Asha schüttelte den Kopf, doch Safiras Grinsen war ansteckend. »Warum musst du so eklig sein?«

Genau in dem Moment stieg in einiger Entfernung aus der Richtung der Stadt eine rotgoldene Staubwolke auf.

Ashas erster Gedanke war: Ein Sandsturm

Doch hier befanden sie sich in der felsigen Tiefebene, nicht in der offenen Wüste. Als sie die Augen zusammenkniff, entdeckte sie zwei Pferde, die auf die Jagdgesellschaft zugaloppierten. Eines war ohne Reiter, auf dem anderen saß ein Mann in einem groben Wollumhang, rot vom Sand, den die Hufe seines Pferdes aufwirbelten. Die goldene Halsschelle blinkte im Sonnenlicht und wies ihn als einen der Palastsklaven aus.

Rasch versteckte Asha die Hand hinter ihrem Rücken. Der ältere Mann zügelte seine Stute. Schweiß tränkte sein ergrauendes Haar, die Augen blinzelten im Sonnenlicht. Langsam
legte sich der Staub. »Iskari«, sagte er, atemlos von seinem schnellen Ritt. Den Blick hielt er fest auf die Mähne seines Pferdes gerichtet, um Asha nicht anzusehen. »Euer Vater wünscht Euch zu sehen. Ihr sollt sofort in den Palast zurückkehren.« Asha runzelte die Stirn. Der Drachenkönig unterbrach sonst nie ihre Jagd.«

Sie wandte sich dem Pferd ohne Reiter zu. Es war Oleander, ihre eigene Stute. Ihr rostbraunes Fell glänzte vor Schweiß, und ein rötlicher Sandfleck überdeckte den weißen Stern auf ihrer Stirn. In Gegenwart ihrer Reiterin bewegte Oleander nervös den Kopf.

»Ich kann hier mithelfen, bis sie fertig sind«, erbot sich Safira. Asha drehte sich zu ihr um, doch Safira wagte nicht, sie direkt anzusehen. Nicht unter dem wachsamen Blick eines königlichen Sklaven. »Ich komme dann nach.« Safira band die Lederschnüre der geborgten Jagdhandschuhe auf. »Du hättest mir die nicht geben sollen.« Sie streckte sie Asha entgegen. »Und jetzt geh besser.«

Ohne sich um die Blasen auf ihrer wunden Haut zu kümmern, zog Asha die Handschuhe über, damit der Sklave ihres Vaters die Verbrennung nicht bemerkte. Dann nahm sie Oleanders
Zügel und schwang sich in den Sattel. Das Pferd wieherte und tänzelte, ehe es, da sie es sachte mit den Fersen anstieß, losgaloppierte.

»Ich heb dir das Herz auf!«, rief Safira noch, als Asha bereits durch den Sand auf die Stadt zujagte. »Falls du es dir anders überlegst!«

Interview mit Kristen Ciccarelli

© Foto: Ninth Street Photography

Was war Ihre allererste Idee für ISKARI? Hatten Sie eine Figur im Kopf oder irgendeine Situation, vielleicht eine konkrete Gefahr?
Ähnlich wie Asha habe ich einen großen Teil meines Lebens damit verbracht, mich für die Dinge zu schämen oder schuldig zu fühlen, die ich am meisten liebe: meine Kreativität, meine Vorstellungskraft, meine Geschichten. Daher wollte ich eine Welt erkunden, in der diese Gaben wirklich verwerflich sind. Ich wollte ein Buch schreiben, in dem Geschichten eine Gefahr darstellen und dazu führen können, dass Menschen verletzt werden. Und ich wollte eine Heldin, die besonders gut darin ist, diese gefährlichen Geschichten für sich einzusetzen, und die zugleich zutiefst beschämt darüber ist.

Würden Sie gern in Firgaard leben? Und was wäre Ihre Funktion oder Ihr Beruf in dieser Welt?
Ich würde gern nach dem Ende des ersten Buchs in Firgaard leben … Und zwar als Schmiedin, glaube ich. Oder vielleicht als Tempelwächterin. Es wäre so spannend, in einem Tempel zu leben.

Haben Sie jemals davon geträumt, einen echten Drachen zu treffen?
Oh ja – mein ganzes Leben lang! Als ich klein war, habe ich überall nach Drachen gesucht. In den Wäldern, in unserer Scheune, im See, zwischen den Wolken. Ich war mir immer ganz sicher, dass sie irgendwo sein mussten, dass sie sich einfach nur vor mir versteckten. Tatsächlich war ich von Drachen so besessen, dass mir in der High School mein Kunstlehrer verboten hat, sie weiter zu zeichnen, weil ich für jedes Projekt eine Drachenskizze abgab.

Asha lebt im ständigen Konflikt zwischen den Erwartungen ihres Vaters und ihren eigenen Wünschen und ihrer Liebe. Wenn Sie ihre Freundin wären, was würden Sie ihr raten?
Ich würde ihr erklären, auf sich selbst zu vertrauen, nicht zu streng mit sich zu sein und gleichzeitig zu dem zu stehen, was sie für richtig hält.

Asha ist sehr stark und eine sehr tapfere Heldin, die immer versucht, ihrem Herzen zu folgen. Hatten Sie beim Schreiben irgendwelche Vorbilder im Kopf?
Ich glaube, es sind alle mutigen Frauen aus meinem eigenen Leben hineingeflossen: meine Mutter, meine Großmutter, meine Tanten, meine Freundinnen. All diese Frauen waren und sind meine Vorbilder. Sie zeigen mir, wie man tapfer und stark sein kann und dabei gleichzeitig die anderen liebt und verteidigt – und wie man sich selbst immer treu bleibt. In gewisser Weise steckt ein wenig von all diesen Frauen in Asha.

Was ist Ihre Lieblingsfigur im Buch, außer Asha?
Torwin! Er ist einfach großartig!

Die Drachen zu rufen ist eine mächtige Gabe - und eine unheilvolle

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