Janet Clark: Ewig Dein – Deathline | Leseprobe read’n’go

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Die Meisterin in Spannung und Atmosphäre.

Janet Clark wollte schon als Kind nur eins: Romane schreiben! Doch zwischen ihr und dem ersehnten Berufsziel sollten noch etliche Jahre, Länder und Berufe liegen, bis sie ihr erstes Manuskript einreichte. Mit großem Erfolg: Mittlerweile fiebert eine große Fangemeinde ihrer nächsten Veröffentlichung entgegen.

Ein Sommer, der alles verändert.

Habt ihr auch schon mal von einer besonderen Bestimmung geträumt? Von einer Bestimmung, so gefährlich und aufregend wie die eurer liebsten Romanheldinnen, die, beflügelt von ihrer großen Liebe, eine zum Untergang verdammte Welt retten müssen?

Ja?

Ich auch. Ich war vierzehn und es war höchste Zeit, mein Leben zu ändern.
Nur wie? Denn egal, wie ausgefeilt meine Pläne auch waren, meine Möglichkeiten waren begrenzt. Also tat ich das Einzige, was weder Geld noch Volljährigkeit voraussetzte, und befolgte die Riten einer alten Yowama-Legende: Ich schnitzte eine tiefe Kerbe in den Stamm eines indianischen Kwaohibaumes und eine weniger tiefe in meinen Finger, beschmierte meinen goldenen Taufanhänger mit Blut und versenkte ihn im Tausch gegen eine aufregende Bestimmung in der Kerbe.

Ich erinnere mich an jedes Detail dieses Moments vor zwei Jahren. Und ich frage mich, ob mein Leben anders verlaufen wäre, wenn ich meinen Taufanhänger in seiner Schatulle gelassen und dem Baum eine Kerbe erspart hätte.

Ich werde es nie wissen.

Aber ich gebe Euch einen Rat: Finger weg von euren Taufanhängern …

Ein Anfang voller Magie

Als Josie dem geheimnisvollen Ray begegnet, ahnt sie noch nicht, dass er ihr Schicksal bestimmen wird.

Grüne Augen wie ein Bergsee.

Was machte ich hier eigentlich?, ich stand auf dem Jahrmarkt fürs Bullriding an und das nur wegen eines Rieseneisbechers und einer blöden Wette. Aber wenn ich Mustangs trainieren konnte, würde ich mich ja wohl auf so einem mechanischen Ding länger halten können als diese ganzen Stadtjungs. Das wird ein Kinderspiel, Josie!

Doch da bemerkte ich ihn.

All die Siegesgewissheit war mit einem Schlag wie weggeblasen. Dieser Greeny vom Stamm der Yowama war ein anderes Kaliber als alle, die bislang den Ring betreten hatten. Durch das enge T-Shirt und an seinen Armen sah ich, dass er genau die Art von Muskeln besaß, die man für den Ritt benötigte. Am meisten beunruhigte mich aber seine Ruhe. Er schien überhaupt keinen Herzschlag zu haben, so reglos und ruhig stand er vor mir. Mit einem Mal flackerte Nervosität in mir hoch. Sie wanderte vom Magen in die Brust und dann dummerweise in die Beine und ließ sie schwach und zittrig werden. Ich musste ein Geräusch von mir gegeben haben, denn plötzlich drehte er sich um.

»Bist du okay?«, fragte er mit einer Stimme, die mich an das Grollen eines Panthers und das Schnurren einer Katze zugleich denken ließ.

Ich sagte nichts. Sah ihn nur an. Sah in seine leuchtend grünen Augen, versank regelrecht in diesem Grün, und schaffte es nicht, meinen Blick wieder abzuwenden. Zum Glück ertönte in dem Moment der Startpfiff. Er drehte sich um und erlöste mich aus diesem unfassbar peinlichen Zustand.

Ich hatte plötzlich das dringende Bedürfnis mich irgendwo zu verkriechen. Aber jetzt aus der Reihe auszutreten war komplett undenkbar. Alle würden denken, dass ich kniff. Der Greeny kletterte in den Ring und schwang sich auf den Rücken des Plastikbullen, der Pfiff schrillte und der schwarzhaarige Junge hielt sich mit unverschämter Leichtigkeit auf dem bockenden Automaten.

Dreizehn Sekunden, dann lag er unten. Die Zuschauer tobten. Dreizehn Sekunden! Wie sollte ich das toppen? Ich erwog, mich aus dem Staub zu machen, die Wette hatte ich sowieso schon verloren, doch dann hörte ich meinen Namen.

»Jo-sie! Jo-sie!« Der ganze Platz rief meinen Namen, dazu ohrenbetäubendes Johlen und Pfeifen. Meine Beine zitterten inzwischen so sehr, dass ich nicht einmal mehr wusste, wie ich in den Ring steigen sollte. Der Greeny sprang über die Gummibrüstung und blieb kurz vor mir stehen. Erneut zogen mich seine grünen Augen magisch an.

»Zeig’s ihnen, Josie«, sagte er und zwinkerte mir zu.

Mein Herz schlug unregelmäßig, als sein schwarzer Pferdeschwanz in der Menge verschwand. Schnell griff ich nach dem Geländer. Ich stand zwar mit beiden Beinen auf den Stufen, aber es fühlte sich keineswegs an, als würde ich irgendwo sicher stehen. Ich verstand nicht, was gerade mit mir geschah und ob er mich überhaupt wahrgenommen hatte, während ich in dem Bergsee seiner Augen ertrunken war. Aber noch mehr fragte ich mich, wer er war und ob ich ihn je wiedersehen würde. Und vor allem: ob er sich an mich erinnern würde.

Nicht was wir wissen, macht etwas wahr, sondern was geschieht.

Traum oder Wirklichkeit?

Nach den Aufregungen der ersten Ferientage fiel es mir schwer, zur Ruhe zu kommen, aber irgendwann musste ich dann doch eingenickt sein, denn der Ruf eines Käuzchens ließ mich aus einem unruhigen Schlaf hochschrecken. Ich lauschte dem heiseren Buhuu, als etwas gegen meine Fensterscheibe klopfte. Ich erstarrte. Mein Zimmer lag im ersten Stock, es war unmöglich dort zu klopfen. Ich setzte mich kerzengerade auf und sah gebannt zum Fenster. Das Käuzchen flatterte davor hin und her, dann flog es direkt darauf zu und klopfte mit dem Schnabel gegen die Scheibe. Ohne weiter nachzudenken, sprang ich aus dem Bett und riss das Fenster auf.

Doch anstatt eines erneuten Käuzchenrufes hörte ich Wiehern aus dem Stall. Ich erkannte sofort, dass dies kein normales Wiehern war, es war durchzogen von Angst und Schmerz.

Sekunden später rannte ich die Treppe nach unten, aus dem Haus und in den Stall. Ich erreichte die Box und blieb wie angenagelt stehen.

Es musste ein Traum sein.

Ein völlig verrückter, irrer, absurder Traum: Der Junge mit den grünen Augen stand neben unserem Zuchthengst Hisley und half ihm auf die Beine.

Magie aus einer Sommernacht geboren

In meinem Kopf schwirrte es. Mein Bruder hatte ausgerechnet diesen Greeny – Ray – für den Sommer auf der Ranch angeheuert, und hier waren wir nun, mitten in der lauen Sommernacht und führten gemeinsam den kranken Hengst herum.

Ich hatte das Gefühl, etwas sagen zu müssen, aber keine Ahnung, wie ich das Schweigen brechen sollte, und mit jeder Minute, die wir stumm nebeneinander her stapften, wurde es schwerer, die richtigen Worte zu finden.

»Wie hast du es geschafft, Hisley auf die Beine zu bringen?«, fragte ich schließlich.

»Magie.«

Ich musste mich verhört haben. Oder Ray nahm mich gerade auf den Arm.
»Magie?«, fragte ich nach.

Er lachte. Es war das erste Mal, dass ich sein Lachen hörte, und ich liebte es auf Anhieb.»Er hat begriffen, dass es für ihn besser ist, aufzustehen.«

»Aha«, sagte ich, unsicher, was ich auf eine solche Antwort erwidern sollte. »Danke jedenfalls, ich weiß nicht, ob ich Hisley wieder hochbekommen hätte.«

Er blieb stumm.

»Hisley ist sehr wichtig für uns. Er ist unser Zuchthengst.«

»Für deinen Bruder ist er euer Zuchthengst«, korrigierte er mich.»Für dich ist er mehr.«

Ich schluckte, zu perplex, um gleich zu antworten. Wie konnte Ray das wissen?

»Er war das Turnierpferd meiner Mutter«, sagte ich leise.

»War?«, fragte er.»Ist sie -«

»Ja«, sagte ich schnell, bevor er aussprechen konnte, was auf der Ranch keiner aussprechen durfte. Als könnte man das Unfassbare dadurch ungeschehen machen.

»Das tut mir leid.« Seine Stimme war ein warmes Schnurren.

»Ja«, sagte ich mühsam beherrscht.»Mir auch.«

Erneut legte sich Schweigen über uns. Aber diesmal störte es mich nicht. Ich suchte nicht mehr nach Gesprächsstoff, ich musste nicht mehr mit Ray reden, um ihm näherzukommen, ich war ihm nah. Damit meine ich nicht, dass wir nur dreißig Zentimeter voneinander entfernt durch die Nacht liefen, sondern, dass die Mauer verschwunden war, an der vor ein paar Minuten noch jeder meiner unbeholfenen Sätze abgeprallt war.  

»Siowa cha maquwama«, sagte er nach einer kleinen Ewigkeit. »Die Toten wachen über uns.«

Ich sagte nichts. Tief in meinem Herzen glaubte ich daran, dass meine Mutter, wo auch immer sie jetzt sein mochte, über uns wachte. Trotzdem blieb es eine abstrakte Vorstellung, die durch nichts zu beweisen war und die ich sicher nicht laut in der Öffentlichkeit aussprechen würde.

»Vielleicht hat sie mir heute geholfen, Hisley wieder auf die Beine zu stellen.«

Zweifelnd blickte ich zu ihm. Meinte er das ernst?

Im Mondlicht sah ich zwar die Konturen seines Gesichts, aber den Ausdruck darauf konnte ich nicht erkennen. Seine Augen jedoch leuchteten so grün und hell wie die einer Katze in der Nacht. Die Bezeichnung Greeny hatte eindeutig ihre Berechtigung.

»Vielleicht hat sie das«, sagte ich zögernd. »Ich wüsste allerdings nicht, wie.«

»Es ist nicht das, was wir wissen, was etwas wahr macht, sondern das, was geschieht.«

Ich sah ihn überrascht an. An solche Aussagen war ich nicht gewöhnt.

»Menschen müssen alles sezieren und untersuchen und beweisen, um etwas zu glauben. Können sie das nicht, leugnen sie die Existenz oder verschreien es als Unsinn. Das ist das Gleiche, wie einem Pferd Scheuklappen aufzusetzen, damit es nicht nervös wird.«

Ich war sprachlos. Ich wusste nicht, was ich mir von dem Gespräch erwartet hatte, aber ganz sicher nicht das.

»Nimm deine Scheuklappen ab, Josie. Du brauchst sie nicht.«

Mein Herzschlag setzte aus. Er hatte sich an mich erinnert!

Man kann sein Schicksal nichts fragen, weil es nicht antworten kann.

Zeichen wie von Geisterhand

Ein gewaltiger Donnerschlag weckte mich, Regen prasselte gegen die Scheibe. Dann kam der nächste Blitz.

Es war eindeutig. Ein Muster auf dem Fenster. Gemalt von Regentropfen, die wie von Geisterhand ein Bild auf die Scheibe zauberten. Es war verrückt. Regen hinterließ vertikale Streifen und Tropfen. Das gebot die Schwerkraft, soweit hatte ich im Unterricht aufgepasst. Aber Regen hinterließ keine wellenartigen Querstreifen und keine Sonne und ganz besonders keinen Totenkopf. Ich griff an meine Brust, mein Herz schien schier zu explodieren.

Die Zeichen mehrten sich, auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte: Rays Geheimnis hatte irgendwie mit all diesen mysteriösen Ereignisse hier auf der Farm zu tun. Und unsere Liebe könnte alle hier in große Gefahr bringen.

Ray hatte recht, unsere Liebe durfte nicht sein, aber wie sollte ich das schaffen, ihn nicht-lieben können?

 

Liebe ist stärker als der Tod

Wir setzten uns unter den Kwaohibaum. Ray lehnte sich an den Stamm und bettete meinen Kopf auf seine Oberschenkel. Seine Finger strichen über die Konturen meines Gesichts, ich spürte seine Hand zart dort ruhen und plötzlich hatte ich ein Bild vor Augen. Ray und ich waren auf der Lichtung, auf der er die Schmetterlinge für mich hatte tanzen lassen. Wir lagen dort, inmitten der Blumen, eng umschlungen, er küsste meine Wangen, meine Nase, meine Augen, meinen Mund.

Halt. Korrektur.

Es war mehr als ein Bild. Ich spürte seine Küsse, ich spürte seine Hände über meinen Körper gleiten, ich spürte seinen warmen Körper an meinem, ich roch die Blumen, das lange Gras, ich roch seinen wunderbaren Ray-Duft, ich schmeckte ihn sogar. Es war nicht nur unglaublich, es war auch unglaublich schön. Eine Art Virtual Reality für alle Sinne und ohne Brille.

So wollte ich für immer mit ihm auf dieser Wiese liegen. Ich wünschte es mir so sehr, dass mir ein wohliger Seufzer entschlüpfte. Da nahm er seine Hand von meinen Augen und das Traumbild verschwand.

Ich blinzelte irritiert. »Was war das?«

Anstelle einer Antwort zog er sein Taschenmesser aus dem Gürtel, drehte sich zum Baum und ritzte eine Kerbe in die Rinde. Als Nächstes schnitt er eine Strähne von seinem Haar ab, dann von meinem. Er schlang die Strähnen ineinander und versenkte sie in der Kerbe.

Ich verfolgte stumm sein Tun. Ich war mir sicher, es war eine Art Ritual, aber ich verstand nicht, was es bedeuten sollte. Ich öffnete den Mund, um ihn zu fragen, doch er beugte sich zu mir herab und verschloss meine Lippen mit einem Kuss.

Eine Liebe wie der Anbeginn der Welt.

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Ewig Dein - Ewig Uns.