Vicky Grant: 36 Fragen an dich | Leseprobe read’n’go

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Kann aus einem psychologischen Experiment die große Liebe werden? Tauche jetzt ein in die Geschichte von Hildy und Paul und scroll los!

Worum geht´s?

Liebe als Experiment – kann das gelingen?

Hildy und Paul, beide 18, nehmen an einem psychologischen Experiment teil: die wissensdurstige, aber etwas chaotische Hildy aus Interesse und tausend anderen Gründen. Paul aus einem einzigen: weil die Teilnahme bezahlt wird. Und so sitzen sich die beiden in einem kargen Universitäts-Raum gegenüber und stellen sich Fragen, die zwischen ihnen Liebe erzeugen sollen.

Fragen, die zunächst scheinbar banal sind und dann immer persönlicher werden. Fragen, die Hildy im wahren Leben nie jemandem wie Paul stellen würde, dem gut aussehenden Typ, der sich für nichts und niemanden interessiert, am wenigsten für Hildy. Oder?

P.S.: Das Experiment mit den 36 Fragen gibt es übrigens wirklich!

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Frage 1:
Wenn du unter allen Menschen auf der Welt jemanden auswählen dürftest, wen hättest du gern als Gast zum Essen?

Hildy

Es wurde dreimal hastig geklopft, dann ging die Tür auf, und eine junge Frau stolperte herein, ganz außer Atem.

»Sorry. Entschuldigung, dass ich zu spät bin. Ich musste noch mit meinem Englischlehrer über mein Referat reden, und er war nicht in seinem Zimmer, und …«

Jeff wackelte mit dem Kopf, kein Problem.

»… als er dann endlich da war, hatte ich den Bus schon verpasst und musste in die Stadt zum …«

»Macht nichts. Ist überhaupt nicht schlimm. Ha­ben Sie das Formular ausgefüllt?«

»Äh, ja. Moment.« Sie sah sich nach einem geeig­neten Platz für den lebendigen Zierfisch um, den sie in einer kleinen, mit Wasser gefüllten Plastiktüte in der Hand hielt.

 

Jeff machte sich Notizen, dann sagte er: »Also, Hilda Sangster, Citadel High …«

Sie stöhnte.

Jetzt hob er den Kopf. »Stimmt was nicht?«

»Sorry. Das mit dem Hilda. Das hätte ich erklären sollen.«

Er sah noch einmal auf das Formular.

»Ich weiß, dass ich Hilda geschrieben habe, aber nur, weil da stand ›Vorname, Nachname‹, nicht ›Ruf­name‹, und ich dachte mir, Sie brauchen das für of­fizielle Zwecke, deshalb habe ich es, na ja, ordnungs­gemäß ausgefüllt, obwohl ich den Namen nicht ausstehen kann. Er ist so, wie soll ich sagen, teuto­nisch oder so. Niemand nennt mich Hilda.«

»Und wie sollte ich Sie dann nennen?«

»Hildy.«

»Hil-dy, nicht Hil-da.«

»Klingt nicht groß anders, aber, mal ehrlich? Für mich? Riesenunterschied.

Irgendwann lasse ich ihn ändern, also amtlich und alles, aber meine Oma lebt noch, und, na ja, Rück­sicht auf Gefühle, Familientradition etc. etc.«

Sie musste bemerkt haben, dass sie zu viel redete. Sie lächelte verlegen und drückte den Rücken durch.

»Dann also Hildy. Ich sehe hier, Sie sind in der zwölften Klasse. Sie sind Single?«

Sie lachte auf eine Art, die nur Ja bedeuten konnte.

Frage 2:
Wärst du gern berühmt? Wenn ja, wie?

Paul

Der junge Mann kam herein, ohne anzuklopfen.

Jeff sah von seinem Laptop auf. »Und Sie sind?«

»Paul Bergin.« Kein Lächeln. Wenig Augenkontakt. Stimme kaum lauter als ein Murmeln.

»Sind Sie hier wegen der Studie über zwischenmenschliche Nähe?«

»Ich bin hier wegen der Studie, für die man vierzig Dollar kriegt. Ist das die?«

»Könnte sein. So viel bezahlen wir.«

»Dann wegen der.« Er holte ein säuberlich zum Quadrat gefaltetes blaues Blatt Papier aus der Jackentasche und reichte es Jeff. Seine Hände waren rot von der Kälte. »Wie lange dauert das Ganze?«

Jeff bedeutete ihm, sich zu setzen, aber das hatte er schon.

»Unterschiedlich. Wahrscheinlich ein oder zwei Stunden, aber wir geben kein Zeitlimit vor, deshalb könnte es auch länger werden. Hängt von Ihnen ab.«

»Gibt’s dann Überstunden?« Jetzt grinste Paul, vielleicht dachte er sich, etwas Charme könnte sich in Form von Geld bezahlt machen.

»Leider nicht. Pauschale. Trotzdem interessiert?«

Paul sah sich um, als schätzte er den Straßenverkaufswert der diversen Actionfiguren in dem Metallregal auf der anderen Zimmerseite.

»Warum nicht. Wann soll ich anfangen?«

»Ich gebe Ihnen nur noch ein paar Hintergrundinformationen über die Studie, dann kann es losgehen.«

»Wozu brauche ich Hintergrundinfo?« Er drehte eine kleine graue Kaugummirosine zwischen den Schneidezähnen.

»Ich dachte, es würde Sie interessieren.«

»Eigentlich nicht. In der Anzeige stand, ich muss nur ein paar Fragen beantworten.«

»Genau. Besser gesagt, Sie und Ihre Partnerin müssen einander sechsunddreißig Fragen stellen.«

»Ich habe keine Partnerin.«

»Wir suchen eine für Sie aus.«

»Muss ich mir die Fragen ausdenken?«

»Nein, die stehen schon auf Karteikarten. Sie müssen sich einfach nur möglichst große Mühe bei der Beantwortung geben.«

»Mehr nicht?«

»Sie unterschreiben eine Einverständniserklärung und füllen hinterher einen kurzen Bericht aus.« Jeff überflog Pauls Anmeldeformular.

»Sind Sie Schüler oder Student?«

»Muss ich eins von beidem sein?«

»Nein.«

»Dann bin ich arbeitslos.«

»Sie sind achtzehn?«

»Fast neunzehn.«

»Hetero?«

»Was?«

»Nicht schwul.«

»Ja. Das hab ich angegeben.«

»Single?«

»Möglichst.«

»Okay. Dann unterschreiben Sie bitte hier und gehen Sie« – er sah in seine Notizen – »in Zimmer 417. Ihre Testpartnerin sollte schon da sein.«

Paul hielt sich nicht damit auf, das Blatt durchzulesen. Er schrieb ordentlich seinen Namen auf die Linie, stand auf und war weg.

Frage 3:
Probst du manchmal vor einem Telefongespräch, was du sagen wirst? Wenn ja, warum?

PAUL: Hi.

PAUL: Hallo.

PAUL: Hallo-ho?

HILDY: Oh. Ach so.

PAUL: Alles klar bei dir?

HILDY: Äh, ja. Sorry.

PAUL: Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst ge­sehen.

HILDY: Nein, nein. Ich hab nur gelesen und ganz die Zeit vergessen, und du hast mich irgendwie über­rascht. Also, äh, hallo.

PAUL: Aha. Hi. Ich bin Paul.

HILDY: Du meinst, Bob.

PAUL: Nein, ich meine Paul.

HILDY: (lacht) Das hab ich nicht gehört.

PAUL: Ich sagte, Paul.

HILDY: Wir sollen den Namen des anderen nicht wis­sen.

PAUL: Das hat mir keiner gesagt.

HILDY: Echt? Mir wurde gesagt, wir sollen uns Bob und Betty nennen. Du weißt schon, wegen Privat­sphäre und so.

PAUL: Von mir aus. Und wer darf Betty sein?

HILDY: Ha! Da ist was dran. Wie unheimlich PC von denen, dass sie …

PAUL: Was zum Henker ist mit diesem Stuhl los?

HILDY: Willst du tauschen? Mir macht es nichts aus. Ich kann …

PAUL: Damit du stattdessen auf dem Arsch landest? Nein. Ich lass es darauf ankommen.

HILDY: Sicher? Wir könnten bestimmt einen …

PAUL: Hast du vor, länger zu bleiben, oder was?

HILDY: Äh, ja. Warum?

PAUL: Dir muss doch heiß sein in dem Ding.

HILDY: Ach so. Genau. Mein Mantel. Eine meiner klei­nen Marotten. Ich hab’s gern richtig warm. Macht meine Freunde wahnsinnig. Sie sagen immer, sie schwitzen schon vom Zuschauen. Stört dich doch nicht, oder? Ich kann ihn auch …

PAUL: Solange du mir nicht umkippst.

HILDY: Keine Angst. Ich werde mir alle Mühe geben, nicht, du weißt schon, in Ohnmacht zu fallen …

PAUL: Danke. Super. Können wir anfangen?

HILDY: Klar. Wie sollen wir vorgehen? Vielleicht liest einer von uns die Frage laut vor, und der andere ant­wortet?

PAUL: Okay.

HILDY: Und dann wechseln wir?

PAUL: Okay.

HILDY: Fängst du an oder ich?

PAUL: Wie du willst.

HILDY: Oder, hey. Wir können ja eine Münze werfen.

PAUL: Mir ist das echt ziemlich egal. Mach du zuerst.

HILDY: Sicher?

PAUL: Ja. Können wir jetzt einfach mal anfangen?

HILDY: Klar. Sorry. Ich bin nervös. Du auch?

PAUL: Warum sollte ich?

HILDY: (lacht) So was macht mich immer nervös, ob­wohl Jeff ja gesagt hat, es gibt …

PAUL: Jeff?

HILDY: Der Psychologe. Er meinte – worüber lachst du?

PAUL: Psychologe. Der Typ ist ein alberner kleiner Student mit seinen putzigen Formularen und sei­nem nicht so richtig ironischen Fimmel für Happy-Meal-Spielzeug.

HILDY: Er ist Doktorand.

PAUL: Genau. Sag ich doch.

HILDY: Na ja, nicht so ganz.

PAUL: Mehr oder weniger.

HILDY: Jedenfalls meinte er, es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, aber trotzdem. Da hängt viel dran. Weshalb ich wohl auch ein kleines biss­chen, du weißt schon, aufgeregt bin.

PAUL: Ehrlich? Ist mir gar nicht aufgefallen. Wie wär’s, wenn du dir hinterher zu Hause ein paar Jägermeister eingießt? Ich fang jetzt einfach mal an. Frage 1: Wenn du unter allen Menschen auf der Welt jemanden auswählen dürftest, wen hättest du gern als Gast zum Essen?

HILDY: Nur einen? Mehr darf ich nicht?

PAUL: Nein.

HILDY: Das steht da?

PAUL: Da steht, scheiße, ich fasse es nicht, »jemanden auswählen dürftest«. Das heißt für mich, nur einen.

HILDY: Das ist schwer. An sich möchte ich jemanden wie Jane Austen oder D. H. Lawrence oder Barack Obama nehmen, aber ganz ehrlich? In Gegenwart solcher Genialität wäre ich so ehrfürchtig, dass ich es wahrscheinlich nicht genießen könnte. Anderer­seits will ich meine einzige Einladung nicht an ir­gendeinen Normalo verschwenden …

PAUL: Also, wen nimmst du?

PAUL: Es geht nur um ein Essen.

PAUL: Wir reden hier nicht davon, mit jemandem zu

schlafen.

HILDY: Sorry. Brauche ich zu lange?

PAUL: Ach was. Wie kommst du denn darauf?

HILDY: Ah, genau. Ich weiß. (lacht) Taylor Swift!

Frage 14:
Gibt es etwas, was du schon lange machen möchtest? Warum hast du es noch nicht gemacht?

HILDY: Evan Keefe küssen. Was denn?

PAUL: Nichts.

HILDY: Lach nicht. Das ist nicht lustig.

PAUL: Doch.

HILDY: Du kennst ihn ja nicht mal.

PAUL: Das muss ich nicht. Du willst ihn küssen? Also küss ihn. Warum hast du noch nicht?

HILDY: Das muss ich dir nicht sagen.

PAUL: Doch, musst du. Zweiteilige Frage.

HILDY: Verdammt.

PAUL: Verdammt! Wow. Du musst ja echt voll sauer sein. Komm schon. Spuck’s aus.

HILDY: Okay. Also, eigentlich kein Grund. Nur, Evan Keefe und ich? Daraus wird nie was.

PAUL: Warum? Ist er schwul oder so?

HILDY: Nein! Warum sagst du so was? Er ist einfach nur, was weiß ich, nicht meine Liga. Ich meine, sieh ihn dir an.

PAUL: Du hast ein Foto von ihm auf dem Handy. Das ist irgendwie gruselig. Du bist doch keine Stalkerin, oder?

HILDY: Wir machen einfach rein zufällig viele Sachen zusammen.

PAUL: Rein zufällig.

HILDY: Ja, rein zufällig. Wir interessieren uns beide für Theater, Musik, Schreiben …

PAUL: Und er ist nicht schwul.

HILDY: Das nennt man Schubladendenken.

PAUL: Und warum hat er dich noch nicht geküsst?

HILDY: Du meinst, warum habe ich ihn nicht geküsst? Die Frage war, was ich schon lange tun wollte.

PAUL: O mein Gott. Korinthenkackerei. Du musst die Leute ja in den Wahnsinn treiben. Deshalb hat er dich noch nicht geküsst.

PAUL: Was?

PAUL: Was?

PAUL: Ach, Scheiße noch mal.

HILDY: Komm mir bloß nicht so!

PAUL: Was bist du? Eine Großmutter? Nur Achtzigjährige sagen so was.

HILDY: Ist mir egal, wer so was sagt! Deine Kommentare sind verletzend. Du kennst mich seit ungefähr einer Dreiviertelstunde und glaubst, du hättest das Recht zu sagen, dass ich andere Leute in den Wahnsinn treibe? Offenbar bin ich so nervtötend, dass der bloße Kontakt mit mir –

PAUL: Du lieber Himmel. Du weinst doch nicht wieder, oder? Mist. Entschuldige. Bitte. Hör auf damit.

HILDY: Ich weine gar nicht. Bei Frauen sind die Tränenkanäle enger als bei Männern, deshalb kann schon mal, was weiß ich, ein bisschen was überlaufen. Ich bin einfach nur SO WÜTEND.

PAUL: Meine Güte. Du sollst dich selbst mal hören. Ich hab nur gefragt, warum er dich nicht geküsst hat. Was ist daran so schlimm? Ich dachte mir, dass jeder Hetero-Kerl dich küssen wollte.

HILDY: Sei nicht so gönnerhaft zu mir.

PAUL: Bin ich nicht. Ganz ehrlich. Ich hab nur nicht geahnt, dass du so sensibel bist.

HILDY: Sag nicht »sensibel«.

PAUL: O mein Gott. Hast du mich gerade mit deinem Fisch beworfen?!

Frage 36

HILDY: Jetzt kommt die letzte Frage.

PAUL: Und was passiert dann?

HILDY: Keine Ahnung. Unsere vierzig Dollar abholen, und der Rest liegt bei uns, schätze ich mal.

PAUL: Vierzig Dollar. Das ist ein Drittel von dem, was dein Fisch gekostet hat. Viel Arbeit für wenig Verdienst.

HILDY: Um den Verdienst ging es ja nicht primär. Soweit ich mich erinnere, hat Jeff gesagt, sie wollen nur sehen, ob sie eine Beziehung »fördern« können.

 

PAUL: Was?

HILDY: »Eine Beziehung fördern.« Sie haben nicht versprochen, dass wir uns verlieben oder uns auch nur vertragen.

PAUL: Wovon redest du?

HILDY: Das Ziel der Studie.

PAUL: Darum geht’s hier? Das hat mir keiner gesagt.

HILDY: Und warum hast du dann mitgemacht?

PAUL: Wegen dem Geld.

HILDY: O mein Gott. Was für ein Paar. Dir war egal, warum, und mir war egal, wie viel … Alles okay?

PAUL: Ich bin nur irgendwie fassungslos. Das ist, als würden sie unser Bewusstsein manipulieren oder so was.

HILDY: Du meinst, wenn du mich auf der Straße gesehen hättest, dann hättest du nicht unbedingt gedacht, wie sexy und rein ich bin.

PAUL: Doch, das schon, aber –

HILDY: Na also, worüber beschwerst du dich dann? Ich stelle die letzte Frage.

PAUL: Das schreit nach einem Trommelwirbel…

Du willst wissen, wie es mit Paul und Hildy weiter geht?

So viel sei verraten: Zum Abschluss des Experiments müssen sich die beiden noch vier Minuten lang schweigend in die Augen sehen. Wenn es da mal nicht knistert ...

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