Rachel Bateman: Glücksspuren im Sand | Leseprobe read’n’go

Schriftgröße anpassen

Ein tragischer Unglücksfall – eine Liste für den perfekten Sommer – und fast so etwas wie Liebe. Scrolle nach unten und entdecke die Welt von Storm, Anna und Cameron …

Worum geht´s?

Die unkonventionelle Storm war schon immer das Vorbild ihrer jüngeren Schwester Anna. Als sie bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt, ist Anna am Boden zerstört.

Doch dann findet sie eine Liste ihrer Schwester – eine Liste all der Dinge, die man in einem perfekten Sommer unbedingt tun muss. Im Gedenken an ihre Schwester und um ihre eigene Traurigkeit zu überwinden, macht Anna sich daran, die Aufgaben der Liste zu erfüllen.

Begleitet wird sie dabei vom ebenso süßen wie klugen Nachbarsjungen Cameron, der Storms bester Freund war. Und der vielleicht der Schlüssel zu einem neuen Glück sein könnte. Wenn es da nicht ein schlimmes Geheimnis gäbe …

Unsere Tage waren voller Fantasie und Zauber, nur wir beide in unserer eigenen Welt.

Storm und Anna ... und Cameron

Wir wurden nur elf Monate nacheinander geboren.  Alle meine frühesten Erinnerungen sind von uns beiden, sie immer vorneweg. Mit Storm zusammen zu sein war alles, was ich wollte, und am liebsten wäre ich genau wie sie gewesen.

Dann bog eines Tages ein neues Auto in die Einfahrt nebenan, und ein Junge in Storms Alter stolperte von der Rückbank. Als er sah, dass wir ihn beobachteten, hob er zögerlich eine Hand. Ich ahmte sein schüchternes Winken nach. Storm lief quer über die Einfahrten auf ihn zu.

Aus zwei wurden drei. Von da an war Cameron Teil unserer Welt, jeden Tag direkt an unserer Seite. Es war ein Sommer voll Eis am Stiel, Schwimmbädern und Übernachtungen im Zelt.

Doch dann: Ein Ende.

Die Liste

Seit dem Unfall habe ich Storms Zimmer gemieden – das haben wir alle. Soweit ich weiß, ist die Tür nicht geöffnet worden, seitdem wir an dem Morgen das Haus verlassen haben. Doch jetzt, als würde ich hineingesogen, drehe ich am Türknauf.

Ich lege mich auf ihr Bett und ziehe einen Teddybären an die Brust. Er riecht nach Storm. Ich grabe das Gesicht in seinen weichen Pelz und atme sie ein. Frage mich, wo sie ist.

Ich strecke die Arme aus und verschränke die Hände hinter dem Kopf. Mit der linken Hand stoße ich an etwas unter dem Kopfkissen. Ich ziehe es hervor. Irgendein Buch, drei Wörter auf dem Cover: Mein Perfekter Sommer.

Erst blättere ich ein paar Seiten weiter, ohne mich auf die Wörter konzentrieren zu können, dann trifft mich die Erkenntnis. Es ist eine Liste – natürlich! Wie oft habe ich schon im Laufe der Jahre einen Papierfetzen, den Deckel eines Schuhkartons oder eine Serviette gefunden, auf die Storm eine Liste gekritzelt hatte?

Ich schlage die erste Seite auf und lese jeden Punkt, einen nach dem anderen.

 

Wir machen das hier.

Wir führen ihre Liste zu Ende. Nur ich und der Junge von nebenan.

Aufbrechen und Neues entdecken

»Wohin?« Cameron erweckt den Wagen zum Leben und lässt den Motor ein paarmal aufheulen. Dann dreht er sich zu mir.

»Ich … Ich weiß es nicht. Ans Meer?«

Er lacht so heftig, dass er prusten muss. »Du hast überhaupt keinen Plan, oder?«

Mein Lächeln ist so breit, dass ich bestimmt geistesgestört aussehe.

»Aufbrechen, die Liste durcharbeiten. Das ist der ganze Plan. Solange wir es nach Wilmington und Carolina Beach schaffen, können wir uns den Rest unterwegs überlegen.«

»Bereit?«, fragt er.

Bereuen wirst du nur, was du nicht ausprobiert hast.

Im selben Boot

Der Wind weht in meinen Haaren. Ich schließe die Augen und spüre, wie die Salzluft meine Haut liebkost. Cameron sitzt neben mir. Ich spüre ihn dort, seine stets ruhige Gegenwart neben meinem panischen Ich. Ich lockere die Beine, bis mein Knie an seinem lehnt.

Der Fallschirm bläht sich hinter uns, fängt die Luft ein, und meine Füße rutschen rückwärts. Mein Magen rumort, und mir bleibt ein Schrei in der Kehle stecken. Ich befinde mich immer noch auf dem Boot, stehe auf der hinteren Fläche, doch meine Füße gleiten immer weiter, schieben sich langsam auf den Fall zu. Automatisch strecke ich die Hand nach Camerons aus.

Die Rückseite meiner Fingerknöchel streicht gegen seine. Er legt die Hand um meine, hält mich fest, und lockert dann kurz den Griff, damit sich unsere Finger ineinander verschränken können. Ich drücke zu und riskiere einen Blick in seine Richtung. Er beobachtet mich. Seine Augen glänzen, sind voller Leben und freudiger Erregung. Ein breites Grinsen verzieht sein Gesicht.

Unsere Füße verlassen das Boot. Cameron zieht meine Hand an seine Brust. »Fühl«, sagt er.  »Mein Herz rast.«

Mein Herz springt in meiner Brust herum, ein Vogel, der darum kämpft, aus seinem Käfig zu entkommen.

Mutig leben

Mehr Mut im Leben. Diesen Sommer habe ich damit angefangen. Ich bin mit dem Fallschirm über dem Meer geschwebt, Cameron an meiner Seite. Aber es gibt so viel mehr, so viele Dinge, die ich tun kann.

Die Liste wird nie fertig sein. Solange ich am Leben bin, weitermache, werde ich Storm bei mir haben, ihre Wörter in die letzte Seite des Notizbuchs geätzt und auf meine Rippen tätowiert, um mich zu ermahnen, mehr Mut im Leben zu haben.

Es ist ein Punkt auf der Liste, den ich niemals abhaken kann, und dieses Wissen birgt etwas unglaublich Trostreiches.

Eine Geschichte zum Schmökern, Lachen, Weinen und Mit-deinen-Freundinnen-teilen

Jetzt
kaufen
12,99 €